David Keenan

Mit dem Blick des Straßenmusikers

Als Straßenmusiker beobachtete und erkundete David Keenan jahrelang die Welt. Nun erzählt er davon auf seinem ersten vollwertigen Album.
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Als Straßenmusiker beobachtete und erkundete David Keenan jahrelang die Welt. Nun erzählt er davon auf seinem ersten vollwertigen Album.

Charakterstark, authentisch, gewöhnungsbedürftig: Wenn man zur Musik des jungen irischen Songpoeten David Keenan einen Whisky trinkt, darf er gerne auch etwas torfiger sein.

Beim ersten Mal versteht man vieles nicht. Manches versteht man auch beim fünften Mal noch nicht. David Keenan ist Ire, aufgewachsen in der Küstenstadt Dundalk nördlich von Dublin, und dass der Liedermacher einen „leichten Akzent“ habe, wie es sein Label beschreibt, ist ziemlich untertrieben. Es dauert deshalb eine Weile, bis man sich in Keenans Debütalbum „A Beginner's Guide To Bravery“ inhaltlich zurechtfindet. Allerdings: Dass da ein Feuer brennt, versteht man sofort.

Schon früh muss in Keenans Brust das Herz eines Vollblutmusikers geschlagen haben - allerdings von der Sorte, die Müttern Sorge bereitet. Sein erstes Instrument war eine Gitarre, die er als Kind im Haus seiner Großmutter fand. Dann, als 17-Jähriger, machte Keenan Ernst und verschwand über Nacht aus Dundalk, ohne sich zu verabschieden. Erst zwei Wochen später soll er sich aus Liverpool gemeldet haben, um kurz Bescheid zu geben, dass er noch lebt. Danach verdingte er sich lange als Straßenmusiker in England, ehe er nach Irland zurückkehrte - nicht für Mama, sondern für die Musik.

Zu groß für's Irish Pub

Vier Jahre lang feilte David Keenan an den Songs für sein Debütalbum, aufgenommen wurde „A Beginner's Guide To Bravery“ dann aber in nur fünf Tagen in einem Studio am Rande Dublins. Genau so klingt diese Platte dann auch: ausgereift und routiniert, aber auch sehr intensiv und lebendig. Keenans Lieder beginnen meist mit Akustikgitarre oder Klavier und sind tief im Folk verwurzelt, doch im Verlauf so eines Songs kann viel passieren. „Any Evidence Of Living“ etwa startet ganz sanft mit ein paar Anschlägen am Piano und steigert sich dann über sieben Minuten Spielzeit mit Chören und Streichern zur mitreißenden Hymne. Da ist viel Pathos, aber nie der Kitsch, den man von vielen anderen irischen Musik-Exporten kennt.

Was „A Beginner's Guide To Bravery“ so interessant macht, ist aber vor allem Keenans Gesang - auch, aber nicht nur aufgrund des fordernden „leichten“ Akzents. Aus der Sicht des Straßenmusikers erkundet und kommentiert Keenan die Welt, wobei er seine eigentlich schöne und warme Stimme meist im Grenzbereich manövriert. Jauchzend, krächzend und heulend singt er in „Unholy Ghosts“ von einem versoffenen Barpianisten, während es in „Any Evidence Of Living“ um eine Gesellschaft geht, die das Leben verlernt hat. Vor allem die Abgehängten, die Abgenutzten und die Außenseiter haben es Keenan angetan: „It's the ones that seem destined to get left behind interest me the most“. Talent, Leidenschaft, Empathie - von alldem besitzt David Keenan eine Menge, und so hat man auch das recht bald verstanden: Für den wöchentlichen Samstagabend-Auftritt im Irish Pub um die Ecke ist dieser Musiker mindestens eine Nummer zu groß.

teleschau

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