Finanzielle Nöte wegen Corona-Pandemie

„Dramatische Notlage“: Musikstars rufen zu Groß-Demo in Berlin auf

Die Toten Hosen um Frontmann Campino rufen über Facebook zur Teilnahme der Großdemonstration in Berlin auf, um die Pleitewelle der Veranstaltungswirtschaft zu stoppen.
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Die Toten Hosen um Frontmann Campino rufen über Facebook zur Teilnahme der Großdemonstration in Berlin auf, um die Pleitewelle der Veranstaltungswirtschaft zu stoppen.

Auch wenn vereinzelt wieder kleine Veranstaltungen möglich sind, ist noch völlig ungewiss, wie die Kulturbranche die Coronakrise übersteht. Betroffene gehen deswegen am 9. September für eine Großdemonstration auf die Straße. Mit dabei: Udo Lindenberg und die Toten Hosen.

Wann werden wieder Konzerte möglich sein? Wie kommen die unzähligen Kleinkünstler trotz wenig Aussicht auf Verdienst durch die Coronakrise? Und was wird aus den Veranstaltungsagenturen, Technikern und Lichtdesignern? Die Kulturbranche sieht sich in der Corona-Pandemie nach wie vor mit existenziellen Fragen konfrontiert. Um ihre Notlage nochmals zur verdeutlichen und mit Nachdruck auf die politische Agenda zu bringen, ist für Mittwoch, 9. September, eine Großdemonstration in Berlin angekündigt. Der Protestzug unter der Organisation des Aktionsbündnis „Alarmstufe Rot“ startet um 12.05 Uhr auf dem Alexanderplatz.

Mit dem Ziel die Pleitewelle der Veranstaltungswirtschaft aufzuhalten, haben auch einige renommierte Künstler ihre Mitwirkung zugesagt und über die sozialen Medien die Werbetrommel gerührt. Die Toten Hosen schrieben auf ihrer Facebook-Seite, die Veranstaltungswirtschaft befinde sich „in einer dramatischen Notlage“ und kritisierten im gleichen Atemzug die ausbleibenden staatlichen Hilfen: „Die Einnahmen sind seit Monaten durch die Corona-Krise gleich Null, gleichzeitig kommt staatliche Unterstützung, die andere Branchen erhalten, bei den Betroffenen nicht an oder ist erst gar nicht vorgesehen.“

„Eine große Branche geht den Bach runter“

Auch Udo Lindenberg zeigte sich via Facebook solidarisch mit der Intention der Demonstration und schrieb: „Auch aus unserer großen Panikfamilie werden es wohl einige Firmen und Soloselbständige nicht mehr schaffen, noch länger durchzuhalten. Eine große Branche geht den Bach runter.“ Außerdem betonte er den wirtschaftlichen Wert des „sechstgrößten Wirtschaftszweigs Deutschlands mit 130,0 Mrd. Euro Umsatz sowie über 1,0 Mio. Beschäftigten“. Jetzt sei es in der Verantwortung der Politik, die Veranstaltungswirtschaft „vor dem Untergang zu retten“, so Lindenberg: „Viele haben bereits aufgegeben. Viele wissen nicht mehr weiter.“

Deutlich distanzierte sich der Panikrocker derweil von den jüngsten Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung in der Hauptstadt: „Nein, wir unterstützen keine Demos, die von rechtsextremen Netzwerken mit veranstaltet werden, und wo bewusst Risiken eingegangen werden.“ Stattdessen sei ihm wichtig, dass die Hygienemaßnahmen auf dem Protestzug eingehalten werden: „Demo mit Maskenpflicht und Abstandsregeln, ohne Coronaleugner und Nazis!“

„Es ist 5 vor 12 in der Veranstaltungsbranche“

Schon zuvor hatte Carolin Kebekus über ihre Instagram-Seite zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen. „Es ist 5 vor 12 in der Veranstaltungsbranche“, warnte die Komikerin. „Es muss sich etwas ändern, sonst ändert sich alles in unserer schönen Kulturlandschaft“, lautete das emotionale Plädoyer der 40-Jährigen, das mit dem Aufruf „Solidarität für alle Kulturschaffenden!“ endete.

Bei ihren Social Media Fans provozierten die prominenten Künstler mit ihren Aufrufen gespaltene Reaktionen. Während die Wortmeldung der Toten Hosen von manchen ihrer Anhänger mit Lob wie „Gute Aktion. Aufgeben ist nie eine Lösung“ oder „Schön, dass es Menschen gibt, die versuchen, was in der Welt zu ändern / zu verbessern“ goutiert wurde, brandete auch Kritik auf. Ein Nutzer merkte etwa an: „Keine Angst vor Superspreader-Events durch Busfahrt und Demo?“

Ein ähnliches Bild bot sich in der Kommentarspalte zum Post Udo Lindenbergs, wo unter anderem ein Facebook-User schrieb: „Es ist bitter, dass im Land der Dichter und Denker Künstler weniger unterstützt werden als die Autoindustrie oder die Kohlestromerzeuger.“ Anderer Meinung war ein weiterer Nutzer, der kritisierte: „Wieder eine Spaßveranstaltung die nichts bringt. Das ist kein Widerstand!“

teleschau

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