Neues Album „Yours“

Beatsteaks-Interview zum Bremen-Gig: „Weil eine Band nunmal in Clubs spielt“

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Schlagzeuger Thomas Götz und Bassist Torsten Scholz (v.l.n.r.) nahmen sich vor dem Auftritt im Tower Backstage Zeit für ein Interview.

Das neue Beatsteaks-Album „Yours“ erscheint am 1. September. Vorher sind die fünf Berliner Rocker und Live-Legenden auf exklusiver Club-Tour mit nur fünf Stationen. Darunter der Tower in Bremen. nordbuzz traf sich vor dem Konzert am Dienstag, 22. August, Backstage zum Interview mit zwei der „Beatbuletten“. Ein Gespräch über Kneipen-Touren in Bremen, den Werder-Sponsor, das Tower-Konzert, das neue Album, Deichkind und die Wahlen.

Schlagzeuger Thomas Götz und Bassist Torsten Scholz standen im Interview vor dem Auftritt Rede und Antwort.

nordbuzz: Moin Torsten und Thomas. Beatsteaks und Bremen, warum passt das und wieso kommt Ihr nach dem Schlachthof letztes Mal nun in den Tower?

Thomas: Es gibt eine lange Freundschaft mit dem Tower Club. Das letzte Mal wurde die aufgefrischt, als Torsten und Arnim hier aufgelegt haben.

nordbuzz traf vor dem Konzert auf die gesprächigen Beatsteaks Torsten Scholz (l.) und Thomas Götz.

Torsten: Genau, wir haben vor fünfzehn Jahren das erste Mal hier gespielt. Danach waren Arnim und ich noch ein paar Mal zum Auflegen da. Und Olli vom Tower, den kennt man halt ein bisschen und da haben wir gesagt: „Ach, wäre eigentlich ganz geil hier mal wieder zu spielen.“ Jetzt sind wir hier.

Thomas: Wir hätten auch den Schlachthof voll gekriegt. Und Bremen? Super Stadt! Also eine Top-Stadt, finde ich. Echt schön, hier zu sein.

Torsten: Wir hatten hier mal einen Abend, da sind wir von Kneipe zu Kneipe gezogen und haben versucht Peter Hein zu finden (Deutscher Punk-Pionier u.a. mit Fehlfarben, Anm. d. Red.).

„Ich bin 1996 mal aus dem Eisen raus geflogen“ 

Thomas: Er war in der Stadt, aber wir haben ihn nicht gefunden. Dafür haben wir aber große Freundschaften geschlossen, unter anderem mit der Trashmonkey-Szene. Ich bin 1996 aus dem Eisen raus geflogen, weil ich auf die Treppe gebrochen habe. Aber eigentlich war es jemand anders, der für Alarm gesorgt hat. Wir waren gestern auch wieder im Eisen und es ist immer noch herrlich da.

nordbuzz: Wenn Ihr in Bremen seid, was macht Ihr vor und nach den Auftritten?

Thomas: Immer zum Golden Shop im Viertel. Das ist richtig geil. Unten Buchladen, oben Plattenladen. Alles da, was man will. Eektronischer Underground der DDR, aber auch die neue Dexter. Das nächste Mal musst du mit Torsten.

Torsten: Ich war bloß am Weser-Stadion joggen. Fußball geht mir allerdings total am Arsch vorbei. Obwohl Werder Bremen glaube ich noch eine der sympathischeren Mannschaften ist. Wenn die allerdings nächstes Jahr immer noch Wiesenhof tragen, dann streiche ich sie aus dieser Liste.

Thomas: Meine Freundin als große Fleischverächterin ist trotzdem Werder-Fan. Das mit Wiesenhof ist nicht richtig geil.

Torsten: Aber ey, dann steht da halt stattdessen VW oder Deutsche Bank. Ist ja auch scheißegal.

„Der Alkohol fließt nicht mehr so richtig“ 

nordbuzz: Wie hat sich denn 22 Jahre nach Bandgründung das Tour-Leben verändert?

