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Der „King of Rap“ ist wieder da: Das sind die Musik-Highlights der Woche

Auch mit 46 Jahren begreift Kool Savas Rap noch immer als Konkurrenzkampf. Beweis: sein mittlerweile sechstes Album "Aghori".
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Auch mit 46 Jahren begreift Kool Savas Rap noch immer als Konkurrenzkampf. Beweis: sein mittlerweile sechstes Album „Aghori“.

Whitesnake, Sarah Lombardi, Cro, José González und Rap-Veteran Kool Savas, der es den jungen Hüpfern auf seinem neuen Album wieder beweisen will: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.

Im Jahr 2000 verpasste sich Kool Savas, damals hauptsächlich im Berliner Untergrund ein Begriff, selbst das Label „King of Rap“. Mit seinem sechsten Album „Aghori“ möchte der stetig neu motivierte Rap-Veteran diesen Adelstitel verteidigen. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von Whitesnake, Sarah Lombardi, Cro und José González.

Kool Savas - Aghori

Der Titel „King“ wird in der hiesigen Rapszene äußerst inflationär vergeben, in erster Linie an sich selbst. In dieser Hinsicht ist Kool Savas zwar keine Ausnahme, doch der große Unterschied zur Konkurrenz liegt darin, dass ihm viele seiner Kollegen ebenfalls die Krone aufsetzen. Seit über 20 Jahren ist Savas nun schon im Geschäft, er prägte den deutschsprachigen HipHop wie kaum ein Zweiter. Oder wie er es in seiner neuesten Single ausdrückt: Vorher herrschte „Brachland“. Bereits aus den vorherigen Auskopplungen seines nun erscheinenden sechsten Werkes „Aghori“ ließ sich die Handschrift ablesen, die seine letzten drei Platten auf den ersten Platz der deutschen Album-Charts katapultierte: saubere Reime, gepaart mit Wortwitz und einzigartigem Flow. Für eingängige Melodien sorgen unter anderem die Feature-Partnerinnen Alies und Nessi.

Der in Aachen geborene und in Berlin aufgewachsene Savas begreift Rap nach wie vor als Konkurrenzkampf: „Immer wieder zu beweisen, dass ich der Beste sein kann, wie so ein Boxer“, wie der Rapper es in der WDR-Kultursendung „Westart“ ausdrückte. Demnach sollen auch homophobe Zeilen, die viel zu häufig den Weg in seine Texte fanden, der Vergangenheit angehören. Als Vater hat er sich selbst und die Welt neu kennenlernt, aber eines bleibt gleich: Wenn es nach dem 46-Jährigen geht, müssen die jungen Thronfolger noch ein Weilchen warten.

Whitesnake - The Blues Album

Friseur-Schließungen im Lockdown? Kein Problem! Diese Typen zelebrieren ohnehin seit 43 Jahren die lange Mähne. Mit „The Blues Album“ komplettieren die Rock-Veteranen von Whitesnake die Tricolore der Nostalgie - in Blau: Nach den im vergangenen Jahr veröffentlichten „Love Songs“ - passend mit der Farbe der Liebe, Rot, geschmückt - und dem weißen „The Rock Album“ erscheint nun der dritte und letzte Teil ihrer Compilation-Reihe. 14 Blues-Rock-Songs der 1978 vom ehemaligen Deep-Purple-Sänger David Coverdale aus der Taufe gehobenen Band wurden dafür noch einmal aufgehübscht: neu aufgerollt, abgemischt und remastered.

Es ist eine Reise durch die Geschichte der Band von 1984 bis 2011. Auf der Platte finden von großen Blueskünstlern à la Muddy Waters inspirierte Songs aus sechs Whitesnake-Alben sowie Coverdales Soloalbum Platz. Darunter mit „Slow An' Easy“ ein Hit aus dem Jahr 1984 vom US-Doppel-Platin-Album „Slide it In“, der den Status der Rock-Band im Mainstream weiter festigte. Zum von klassischen harten Gitarrenriffs geprägten „Lay Down Your Love“ spendierten die Altrocker ihren Fans sogar ein Schmankerl als Musikvideo, welches die energetische Band vor und hinter der Bühne zeigt.

