Sie leuchten auch, wenn man sie nicht sieht

Diverse: Mach's besser - 25 Jahre Die Sterne

Diverse - Mach's besser - 25 Jahre Die Sterne

Die Hamburger Indie-Instanz Die Sterne wird 25 - und lässt sich zum Jubiläum angemessen mit Coversongs von Freunden, Vorbildern und Nachfolgern feiern.

Vor etwa einem Vierteljahrhundert schickten sich in Hamburg einige junge Bands an, dem spießig-prolligen deutschen Rock-Einerlei etwas entgegenzusetzen. Zur neben Tocotronic wichtigsten Instanz dieser so genannten Hamburger Schule gerieten Die Sterne. Seit 25 Jahren verkörpern sie jene so verführerische Kombination aus popkultureller Lässigkeit, intellektuellem Gestus und Kritik. Zum Jubiläum belegen die Herren um Frank Spilker einmal mehr, wie viel Eindruck sie hinterlassen haben - ohne dass sie dafür auch nur eine Note spielen müssen, wohlgemerkt. Auf dem Cover-Album „Mach's besser“ erweisen Freunde, Vorbilder und Nachfolger den Hamburger Legenden mit bisweilen bemerkenswerten eigenen Versionen von Sterne-Songs die Ehre.

„Mach's besser“: Die Aufforderung steht von Beginn an trotzig im Raum - wenn auch nicht ernst gemeint, wie Sterne-Kopf Frank Spilker versichert. Schließlich gehe es nicht ums Besser-, sondern ums Andersmachen. „Das ist ein völlig anderer künstlerischer Anspruch, eine ganz andere Stücke-Auswahl als bei einem Greatest-Hits-Album“, sagt der 50-jährige Sänger. Experiment gelungen, kann man nach 24 Songs konstatieren, in denen man Die Sterne hört, ohne Die Sterne zu hören.

Man habe sich „bemüht, für Diversität zu sorgen, nicht nur die Leute aus der eigenen Clique zu fragen, sondern auch Bands aus der Generation vorher“, verrät Spilker. „Oder junge Künstler, von denen wir dachten: Vielleicht mögen die uns ja. Da waren wir uns gar nicht so sicher.“ Er kann beruhigt sein: „Mach's besser“ ist eine epische Reminiszenz geworden, auf der Ikonen und Newcomer ihre Verehrung ausdrücken - von alten Punk-Granden wie den Fehlfarben über 90er-Jahre-Kollegen wie Stereo Total bis zu jungen Bands in Hamburger-Schule-Tradition wie Isolation Berlin.

Da lässt ein Peter Licht den Klassiker „Universal Tellerwäscher“ erklingen, als wäre dieser ursprünglich für dessen lakonische Melancholiemelodien verfasst worden; da säuselt eine Françoise Cactus „Wenn Dir St. Pauli Auf Den Geist Fällt“ so überzeugend wehmütig, dass man meinen könnte, Hamburg läge in Frankreich; da führen die Elektro-Punks von Egotronic gewohnt patzig mit „Ich schei?auf deutsche Texte“ vor Augen, dass Sterne-Songs trotz ihres Mainstream-Erfolgs immer die Flagge der Kritik an nationalistischen und sonstigen Schlechtigkeiten hochhielten.

„Das Schwierige war ja“, so Spilker, „dass eine Band erst mal ein Stück finden muss, das eine Coverversion wert ist. Das nicht einfach nur eine Verdopplung ist, sondern etwas hinzufügt oder wegnimmt“. Gelungen ist das etwa auch bei der furiosen Kreisky-Version von „Aber andererseits“, die den Sowieso-schon-Hit mit Wiener Rotzigkeit noch aufwertet. Ebenso schaffen es die Punk-Pioniere Fehlfarben, das locker-funkige „Nach fest kommt lose“ zum brillanten 80er-Wave-Stück zu transformieren.

Während Die Zimmermänner einen Klassiker wie „Nüchtern“ experimentell gleichsam zerpflücken und Max Müller ein Füllstück wie „Ich will nichts mehr von dir hören“ aufpimpt (Spilker: „Der hat das zu einer richtigen Singlenummer hochgetuned. Das wurde wiederentdeckt und gelangte zu neuem Glanz“), bleiben andere nah an Stimmung und Stil des Originals - etwa Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen mit einem Ska-angehauchten „Widerschein“.

Eindrücklich zeigt die hübsch kuratierte Zusammenstellung (insbesondere im aufwendigen Vinyl-Boxset) vielfältiger Interpreten nicht nur, dass das Werk der Band Musikerkollegen nachdrücklich beeindruckte - sondern auch, wie zeitlos Sterne-Stücke bleiben, wie universell ihre Aussagen sind, wie anschlussfähig ihr Pop-Anspruch ist. Die Sterne, so vermittelt es „Mach's besser“, leuchten auch, wenn man sie nicht sieht. Angemessener, unterhaltsamer und überraschender hätten sie ihr 25-Jahre-Jubiläum nicht begehen können.

tsch

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