Thomas: Der Alkohol fließt nicht mehr so richtig. (lacht)

Torsten: Wir geben unser Bestes auf der Tour jetzt, wir versuchen gerade wieder an alte Traditionen anzuknüpfen. Aber es steckt einem dann doch mehr in den Knochen. Vielleicht haben wir ein bisschen mehr Krempel dabei, aber eigentlich hat sich nicht so viel verändert.

nordbuzz: Was ist der Reiz an den Club-Auftritten, die Ihr immer mal wieder spielt?

Thomas: Das ist ein riesen Scheißdreck eigentlich, weil dabei nix rumkommt. Das ist einfach mieses Geld. (lacht)

Torsten: Wir haben immer Clubs gespielt und mussten immer diese Frage beantworten. Weil eine Band nunmal in Clubs spielt.

Thomas: Und die Musik, die wir hören und machen, das ist eigentlich immer welche, die man in einem Club hört. Punk-Musik ist für diese Raumgröße gemacht und Hip Hop hört man ebenfalls im Club. Wenn man ganz große Konzerte spielt, ist es auch geil, weil die Kohle passt. (lacht) Aber oft spielt man da langsamer. Also die Musik verändert sich mit den Orten, an denen man sie spielt.

„Man fällt nicht so leicht hin, wenn man dicht gedrängt steht“ 

nordbuzz: Habt Ihr in diesen ganz kleinen Läden keine Bedenken vor Gedränge?

Torsten: Na ich hoffe, dass ordentlich gedrängelt wird. Wir müssen uns da richtig kümmern, dass es nicht heißt: „Oh, die Beatsteaks kommen. Bei denen geht es immer so ab, da verkaufen wir mal weniger Karten.“ Die Gefahr, dass wirklich was passiert? Außer, dass man einer auf die Treppe kotzt und ausrutscht – was soll da groß passieren, bei 300 Leuten.

Thomas: Man fällt auch nicht so leicht hin, wenn man dicht gedrängt steht.

nordbuzz: Euer achtes Album „Yours“ erscheint am 1. September. Worauf können sich denn die Fans aus Eurer Sicht freuen?

Torsten: Viele, viele, viele Lieder. Da ist Quantität erstmal wichtiger als Qualität. (lacht) (Das Album enthält 21 Titel, Anm. d. Red.)

Thomas: Masse macht‘s. Wurst wird ja auch nach Gewicht gekauft. (lacht)

Torsten: Wenn man sich die Lieder dann ein paar Mal angehört hat, setzt sich irgendwann vielleicht auch mal Qualität durch. Da ist ja so viel unterschiedlicher Kram drauf und das ist alles so konsequent gemacht.

Thomas: Wie ein Mix-Kassette, wo die ganzen Vorlieben zu hören sind, die es so gibt.

nordbuzz: Ist an dieses Mixtape-Konzept auch der Titel „Yours“ angelehnt?

Torsten: Ja, kann man sich jetzt so zusammenreimen. Am Anfang gab es den Gedanken, weil es so viele Produzenten und Kooperationen gibt. Daher kommt dieser Mixtape-Charakter. Das bedeutet ja, Lieblingslieder für einen Freund aufzunehmen. Und dann passt „Yours“ wieder.

Thomas: Während man ein Album macht, denkt man darüber nicht so viel nach. Da ist nicht so viel Konzept. Und außerdem, wenn jemand eine Plattenkritik schreibt und das Album nicht mag, dann kann er sagen: „Nee, meins nicht.“

Bei Deichkind gab es „einen kurzen Dienstweg“ 

nordbuzz: Es sind ja einige Zusammenarbeiten dabei, etwa mit Peter Fox, Farin Urlaub, Jamie T. oder aktuell bei „L auf der Stirn“ mit Deichkind. Wie kommt es zu solchen Kooperationen?

Thomas: Unser Sänger Arnim und Philipp von Deichkind sind ganz gut befreundet und haben auch schon mal Geburtstag zusammen gefeiert. Da gab es quasi einen kurzen Dienstweg. Andere schreibt man über die sozialen Medien an und dann antworten die plötzlich. Aber der Hauptteil sind eigentlich Leute, die wir auf unserem Weg kennengelernt haben und die zu Freunden geworden sind.

