Editors

Ein Blick in die eigene Goldgrube

Editors liefern mit „Black Gold“ einen logischen Querschnitt des eigenen Schaffens. Neben zahlreichen Hits befinden sich auf dem Best-of außerdem drei brandneue Songs.
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Editors liefern mit „Black Gold“ einen logischen Querschnitt des eigenen Schaffens. Neben zahlreichen Hits befinden sich auf dem Best-of außerdem drei brandneue Songs.

Editors porträtieren mit „Black Gold“ ihre bisherige Karriere. Neben vielen Hits finden sich auf dem Best-of auch drei neue Songs. Bei der Sammlung wird einmal mehr deutlich, wie geschickt die Band mit diversen Einflüssen spielt - aber wo klingen Editors eigentlich nach sich selbst?

Schwarzes Gold: Diese Metapher kann für viel Wertvolles stehen. Was ist es bei Editors? Auf dem Cover ihres neuen Best-ofs „Black Gold“ sieht man eine schwarz gefärbte Hand, die vermutlich auf Erdöl gestoßen ist. Die Birminghamer hatten auch musikalisch immer sehr ergiebige Inspirationsquellen, aus denen sie schöpften: Post-Punk, New Wave und Industrial, aber auch Anlehnungen an das Schwarzkittellager oder die Stadionrock-Geste blieben bei der Band um Tom Smith nicht aus. Jede der sechs Editors-Platten klang bisher etwas anders, was besonders beim nahtlosen Hören von „Black Gold“ auffällt. Das Album bietet mit Hits („Munich“, „Papillon“) und Highlights („A Ton Of Love“, „Smokers Outside The Hospital Doors“) einen logischen Querschnitt durch das Gesamtwerk der Briten.

Mancher Fan wird vielleicht Popsongs wie „Cold“ oder Perlen wie „All Sparks“ vermissen, doch dafür haben es drei komplett neue Stücke auf „Black Gold“ geschafft: der EDM-lastige Titel „Frankenstein“, der eher federnde Song „Upside Down“ und die von Depeche Mode durchtränkte Nummer „Black Gold“. Produziert wurden die drei neuen Songs von Garrett „Jacknife“ Lee (U2, R.E.M., The Killers), der bei den Editors seinerzeit auch an dem Nummer-eins-Album „An End Has A Start“ von 2007 beteiligt war.

Gerade durch den Titeltrack offenbart sich die vielleicht größte Schwachstelle von Editors. Die Band vereint viele Einflüsse, die sich allerdings nicht immer einig werden und der eigenen Band-DNA manchmal auch im Weg stehen. Editors klingen mal nach Kings of Leon, mal nach Joy Division, aber nicht immer nach Editors - manche nennen das eben Eklektizismus. Aber im Gegensatz zu ihrem gefühlten US-Pendant Interpol, die sich nicht (mehr) wirklich neu erfinden, kann man den Briten zumindest nicht vorwerfen, sich zu wiederholen.

Akustisch-morbider Höhepunkt

Nachdem die sechsköpfige Gruppe mit „The Blanck Mass Sessions“ in diesem Jahr bereits eine elektronische Sichtweise auf einige ihrer Songs ermöglichte, liefert sie jetzt auf der Deluxe-CD-Variante von „Black Gold“ neu eingespielte Akustikversionen bekannter Aufnahmen. Unter dem etwas bescheidenen Namen „Distance: The Acoustic Recordings“ zeigen Editors, dass weniger bei ihnen manchmal mehr ist.

Oft nur mit Gesang, Piano und Streichern versehen, entfalten Songs wie „Blood“ oder „Violence“ ihre eigentliche Magie: dezent schimmerndes Pathos, Tom Smiths elegische Vocals, dazu das Zerbrechliche und Morbide. Auf das ernste und düstere Image der Band angesprochen, erklärte der Editors-Sänger in einem Interview mit „Kulturselektor“ einmal: „Nichts hat mich in der Vergangenheit mehr genervt als die ständige Frage: Warum seid ihr nur so düster?“ Sicher, man möchte sich nicht auf eine Sache reduzieren lassen. Doch am Ende ist dieses dunkle Leuchten genau das, was Editors so wertvoll macht wie schwarzes Gold.

teleschau

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