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Disko ist, was in deinem Kopf passiert: Das sind die Musik-Highlights der Woche

Seit über drei Jahrzehnten ist Pop-Ikone Kylie Minogue bereits im Musik-Geschäft. Ihr neues Album "Disco" bringt den Fans trotz Corona-Pandemie Dancefloor-Vibes nach Hause.
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Seit über drei Jahrzehnten ist Pop-Ikone Kylie Minogue bereits im Musik-Geschäft. Ihr neues Album „Disco“ bringt den Fans trotz Corona-Pandemie Dancefloor-Vibes nach Hause.

Kylie Minogue, die Beatsteaks, Little Mix, Dave Brubeck und das lauteste Schweigen der Welt: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.

Wenn man jemandem zutraut die Disko-Kultur zu retten, dann Kylie Minogue. Während die 52-jährige Australierin mit ihrem neuen Album dafür sorgt, dass sich ihre Fans auf die mittlerweile verwaisten Tanzflächen zurückträumen, holt die Kampagne „Ohne Kunst und Kultur wird's still“ Musik-Freunde wieder in die bittere Realität. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von den Beatsteaks, Little Mix und Dave Brubeck.

Kylie Minogue - Disco

Früher war mehr Lametta? Von wegen! Es funkelt, es glitzert und es blinkt wie in den 80-ern: Das neue Album von Kylie Minogue ist eine Musik gewordene Diskokugel. Dessen simpler Titel „Disco“ ist demnach nicht weniger als ein Versprechen, welches die im Vorfeld veröffentlichten Singles bereits einlösten. Mit 52 Jahren hat die Pop-Powerfrau aus Down Under wieder den alten Glitzerfummel entstaubt und belebt neben einem Sound, der in ihrer über drei Jahrzehnte andauernden Karriere immer wieder ihre Musik prägte, gleich eine ganze, schmerzlich vermisste Gefühlswelt. Denn mitten in der zweiten Corona-Welle ein Album mit Disco-Flair zu veröffentlichen, wirkt nur auf den ersten Blick deplatziert. Womöglich ist das genau der richtige Zeitpunkt.

Bis die Pandemie eines Tages überstanden ist und sich die Tanzflächen wieder mit feiernden Menschen füllen, verkürzt Kylie Minogue die Wartezeit, indem sie modernen Pop mit liebgewonnenem Saturday-Night-Feeling verbindet - ganz ohne Schlange stehen. Die entstandenen Synthie-Beats liefert die mit unzähligen Preisen dekorierte Australierin dann unter Einhaltung der AHA-Regeln nach Hause. Disko ist, was in deinem Kopf passiert. Und irgendwann hört man die zuletzt weltweit von Kritikern gefeierten Songs dann auch wieder auf dem Dancefloor. „Your Disco Needs You“ hieß es schließlich schon vor 20 Jahren in einem großen Kylie-Hit.

Beatsteaks - Monotonie

Aloha! Die Live-Reaktionen der wartenden Fans auf YouTube schwankten zwischen Belustigung und positiver Überraschung sowie purer Ernüchterung: Was hat „Monotonie“, die neueste Single der Beatsteaks, noch mit Punkrock zu tun? Angesichts dessen, dass es sich um eine Coverversion eines Ideal-Hits aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle handelt, ist diese Frage noch überflüssiger als sowieso schon. Ungewöhnlich ist es aber allemal, dass sich die Berliner - allen voran Bassist Torsten in rosa Hemd und weißem Anzug - vor einem Greenscreen zu entspannten Sommerklängen in den Südsee-Urlaub tanzen. Den grauen Novembertagen setzen die Beatsteaks mit einem Song, der ursprünglich von Annette Humpe stammt, sonniges Hawaii-Feeling entgegen.

Zumindest kurzzeitig konterkarieren allerdings auch Bilder von Straßenschlachten das sonst so passende Video. „Monotonie“ ist die erste von insgesamt sechs Coverversionen, die das Quintett um Frontmann Arnim als EP unter dem Namen „In the Presence of ...“ veröffentlichen wird. Ab 11. Dezember wird die Platte erhältlich sein und bis dahin bleibt abzuwarten, ob die Rockband sich auch in den bisher geheimen anderen Songs auf ungewohntem Terrain ausprobiert oder es bei lediglich einem Experiment bleibt.

