Deftones: Gore

Das Dunkel am Ende des Tunnels

Deftones - Gore

Punktlandung mit Anflugschwierigkeiten: Endlich erscheint mit "Gore" ein neues Deftones-Album. Und noch dazu ein richtig gutes.

Sie waren schon immer anders. Eigenwilliger als die Konkurrenz, ernsthafter vielleicht. Schwer verdaulich. Das Etikett des Nu Metals, welches den Deftones zu Anfang ihrer Karriere angeheftet wurde, legten die Amerikaner recht bald ab. Auf "Gore" ist davon nicht viel übrig geblieben. Besser ist das. Denn anno 2016 stehen die Männer um Chino Moreno schlicht und ergreifend für spannende Rockmusik.

Sie sind immer noch wichtig genug für eine Titelstory, sind immer noch begehrt. Weil das Einordnen so herrlich schwer fällt. Was bleibt, nachdem das erste Mal die elf Titel durchlaufen wurden? Ein Gefühl der Enge. Etwas Angst, Wut sowieso. Aber da ist auch dieses versöhnliche Element, das vorzugsweise in Refrainform vieles relativiert. Selbst ein krachendes "Doomed User" ist vor ihm nicht sicher. Und es gibt Songs wie "Phantom Bride", die weniger zum Austicken auf dem vermatschten Festival als zum gemütlichen Ausklang auf dem heimischen Balkon dienen.

Kaum eine Band weiß ihre Fäden so geschickt zu verweben, dass am Ende ein seltsames Alles-und-Nichts-Gefühl bleibt, welches dennoch positive Spuren hinterlässt. Mit nur einer Konsequenz: noch einmal hören. Noch einmal das bereits veröffentlichte "Prayers/Triangles" mit seiner etwas verträumten und dennoch energischen Art durch die Gehörgänge jagen. Ebenso wie den gleichermaßen sperrigen wie fetten Titeltrack und "Rubicon", das einen imposanten Schlusspunkt setzt.

Die Deftones klingen auf "Gore" durchaus wie die Deftones der jüngeren Vergangenheit. Keine Selbstverständlichkeit, insbesondere im Hinblick auf die zahlreichen Schicksalsschläge und Querelen, mit denen sich die Band in den letzten Jahren konfrontiert sah. Zuerst der Tod des nach einem Verkehrsunfall ins Koma gefallenen Bassisten Chi Cheng, dann die Anwesenheit im Pariser Bataclan am 13. November 2015 - die Deftones hätten am Tag nach den Anschlägen in dem Konzertsaal auftreten sollen. Zusätzlich sorgten Verschiebungen des Veröffentlichungsdatums und zu Protokoll gegebene Unstimmigkeiten innerhalb der Band für Verwirrung. Zweifel waren angebracht. Dass "Gore" dennoch oder gerade deshalb ein enorm vielschichtiges Album geworden ist, spricht für sich. Die Deftones sind zurück. Und das fühlt sich gut an.

Deftones auf Tournee:

14.06.2016, Köln, Palladium

15.06.2016, Berlin, Columbiahalle

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