90er-Jahre-Ikone im nordbuzz-Interview

DJ BoBo: „Wenn es drauf ankommt, musst du da sein“

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DJ BoBo und nordbuzz-Redakteur Tobias Picker beim Interview.

Als 8-Jähriger verkleidete sich nordbuzz-Redakteur Tobias Picker zum Fasching als DJ BoBo, jetzt traf er die Schweizer Eurodance-Ikone, die eigentlich René Baumann heißt, zum Interview. Ein Gespräch über Emotionen, vergangene Zeiten, Auswirkungen des Alters und den größten Traum, den sich der 48-Jährige noch erfüllen will.

nordbuzz: Die wichtigste Frage vorweg. Wie spricht man Dich am besten an? Herr DJ oder Herr BoBo wäre ja ein bisschen albern.

DJ BoBo: Am besten mit René.

nordbuzz: Zweitwichtigste Frage: Wird DJ BoBo eigentlich älter?

DJ BoBo: Oh ja, und wie.

nordbuzz: Wie macht sich das bemerkbar?

DJ BoBo: Ich tanze in den Shows nicht mehr so viel wie früher. Ein Song durchgetanzt, da ist man dann schon platt. In den Shows ist dann aber auch die Inszenierung schon ganz anders. Ich dosiere mittlerweile.

nordbuzz: Trotzdem ist es ja noch ein ganz schönes Pensum, das Du da während einer Show abspulst. Wie hältst Du Dich dafür fit?

DJ BoBo: Gar nicht. Ich spiele Fußball. Einige Freunde und ich haben eine Mannschaft, und wir treffen uns einmal pro Woche. Sonst mache ich nichts. Auf der Bühne ist es aber eben auch kein zweieinhalbstündiges Durchgetanze mehr. Zur richtigen Zeit bewege ich mich und tanze. Ich lasse mittlerweile eher die anderen tanzen.

„Wenn es drauf ankommt, musst du da sein“

nordbuzz: Das heißt, Du bist effektiver geworden?

DJ BoBo: Ich muss. Anders geht es nicht. Das habe ich auch damals schon bei Michael Jackson gesehen. Als wir 1996 bei ihm im Vorprogramm waren, da hat er schon ordentlich dosiert, den Ball flach gehalten und dann eben an den richtigen Stellen den Moon-Walk gemacht. Wenn es drauf ankommt, musst du da sein. Wie ein alternder Fußballer, der anfängt, die Laufwege zu berechnen.

nordbuzz: Was ist wichtiger: Ein „Bravo“-Otto im Regal, oder Deine Aufgabe als Botschafter des UNO-Welternährungsprogramms.

DJ BoBo: Das Welternährungsprogramm ist viel wichtiger. Ein Preis wie der „Bravo“-Otto ist total süß, aber auch total vergänglich.

nordbuzz: Aber Du hast immerhin den ersten Ehren-Otto gewonnen.

DJ BoBo: Stimmt. Das war damals von der „Bravo“ der schönste Weg zu sagen, dass ich zu alt geworden bin. Das ist immer ganz spannend zu sehen: Bon Jovi haben sie schon zwei, drei Jahre früher abgesägt. Ist doch toll, du bekommst mit 33 einen Otto fürs Lebenswerk und dann muss man sich nicht mehr mit dir beschäftigen.

„Man kann Armut ganz schnell durchbrechen – mithilfe von Bildung“

nordbuzz: Dann erzähl doch lieber etwas über Deine Botschafter-Rolle im UNO-Welternährungsprogramm.

DJ BoBo: Gern. Da bin ich jetzt seit 2006 dabei und meistens in Äthiopien dafür unterwegs. Und es ist unglaublich, welche Hebelwirkung das nach nur zehn Jahren bekommen hat. Damals haben wir sogenannte Schulspeisungsprojekte gestartet. Das sah so aus, dass man den Menschen keine Nahrung mehr gegeben hat, außer sie gehen in die Schule. Somit waren die Eltern gezwungen, die Mädchen, die sie sonst lieber zu Hause gelassen haben, in die Schule zu schicken. Mit dem Effekt, dass nicht mehr nur 40 Prozent aller Mädchen des Landes, sondern jetzt 80 Prozent zur Schule gehen. Das war ein harter Weg, der nicht unumstritten war, aber es hat sehr gut funktioniert. Man kann diesen Kreis der Armut ganz schnell durchbrechen – nur mithilfe von Bildung.

nordbuzz: Kannst Du in Worte fassen, warum es Dir wichtig ist, Dich da zu engagieren? Wo liegt Dein persönlicher Antrieb?