Little Mix - Confetti

Zusammengecastete Girlbands haben heutzutage ein, zwei Hits, zerstreiten sich und verschwinden innerhalb von kürzester Zeit in der Bedeutungslosigkeit? Little Mix bilden seit 2011 die Antithese zu diesen Vorurteilen. Damals gewannen die Britinnen Perrie Edwards, Jesy Nelson, Leigh-Anne Pinnock und Jade Thirlwall die Castingshow „X Factor“, sammelten auf der Insel fortan Gold- und Platin-Platten im Akkord und gelten heute als eine der erfolgreichsten Girlbands der Welt. Das Pop-Quartett nutzte den Lockdown dazu, ihr inzwischen sechstes Album „Confetti“ fertigzustellen.

Über 50 Millionen verkaufte Tonträger, drei Milliarden YouTube-Views und zwölf Milliarden Streams überall auf dem Globus. Die Castingshow-Gewinnerinnen wissen, was sich verkauft - und geben ihre Erfahrungen selbst in einer britischen TV-Show namens „Little Mix The Search“ weiter, indem sie bei der Gründung neuer Bands helfen und selbst die Rolle von Mentorinnen übernehmen. Die Gewinnerband soll bei der geplanten Tour zum neuen Album 2021 als Support auftreten. Ein Pfund pro Ticket geht dabei an die Organisationen Black Minds Matter UK sowie Nordoff Music Therapy - ein Beispiel von vielen für die soziale Ader der Band. Offenbar ist das laszive Tanzen in knappen Outfits - wie im Video zur Single „Sweet Melody“ - das einzige Girlband-Klischee, das die Britinnen erfüllen.

Dave Brubeck - Lullabies

Ihm und seiner Combo wird nicht weniger zugeschrieben, als dem Modern-Jazz-Genre mit der intellektuellen Mittelschicht ein neues Publikum erschlossen zu haben. Inzwischen weilt Dave Brubeck seit fast acht Jahren im Jazz-Himmel, doch 2011, im hohen Alter von 91 Jahren, schlug er seinen Enkelkindern zuliebe musikalisch noch einmal ganz neue Wege ein: Der US-Amerikaner, international hauptsächlich durch seinen großen Hit „Take 5“ bekannt, interpretierte insgesamt 15 Kinder- und Wiegenlieder, unter anderem „Brahms Lullaby“. Unter dem Titel „Lullabies“ werden diese Werke, in denen die Klavier-Ikone ungewohnt leise Töne anschlägt, neun Jahre später veröffentlicht.

Auch das Lied „Over The Rainbow“ war ursprünglich für Brubecks Enkelkinder gedacht. Vor wenigen Wochen erschien hierzu ein animiertes Video mit tierischen Protagonisten zum Dahinschmelzen. Zu den beruhigenden Piano-Klängen der Jazz-Legende, die am 6. Dezember 100 Jahre alt geworden wäre, tätschelt der Löwen-Papa den Kopf seines Jungen, der elterliche Rüssel seift das Elefantenbaby ein und ein Tyrannosaurus bringt den Kleinen Zahnhygiene nahe. Am Ende finden sich alle Protagonisten als Kuscheltiere auf dem Bett eines friedlich schlummernden Menschenkindes wieder.

Ohne Kunst und Kultur wird's still

Auch wenn es hier streng genommen nichts zu hören gibt, lohnt es sich dennoch, ganz genau hinzuhören. Abgesehen von den genannten Veröffentlichungen wurde am Freitag nämlich ungewöhnlich viel releast - und das hat einen ernsten Hintergrund. Wer hätte gedacht, dass Songs von Pop-Sängerin Sarah Connor, den Mittelalter-Rockern In Extremo oder der Hip-Hop-Kombo Die Orsons exakt gleich klingen können? Es sind zwei Minuten beklemmende Stille, welche zahlreiche Künstler im Zuge der Initiative Ohne Kunst und Kultur wird's still über alle Genres hinweg als Singles herausbrachten. Auch wenn kein einziger Ton erschallt, klingt die Botschaft laut in den Ohren: Die Kunst- und Kulturbranche steht angesichts der Corona-Maßnahmen vor dem Aus.

Zahlreiche deutsche Musik-Stars unterstützen die Kampagne, welche vor allem auch auf die Menschen hinter der Bühne aufmerksam machen will: Veranstalter, Caterer oder Tontechniker kämpfen um ihre Existenz. Von PUR über Mickie Krause bis hin zu Megaloh wissen sie jedenfalls über 100 namhafte Künstler hinter sich - bis es endlich wieder laut wird.

teleschau

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