Green Day

Bunt ist das neue Grün

Punks in Partylaune: Greenday veröfentlichen mit „Father Of All ...“ ihr inzwischen 13. Studioalbum. Von links: Billie Joe Armstrong, Tré Cool und Mike Dirnt.
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Punks in Partylaune: Greenday veröfentlichen mit „Father Of All ...“ ihr inzwischen 13. Studioalbum. Von links: Billie Joe Armstrong, Tré Cool und Mike Dirnt.

Wenn Einhörner auf wütende Kerle treffen: „Father Of All ...“ ist eine ebenso farbenfrohe wie übellaunige Punk-Pop-Rock-Geburt, mit der Green Day die Neugier ihrer Jugend wiederbeleben.

Es ist schon eine Weile her, dass Green Day noch Grünschnäbel waren. Anfang der 90er-Jahre eroberten die US-Punkrocker um Frontmann Billie Joe Armstrong die Welt im Sturm, ihr Durchbruchsalbum „Dookie“ (1994) hat mittlerweile ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel. „Father Of All ...“ ist ihr dreizehnter Langspieler und strengt sich an, den Geist von einst wiederzubeleben.

Womit auch gesagt ist: Mit dem zweiten „großen“ Green-Day-Album, der 2004 erschienenen Rockgeschichte „American Idiot“, hat „Father Of All Motherfuckers“ (so lautet der unzensierte und vollständige Titel) so gut wie nichts zu tun. Weder inhaltlich noch musikalisch. Trotz oder gerade wegen Donald Trump. Zahlreiche Vertreter des Punkrock-Genres knöpfen sich auf ihren aktuellen Alben den US-Präsidenten vor, Green Day hingegen verweisen nur auf die andauernde Aktualität ihres Meilensteins und gehen einen anderen Weg: Das Ziel sei gewesen, die Band „tanzbarer“ zu machen, erklärte Billie Joe Armstrong unlängst im „Spin“-Magazin. Gesellschaftskritik und Ängste werden weggefeiert, das Einhorn auf dem Cover schnaubt in Regenbogenfarben.

Punk ist aders

Zehn Songs in gerade einmal 26 Minuten: Es ist eine ebenso kurze wie rasante Achterbahnfahrt, zu der das Trio einlädt. Die einzelnen Nummern wirken wie Guckfenster in verschiedene Zimmer, Zeit zum Verweilen gibt es indes kaum. Bisweilen überkommt einen das Gefühl, „Father Of All ...“ sei eine heimliche Kompilation, für die Green Day Titel ausgegraben haben, die bislang nie richtig passen wollten. Egal. Jetzt wird alles zusammengeschmissen. Motown und Glam Rock, 70er-Charme und aufpolierter Arena-Sound. Die ebenso abgebrühte wie gelungene Hymne „I Was A Teenage Teenager“ nimmt man den drei Herren, die offenbar nicht älter werden wollen, gerne ab. Beim grinsend in die Disco marschierenden „Meet Me On The Roof“ oder dem Altschul-Rock'n'Roller „Stab You In The Heart“ ist etwas Ungläubigkeit zu Beginn durchaus nachvollziehbar.

Entgegen dem Titel ist „Father Of All ...“ eine Spaßplatte geworden. Manchmal - etwa in der mit einem Gary Glitter/Joan Jett-Sample angereicherten Single „Oh Yeah!“ - hat das Ganze herzlich wenig mit Punk zu tun, aber an diese Momente hat man sich bei Green Day inzwischen gewöhnt. Rotzfrech ist das Album alleine aufgrund seiner Andersartigkeit - und in dieser Hinsicht dann doch wieder Punk.

teleschau

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