Gary Moore

Mit dem Blues im Herzen

Nicht nur Blues-Fans schätzten ihn: Für viele gehörte Gary Moore zu den besten Gitarristen aller Zeiten.
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Nicht nur Blues-Fans schätzten ihn: Für viele gehörte Gary Moore zu den besten Gitarristen aller Zeiten.

Am 6. Februar 2011 starb Gary Moore. Nun erscheint mit „Live From London“ der Mitschnitt eines Konzerts, welches der nordirische Ausnahmegitarrist vierzehn Monate vor seinem Tod gab.

Mit posthumen Veröffentlichungen verhält es sich manchmal wie mit Lockangeboten: Man steht ihnen erst einmal skeptisch gegenüber. Was ist die Intention dahinter? Wo ist der Haken bei der Sache? Hätte der Künstler das überhaupt gewollt? Im Falle von Gary Moores Konzert-Mitschnitt „Live From London“ kann aber Entwarnung gegeben werden: Die Platte hat durchaus eine Daseinsberechtigung, und sie ist jeden Cent wert. Dessen ist man sich gewiss, noch bevor der erste Titel zu Ende geht: Mit „Oh, Pretty Woman“ vom 1990er-Meilenstein „Still Got The Blues“ eröffnet der Meister den Reigen. Seine Stimme steht im Vordergrund, seine Gitarre beißt vom ersten Moment an zu, ungeschönt und erdig. In seinen späteren Jahren war der 2011 verstorbene Moore nicht immer auf der Höhe. An diesem Abend im Dezember 2009 ist er es zweifelsohne.

Es ist vor allem ein Querschnitt durch die Bluesrock-Phase des Ausnahmegitarristen, die in der Londoner Islington Academy auf dem Programm steht. Dabei entstammen zwei der aufregendsten Nummern dem damals aktuellen und letzten Studioalbum „Bad For You Baby“ (2008): Das temporeiche, im wilden Country-Stil gehaltene Stück „Down The Line“ sorgt für reichlich Schwung, während die knapp zwölfminütige Interpretation von Donny Hathaways „I Love You More Than You'll Ever Know“ ein Kabinettstückchen großer, intimer Gitarrenkunst ist.

Aber auch die Klassiker, die er vor allem zum Ende hin gehäuft anstimmt, bietet der zum Zeitpunkt des Konzerts 57-jährige Moore mit viel Herzblut dar. Der allseits bekannte Hit „Still Got The Blues“ etwa oder der unverwüstliche Song „Parisienne Walkways“ (von seinem ersten, 1978 veröffentlichten Studioalbum „Back On The Streets“) fügen sich neben den jüngeren Stücken nahtlos in das Programm ein.

Auf dem Markt existieren bereits empfehlenswerte Mitschnitte, erwähnt seien hier zum Beispiel „Blues Alive“ (1993) sowie die ebenfalls posthum erschienene Aufnahme „Live At Bush Hall“ (2014). Dennoch verdient auch „Live In London“ das Prädikat „wertvoll“. Nicht zuletzt, weil der Bluesrock, wie ihn Moore seit den 90-ern pflegte, sich in der Konzertsituation ebenso wandlungsfähig wie lebendig präsentiert. So ist auch diesmal eine faszinierende Momentaufnahme entstanden, die das Vermächtnis des Gary Moore um ein weiteres Juwel ergänzt.

teleschau

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