Neues Cover-Album

Danzig: Elvis' böser Bruder

Der böse Bruder von Elvis Presley? Mit seinem Timbre macht Danzig etwas sehr Eigenes aus den Rock&#39n&#39Roll-Klassikern.
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Der böse Bruder von Elvis Presley? Mit seinem Timbre macht Danzig etwas sehr Eigenes aus den Rock'n'Roll-Klassikern.

Elvis-Imitatoren gibt es wie Sand auf Hawaii, aber dieser hier hat es echt drauf: Glenn Danzig ist keine billige Kopie, sondern stellenweise fast schon der bessere Elvis.

„Danzig Sings Elvis“ - es ist vielleicht ein missverständlicher Titel für diejenigen, die normalerweise einen großen Bogen um Hardrock und Heavy Metal machen. Denn hinter diesem Album steckt kein Chor aus der polnischen Stadt Danzig, sondern der US-Amerikaner Glenn Danzig, bekannt als Sänger und Kopf der Band Danzig. Wer diese Rock-Monster und ihre Gröhl-Hymnen wie etwa „Mother“ im Ohr hat, könnte sich wiederum fragen, was der gute Mann mit Elvis am Hut hat. Doch so undenkbar ist Herr Danzig als Elvis-Imitator gar nicht. Mit einer ihrer ersten Veröffentlichungen war seine Band 1987 bereits recht nah dran am Sound des klassischen Rock'n'Roll: Auf dem Soundtrack zu „Less Than Zero“ coverte die Gruppe „Life Fades Away“ von Roy Orbison. Auch in späteren Jahren erwärmten sich Glenn Danzig und seine Mannen nicht nur für Hardrock und Metal, sondern auch für Bluesrock.

Doch in den Sound von Elvis Presley verliebte sich Danzig schon viel früher: „Elvis ist der Grund, wie ich zur Musik gekommen bin“, verriet er 2015 in einem „Rolling Stone“-Interview. „Als Kind sah ich 'Jailhouse Rock' und dachte: 'Das möchte ich tun. Das ist großartig.'“ So gesehen ist „Danzig Sings Elvis“ also nicht nur ein Geschenk an seine Fans, sondern auch an das eigene innere Kind.

Elvis, wie Tarantino ihn filmen würde

Es braucht nur die ersten Takte des Openers „Is It So Strange“, um zu verstehen, warum Glenn Danzigs Timbre schon mit Elvis verglichen wurde, bevor er Elvis sang. Für eine gesteigerte Intensität des Vortrags sorgen auch die reduzierten Arrangements, welche die volle Aufmerksamkeit auf Danzigs charismatische Stimme lenken. Kaum mehr als ein paar Klavierakkorde begleiten ihn bei Songs wie „Young And Beautiful“; Tracks wie „Lonely Blue Boy“ und „First In Line“ tragen Danzigs Stimme auf sphärischen Gitarren-Wolken. Stilistisch reicht das Spektrum vom klassischen Rock'n'Roll („One Night“, „When It Rains It Really Pours“) über Boogie-Woogie-Rockabilly-Klänge („Baby Let's Play House“) und Kuschelrock („Pocket Full Of Rainbows“) bis zu Balladen („Love Me“). Je nach Stimmung des Songs klingt Danzigs Arbeit mal hingerotzt, mal unglaublich gefühlig. Mal wird der 64-Jährige zum Angry Young Man, mal versprüht er die Erfahrung des Mannes, der schon einiges erlebt hat.

Positiv fällt auch die Songauswahl auf, denn Glenn Danzig vermeidet weitestgehend die allzu oft gehörten Hits und vergnügt sich stattdessen lieber mit Raritäten und B-Seiten, von denen das große Elvis-Archiv ja auch einige zu bieten hat. Wenn Danzig sich dann doch mal an die bekannteren Songs wagt, dann wohlüberlegt. So hört man etwa eine charakterstarke Interpretation von „Fever“, dem Prototypen aller coolen Pop-Songs. Die wahre Meisterleistung aber: Danzig gelingt es, dem eigentlich zu Tode gecoverten Titel „Always On My Mind“ weit weg von den Pet Shop Boys, Karaoke-Abenden und Hochzeitsbands neues finsteres Leben einzuhauchen.

Glenn Danzig als den besseren Elvis zu bezeichnen, wäre natürlich Majestätsbeleidigung. Vielleicht kann man sich darauf einigen: Danzig klingt so, wie Elvis Presley in einem frühen Quentin-Tarantino-Film geklungen hätte. Ein bisschen dunkler als das Original und immer ein bisschen surreal.

teleschau

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