James Blunt

Doch kein Techno-Album

15 Jahre nach „You&#39re Beautiful“ beschert uns James Blunt mit seinem sechsten Album erneut Ohrwürmer am laufenden Band.
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15 Jahre nach „You're Beautiful“ beschert uns James Blunt mit seinem sechsten Album erneut Ohrwürmer am laufenden Band.

Mit seinem sechsten Album „Once Upon A Mind“ kehrt James Blunt zurück zu seinen Wurzeln. Handgemachter Singer-/Songwriter-Pop trifft auf Arrangements auf der Höhe der Zeit.

„Es wird ein Techno-Album“: Mit dieser Handy-Nachricht soll James Blunt im Verlauf der Arbeiten an „Once Upon A Mind“ seinen Manager geschockt haben. Der Spaßvogel erlaubte sich allerdings nur einen Scherz. Denkbar wäre es dennoch gewesen, denn der britische Schmusebarde hat offenbar eine Seite, die man ihm gar nicht zugetraut hätte: In seiner Wahlheimat Ibiza ist der inzwischen 45-Jährige angeblich als Partykönig bekannt. Das erklärt vielleicht auch seine elektronischen Ausflüge auf dem Vorgängeralbum „The Afterlove“ (2017) oder auch die Kooperationen mit DJ- und Produzenten-Größen wie Robin Schulz („Ok“), Lost Frequencies („Melody“) und Alle Farben („Walk Away“).

Mit einem Techno-Album hat „Once Upon A Mind“ definitiv nichts zu tun - vielmehr kehrt James Blunt zurück zu seinen Wurzeln. Die neuen Songs zeugen von viel Handarbeit; mal dominiert die Akustik-Gitarre, mal das Klavier. Der Opener „The Truth“ mag manchem Hörer spanisch vorkommen, allerdings nicht, weil er nach Clubbing auf Ibiza klingt, sondern weil in der Gitarre eine gute Portion Flamenco mitschwingt.

„The Truth“ steht beispielhaft für das gesamte Album: Man hört viele akustische Klänge mit ein bisschen Elektronik-Beiwerk, dazu ebenso einfache wie eingängige Melodien, die durch das Pathos der Arrangements zu Hymnen heranwachsen. Und: James Blunt gelingt es, dass das Ganze nie überladen wirkt. Man kauft ihm die Gefühle ab, die er besingt. Das gilt für die beschwingten und die sentimentalen Momente gleichermaßen. „Ich denke, dies ist das ehrlichste Album, das ich je gemacht habe“, lässt der Künstler sich von seiner Plattenfirma zitieren. „Jeder Song dieses Albums steht für etwas, das ich derzeit durchlebe oder in jüngerer Zeit erlebt habe.“

Zeitgemäße Ohrwürmer

Die Tracklist ist clever arrangiert, sodass sich die Sonnen- und Schattenseiten stets abwechseln. Leicht wie eine sommerliche Brise kommt beispielsweise der eigentlich ernste Midlife-Crisis-Song „Youngster“ daher. Zu den auffälligeren Titeln gehören auch das reiselustige Stück „5 Miles“, die Uptempo-Single „Cold“, der Aufmunterer „I Told You“ und „Halfway“, eine launige Folkpop-Ansage gegen halbe Sachen.

Für Tiefgang sorgen auf „Once Upon A Mind“ aber vor allem die Piano-lastigen Balladen. „How It Feels To Be Alive“ beeindruckt als bombastische Elegie, die sich auch als Bond-Film-Titelsong gut machen würde. Besonders intensiv ist auch die Single „Monsters“. Der Generationenkonflikt zwischen Vater und Sohn steht still, wenn es um Leben und Tod geht: „'Monsters' ist ein Lied für meinen Vater, den ich als Kind vergöttert habe, der mein bester Freund im Erwachsenenleben war und der jetzt dringend eine Spenderniere braucht“, erklärt Blunt den autobiografischen Song, der offener und authentischer kaum sein könnte.

15 Jahre liegen James Blunts Debütalbum „Back To Bedlam“ und die Hit-Single „You're Beautiful“ inzwischen zurück. Kritiker werden ihm mit Blick auf „Once Upon A Mind“ die gleichen Vorwürfe machen wie damals: einfach gestrickte Kompositionen und Arrangements ohne Ecken und Kanten. Seine Fans dagegen dürfen sich freuen: James Blunt zeigt, dass er es immer noch drauf hat, Ohrwürmer zu schnitzen und sie zeitgemäß zu verpacken.

teleschau

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