Nina Hagen

Punk-Ikone im Schongang

„Stücke, die zeigen, wer Nina Hagen war, bevor sie Nina Hagen wurde“, finden sich auf der Songsammlung „Was denn...?“.
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„Stücke, die zeigen, wer Nina Hagen war, bevor sie Nina Hagen wurde“, finden sich auf der Songsammlung „Was denn...?“.

Wer war Nina Hagen, bevor sie Nina Hagen wurde? Die wunderbare kleine Amiga-Veröffentlichung „Was denn...?“ präsentiert Klassiker und Kleinodien aus der DDR-Zeit der Punk-Ikone.

Punk-Ikone, Kunstfigur, Skandalnudel: So ziemlich jedes Label, das irgendwie schrill klingt, hat Nina Hagen schon getragen, sich gerne auch mal selbst verpasst. Mittlerweile ist sie wohl offiziell bei der schrägen Alten angekommen: Am 11. März vollendet sie das 65. Lebensjahr. Pünktlich zu ihrem Geburtstag veröffentlicht das einstige DDR-Label Amiga (mittlerweile längst unter dem turbokapitalistischen Dach von Sony Music) die wunderbare kleine Sammlung „Was denn...?“ - kein weiteres Best of zum Glück, sondern eine Retrospektive. Hier sind 14 Songs versammelt, die Hagen noch vor ihrer Übersiedlung in die damalige BRD und dem Debüt mit der Nina Hagen Band veröffentlicht hatte. Natürlich ist da der ewige Klassiker „Du hast den Farbfilm vergessen“ dabei, der auch nach 44 Jahren noch Spaß macht (wenn auch der Remix aus dem Jahr 1992 nun wirklich nicht ebenfalls hätte enthalten sein müssen). Interessanter aber sind die anderen Stücke; die, die zeigen, wer Nina Hagen war, bevor sie Nina Hagen wurde.

Wobei die erste Erkenntnis wohl lautet: Ein bisschen Nina Hagen war sie einfach schon immer. Auch im engen DDR-Korsett versprühte die junge Sängerin Selbstbewusstsein, Sex-Appeal und Witz. Das wird schon im Opener und Titelsong deutlich, noch mehr aber in „Rangehn“, einem Song, den man auch von ihrem späteren Debütalbum kennt: Denn wenn auch in der Urversion fast alles noch ein wenig zurückhaltender wirkt - das Tempo, die Produktion, die stimmlichen Eskapaden - so sind doch Temperament und Intention so deutlich, dass sie fast aus dem reduzierten Rahmen herauszuklettern scheint, um eben so richtig ranzugehn.

„Pack mich fest an, du weißt schon wo“

Ob musikalisch oder textlich: Ganz ernst nahm Hagen weder sich selbst noch die Genres, in denen sie sang. In „Mama“ etwa kombiniert sie ziemlich geradlinigen oldschool-Rock'n'Roll mt ersten stimmlichen Experimenten, im Quatschliedchen „Wir tanzen Tango“ kichert sie auch mal nach Zeilen wie „und pack mich fest an, du weißt schon wo“. In der schön schmutzigen Schlagerparodie „Honigmann“ wird ziemlich schnell klar, dass es hier nicht nur um süße, unschuldige Küsse geht. Und selbst wenn sie in „Wenn ich an dich denk“ mal ganz ironiefrei zu singen scheint, wird der Song von einer allzu trötigen Fanfarenparodie eingeleitet. Was aber alle Songs vereint, ist der ebenso gefühl- wie temperamentvolle Gesang; ihre Präsenz war schon damals deutlich zu spüren.

Für Nina-Hagen-Fans ist diese Platte sicherlich ein Muss. Für diejenigen, die bisher nicht allzu viel mit der Punk-Ikone, der Kunstfigur oder der Skandalnudel anfangen konnten, ist die Schlagerparodistin vielleicht ein guter Einstiegspunkt: Noch ein bisschen untertourig, aber schon sehr eindeutig Nina Hagen.

teleschau

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