The Cult: Hidden City

Raus aus dem Versteck

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Seit Ende der 80-er sind The Cult in Deutschland angesagt. Auf neue Alben lassen die Briten ihre Anhänger aber gerne warten.

Ungeschönte Gefühlswelten: The Cult bohren sich mit "Hidden City" in die düsteren Gegenden hinter dem Vorhang der glitzernden Rockshow.

"Hidden City" sei eine "Metapher für unser spirituelles Leben, unser sehr intimes Innenleben", erläutert Ian Astbury das neue Werk seiner tatsächlich Kult gewordenen Band The Cult. Es ist das zehnte Studioalbum und das Ende einer Trilogie, welche mit "Born Into This" (2007) begann. Astburys Ausführungen lassen erahnen: Hits, wie sie die Gruppe Ende der 80-er aus der Hüfte schoss, stehen nicht mehr im Fokus. Die Zeitlosigkeit, welche der ruppige Spielarten-Mix immer schon aufsog, existiert dagegen weiterhin.

Ein hüpfendes Schlagzeug, ein matschiger Riff, schon hat einen die "Dark Energy" gefangen. Mit dem Eröffnungsstück bringt sich eine Band wieder in den Vordergrund, welche Gefahr lief, an den Rand des Rockradars gedrängt zu werden. Die Pausen zwischen den letzten Alben waren lang. Zu lang, schließlich schossen gleichzeitig junge, talentierte Nachwuchsbands in immer kürzeren Abständen auf den Markt.

Aber sie können es noch. Gitarrenlastig und mit der passenden Produktion von Bob Rock (Metallica, Mötley Crüe) ausgestattet, gerät die Reise in das Innenleben zur Panoramafahrt durch faszinierende, aber gerne in Schwarz-Weiß gehaltene Landschaften. Dabei bleibt die Sonnenbrille auf. Die "Hidden City" entwickelt ein besonderes Faible für eine düster angestrichene Nachdenklichkeit, die sich nicht zu schade ist, mit dem Gefühl des Ausgebranntseins zu kokettieren. Iggy Pop, Jim Morrison, David Bowie - das sind Namen, die wahlweise aufpoppen, und der Band um Ian Astbury und Gitarrist Billy Duffy wichtige Referenzpunkte bescheren, die auch außerhalb der Hardrockwelt zählen.

Spätestens mit dem vierten Song "In Blood" gewinnt das tragende, fast schon schwermütige Element die Oberhand. Ein wunderbarer, melancholischer Song. Von dem ein Album wie das vorliegende allerdings nicht zu viel verträgt. Auch das exzellent mit liebkosenden Melodien und leicht angeschwurbelten Gitarren spielende "Lillies" gehört in diese Kategorie. Auf der anderen Seite stehen aufgewühltere Songs wie "Hinterland" oder das von den Paris-Attentaten angestoßene "Deeply Ordered Chaos". Und ganz am Ende wartet "Sound & Fury". Das Ankommen im Innenleben, begleitet von einem abgehalfterten Pianoklang und einem Ian Astbury, der "Hidden City" mit fester Stimme über die Ziellinie führt.

Bewertung überzeugend
CD-Titel Hidden City
Bandname/Interpret The Cult
Genre Alternative Rock
Erhältlich ab 05.02.2016
Label Cooking Vinyl
Vertrieb Indigo

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