DJ BoBo: Ich habe in meinem im Leben immer nach Emotionen gesucht. Ich wollte Dinge bewegen.

nordbuzz: Und Deine Musik taugte dafür nicht?

DJ BoBo: Ich sag’s mal so: Ich werde häufig gefragt, was für ein Gefühl das war, zum ersten Mal an der Spitze der Charts zu stehen. Und ganz ehrlich: Da war nichts. Da gibt es keine emotionale Regung. Ich habe mir die Charts angesehen und die ganze Zeit gedacht: Jetzt freu‘ dich endlich, los, freu‘ dich.

„Der Anspruch ist einfach anderen zu helfen“

nordbuzz: Und wie war‘s dagegen bei Deinem sozialen Engagement?

DJ BoBo: Wenn man sieht, dass die eigene, persönliche Arbeit mit dem Team Früchte trägt, ist das ein saugutes Gefühl. Der Anspruch ist sicher nicht, die Dritte Welt zu retten, sondern einfach anderen zu helfen und sich selbst gut zu fühlen. Aber bei Konzerten ist das auch ganz ähnlich. Man macht sich selbst und andere glücklich, wenn man spielt. Diese Wechselwirkung fühlt sich gut an.

nordbuzz: A propos Wechselwirkung: Bekommst Du eigentlich noch Fan-Post.

DJ BoBo: Nicht mehr so viel wie früher. Ich habe neulich die einstige „Bravo“- Redakteurin getroffen, die für unsere Fan-Post zuständig war, und sie sagte mir – das hätte sie mir früher nicht verraten dürfen – dass wir genauso viel Fan-Post bekommen haben, wie Take That und die Kelly Family. Wir waren die großen Drei. Da sind Waschkörbe voll mit Briefen angekommen.

nordbuzz: Gibt es für Dich einen emotionalen Höhepunkt deiner Karriere?

DJ BoBo: Das sind auf jeden Fall immer die unerwarteten Momente. Unser Konzert in der Mongolei zum Beispiel. Eine völlig andere Kultur, ich habe keine Plattenfirma da, ich weiß bis heute nicht, wie die an meine Musik geraten sind – und dann kommen 12.000 Menschen und alle singen deine Texte mit, obwohl sie kein Wort Englisch können. So konnten wir uns über die Musik verständigen.

nordbuzz: Was ist Dein größter persönlicher Traum?

DJ BoBo: Dass meine Kinder irgendwann mal sagen: Papa war ein Vorbild. Aber das ist ein hohes Ziel.

nordbuzz: Ist das denn so abwegig?

DJ BoBo: Mein Sohn ist 14. Im Moment sieht es nicht nach „Papi ist ein Vorbild“ aus. Papi tut sich stattdessen eher schwer zu verstehen, was er will.

„Alle Trümpfe sind gespielt“

nordbuzz: Hast Du kein Ass mehr im Ärmel?

DJ BoBo: Null (lacht). Ich habe keine Ahnung. Alle Trümpfe sind gespielt.

nordbuzz: Na gut, dann klammern wir uns lieber erst mal an musikalische Erfolge. Backstreet Boys, N’Sync, No Angels – große Namen, alle traten bei Deinen Shows im Vorprogramm auf und wurden später mehr gefeiert als Du. Macht Dich das stolz oder wurmt Dich das eher?

DJ BoBo: Das macht mich stolz. Ganz klar. Früher war es so, dass man eine CD von der Plattenfirma zugeschickt bekommen hat – mit Brief, ob man diese oder jene unbekannte Band aus Amerika nicht ins Vorprogramm aufnehmen möchte. Bei den Backstreet Boys hat es damals eine Minute gedauert, und ich wusste, das ist das nächste große Ding. Das hat mich hinterher enorm stolz gemacht.

René Baumann alias DJ BoBo und Tobias Picker.

Am 6. Mai 2017 tritt DJ BoBo in Bremen in der ÖVB-Arena auf. Weitere nordbuzz-Interviews gibt es hier.

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