Sarah Lombardi - Ich

Menschen sind nicht perfekt, und Fehler gehören zum Leben dazu. Dies ist keine neue Erkenntnis - ist sie doch auf jedem Sprüchekalender und Wandtattoo zu finden -, aber es ist auch die Quintessenz aus Sarah Lombardis neuer Single „Ich“. Die 28-jährige Sängerin, die durch ihre dreimalige Teilnahme an der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt wurde, stellt klar, dass Schwächen ebenso wie Stärken zu ihrer Persönlichkeit gehören. „Ich habe nicht eines, sondern tausend Gesichter“, so beschreibt sie ihren widersprüchlichen Charakter zwischen Selbstbewusstsein und Zweifel.

Sarah Lombardis eingängiger Popsong startet mit sanften Pianoklängen. Es soll das Gefühl entstehen, die Kölnerin würde viel von ihrer Persönlichkeit preisgeben. Dafür ist der Text aber dann doch zu generisch geraten - umso höher ist dafür das Identifikationspotenzial. Die Message an sich ist über jeden Zweifel erhaben, Perfektion ist schließlich ebenso unerreichbar wie langweilig. Manchmal verliert sich das Lied aus der Feder von Produzent Philippe Heithier jedoch etwas zu stark in Plattitüden.

Cro - Alles Dope

Die Corona-Zeit in einer eigenen Villa auf der tropischen Insel Bali zu verbringen - das klingt nach einem Traum. Rapper Cro lebt genau diesen Traum seit geraumer Zeit. Doch wer denkt, dass Carlo Waibel in der Südsee die Seele baumeln lässt, irrt - er macht Musik. Mit „Alles Dope“ kommt die mittlerweile fünfte Auskopplung seines am 30. April erscheinenden Doppelalbums „Trip“ und versprüht funkelnden Disko-Vibe in Retro Manier. Über den eigens produzierten Disco-Funk-Beat rappt Cro, dessen Stern 2011 mit seinem entspannten Hit „Easy“ aufging, vom Vermissen der geliebten Person und vom bangen Warten auf deren Textmessages, während man selbst vor Netflix vor sich dahinvegetiert.

Der ungewohnt elektronische Sound erinnert durchaus vage an Daft Punk, Cros beeindruckende Dance-Moves im zugehörigen Video fast schon an Justin Timberlake. Darin tanzt der 31-Jährige samt brandneuer futuristischer Maske mit seiner Angebeteten und glitzert mit ihr um die Wette. Auf den HipHop-dominierten Tanzflächen des Landes könnte man sich Cros Song sehr gut vorstellen. Solange die Dancefloors weiter verweisen, lässt es sich aber bestimmt auch auf Bali aushalten.

José González - El Invento

Bei José González werden hingegen bekanntermaßen ruhigere Töne angeschlagen. Dies gilt auch für den neuen, spanischsprachigen Song „El Invento“ des schwedischen Singer-Songwriters, in dem der 42-Jährige erstmals in der Muttersprache seiner argentinischen Eltern singt. Nach eigener Aussage saß González bereits seit etwa 2017 an dem Lied. Dass er mit seiner kleinen Tochter zu Hause Spanisch spreche, habe ihm beim Schreibprozess enorm geholfen. Nun erschien es als erste Solo-Veröffentlichung über das Label City Slang, mit dem der Indie-Folk-Künstler bereits für sein Bandprojekt Junip zusammenarbeitete.

Für diejenigen, die dem Spanischen nicht mächtig sind, wurde im Musikvideo zu „El Invento“ die englische Übersetzung gleich mitgeliefert. Die vermittelten Bilder sind dabei ähnlich ruhig und nachdenklich gehalten wie der Song selbst, in dem philosophische Fragen nach dem Woher, dem Wohin und der Vergänglichkeit der Welt aufgeworfen werden. Während sich José González diese tiefgründigen Gedanken macht, sitzt der Lockenkopf seelenruhig vor seinem Schwedenhäuschen im Liegestuhl.

teleschau

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