Stormzy

Die Bürde des Throns

Stormzy avancierte in den letzten Jahren zum britischen Rap-Superstar - und er nutzt seine Stimme immer wieder, um sich zu politischen und gesellschaftlichen Themen zu äußern.
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Stormzy avancierte in den letzten Jahren zum britischen Rap-Superstar - und er nutzt seine Stimme immer wieder, um sich zu politischen und gesellschaftlichen Themen zu äußern.

Der britische Rapper Stormzy ist eine politische Stimme seiner Gemeinde und ein Superstar. Das Album, das er in der Nacht der vorgezogenen Unterhaus-Wahlen in seiner Heimat veröffentlichte, bearbeitet aber vor allem seinen Status und dessen Schattenseiten.

Im Jahr 2013 filmte Stormzy noch in Südlondon Freestyles im Park. Inzwischen hat er selbst es mit Freestyles in die Charts geschafft. Der 26-Jährige betreibt einen eigenen Buchverlag für junge schwarze Autorinnen und Autoren, belegte als erster britischer Rapper den Headliner-Spot des Glastonbury Festival und kritisierte während seines Auftritts bei den Brit-Awards 2018 medienwirksam die damalige Premierministerin Theresa May. Kurz, Stormzy ist eine politische Stimme seiner Gemeinde und ein Superstar. Der Titel seines zweiten Albums „Heavy Is The Head“ ist eine Verkürzung der Redewendung „Heavy is the head that wears the crown“: „Schwer wiegt das Haupt, das die Krone trägt.“ Was das Amt des Königs im britischen Rap betrifft, da darf tatsächlich höchstens der Nordlondoner Kollege Skepta noch mitreden. Stormzys Einfluss ist so groß, dass es kaum überraschen würde, wenn ein Journalist Boris Johnson Zeilen aus dem neuen Album vorläse - sein Wahlaufruf auf Twitter, begleitet von vergeblichem Support für Jeremy Corbyn, wurde von hunderttausenden Menschen gesehen.

Dementsprechend beginnt „Heavy Is The Head“ auch mit verdientem Selbstbewusstsein: Auf den ersten beiden Tracks verweist Stormzy gleich zweimal auf seinen legendären Glastonbury-Auftritt. Kein Geringerer als der enigmatische Street-Art-Künstler Banksy kleidete ihn damals in eine stichsichere Weste mit einem ausgebleichten Union Jack: „When Banksy put the vest on me / Felt like God was testin' me“. Die Weste ist auch auf dem Albumcover noch einmal zu sehen. Das Cover wiederum hängt bereits in der Londoner National Portrait Gallery - neben einem Porträt William Shakespeares. Nur konsequent also, dass Stormzy auf „Rachael's Little Brother“ rappt: „I'm my country's greatest poet“.

Mehr Gott als Gewalt

Über die Länge des Albums macht sich aber die auch Bürde des Throns bemerkbar: „One Second“ ist eine Therapiesitzung in Liedform. Sein Engagement erachtet Stormzy als selbstverständlich. „I don't want no bloody stripes for it“, rappt er. Das Musikmagazin „NME“ kritisiert er dafür, dass man ihn ungefragt zum Gesicht einer Ausgabe zum Thema Depressionen machte: „I am not the poster boy for mental health / I need peace of mind, I need to centre self“. Trost bietet unter anderem Stormzys christlicher Glaube. Der Allmächtige wird auf „Heavy Is The Head“ deutlich häufiger erwähnt als das „skeng“ (die Schusswaffe). „Rainfall“ schiebt vor dem letzten Refrain den Mary-Mary-Hit „Shackles“ ein - ein Verweis auf Musik, die Stormzy vermutlich als Kind im Radio hörte, aber auch auf einen von sehr wenigen Gospel-Songs, die mal in Großbritannien in den Charts landeten.

„Superheroes“ ist schließlich eine Empowerment-Hymne für schwarze Britinnen und Briten, die der Rapperin Little Simz ebenso Respekt bekundet wie der Autorin Malorie Blackman. Das ist vielleicht Stormzys größte Qualität - dass er im Gegensatz zu einem Großteil der neoliberal geprägten Rapszene seinen Erfolg unermüdlich nutzt, um sich mit seiner Community zu solidarisieren. Angesichts der Selbstzweifel und Depressionen, von denen „Heavy Is The Crown“ erzählt, ist das vielleicht sogar die einzige Motivation, seinen Erfolg weiter auszubauen. Mit diesem Album wird das zweifellos gelingen.

teleschau

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