Torsten: Bei Jamie T. aus England war es so: „Hate to Love“ klang so englisch und wir überlegten, wen kennen wir da denn? Ach Mensch, der Jamie T., der kommt auch immer zu unseren Konzerten in London und wenn er in Berlin spielt geht einer von uns hin. Dabei hat er mal seine Hilfe angeboten. Irgendwann bekommt man so ein Gefühl dafür und fragt bei einem deutschen Text halt mal Farin Urlaub. Sowas ist für uns relativ naheliegend und liest sich immer viel größer und krasser als es ist.

nordbuzz: Habt Ihr Wunschpartner für die Zukunft und musstet Ihr auch schon Anfragen absagen?

Thomas: Wenn du uns in ein paar Monaten nochmal fragst, weiß wahrscheinlich jeder jemanden. Es sind nun gerade ein paar Wünsche erfüllt worden und man sitzt ein bisschen satt vor dem Fernseher. 

Torsten: Wir haben bestimmt auch schon Sachen abgesagt. Ganz oft aus Zeitgründen oder, wenn es musikalisch nicht passt. Da fallen mir jetzt gerade tatsächlich keine Künstler ein.

Thomas: Wir wollten unbedingt mal, dass K.I.Z. einen deutschen Text auf „Lori Meyers“ von NOFX schreibt, weil wir da eine Coverversion hatten. Die haben uns auch hängen lassen.

„Man macht das, weil man ein guter Mensch ist“ 

nordbuzz: Ihr habt euch immer wieder engagiert und Haltung gezeigt. Aktuell haben wir besonders aufgewühlte gesellschaftliche Zeiten. Ist Eurerseits wieder etwas zu erwarten oder habt Ihr gerade vor der Wahl eine Botschaft?

Torsten: Ja, auf jeden Fall! Die Frage passt sehr gut, es gibt nämlich „Yours“ auch als „Du bist Deluxe“-Version. Da bekommt man nichts weiter als das Album auf CD oder Vinyl, keinen beschissenen Rucksack oder eine Cappy. 15 Euro dieser Box werden an Amnesty International gespendet. Man kann sich also selber entscheiden, ob man sich jetzt einfach nur die Platte kauft oder, ob man sagt „Ich tue was Gutes“.

Thomas: Man bekommt noch ein Zertifikat.

Torsten: Man macht das, weil man ein guter Mensch ist. Und Gutmensch sein, ist heutzutage glaube ich gar nicht so verkehrt. Die Menschen, die nicht gut sind, sagen das ja auch laut. Da kann man das als guter Mensch auch zeigen und helfen.

Thomas: Unbedingt dran denken: Wenn ihr wählen geht, dann nicht die AfD.

Torsten: Eigentlich unbedingt links wählen. Das  ist auch viel cooler, wie die letzten Monate gezeigt haben.

Thomas: Man sieht dann auch besser aus.

„Da könnten manche schon noch mehr erreichen als die Beatsteaks“ 

nordbuzz: Was sollen und können Musik und Konzerte in solchen Zeiten leisten?

Thomas: Ich finde man kann Konzerte einem Thema widmen und das Geld, das man einnimmt, an die richtigen Leute weitergeben. Ansonsten sind Konzerte dazu da, um zu unterhalten. In den 80er Jahren gab es ja mal diese Benefiz-Konzert-Kultur. Dann streiten sich Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen, wer jetzt als letzter spielen darf. Ich habe da nicht so die Erfahrung, aber es ist auch ein bisschen Tanz der Eitelkeiten. Aber wenn es dann für einen guten Zweck ist, ist auch alles egal.

Torsten: Thomas sagt zurecht, es ist erstmal Unterhaltung und das sollte man nicht unter irgendeinen Schirm stellen. Wenn ich aber Künstler in diesem Land sehe, denen ganz viele Leute zuhören und ich habe von denen in den letzten zwei, drei Jahren noch gar nichts dazu gehört, dann denke ich mir, das ist auch nicht richtig. Man hat ja eine Meinung und wenn die einem wichtig ist oder es vielleicht nicht so richtig läuft, mit der Welt draußen, dann kann man schon mal sagen: Das ist Scheiße. Da könnten manche schon noch mehr erreichen als die Beatsteaks.

Mit einem Klick aufs Bild zum Konzert-Bericht.

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