Babymetal: Metal Resistance

(Baby-)Metal ist für alle da

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Weiche Mädchen, harte Mucke: Babymetal oszilieren zwischen Zumutung und Genialität. Mit dem zweiten Album wird die Mitte davon angepeilt.

Die japanischen Metal-Mädchen in ihren kurzen Röcken sind zurück: Babymetal veröffentlichen mit "Metal Resistance" ihr zweites Album.

"Torima mosshusshu. Sukoshi-zutsu nante muri." Was das bedeutet? Das wissen außerhalb Japans nur wenige. Aber viele haben mitgesungen in London, Mexico City, Chicago oder München, wo Babymetal zuletzt unter anderem auftraten. Die junge japanische Metalband gehörte in den vergangenen Jahren zu den ganz großen Senkrechtstartern der Rock-Szene und zeigte mit ihrem Debütalbum 2014 eindrucksvoll, wie mühelos Musik bisweilen kulturelle Grenzen und insbesondere die Sprachbarriere überwindet. Und weil man das Metal-Eisen schmieden soll, solange es heiß ist, legen Babymetal nun mit ihrem zweiten Album "Metal Resistance" nach.

Im ersten Moment fällt die Gruppe natürlich durch ihre Optik auf: Gothic-Kulissen, gespenstisch verkleidete Musiker, im Vordergrund hüpfen drei Sängerinnen in Schulmädchen-Uniform herum, deren Alter man irgendwo zwischen zwölf und 20 schätzen würde. Natürlich ist Babymetal ein am Reißbrett entworfenes Kunstprojekt. Manche finden das Konzept pervers, andere kurios oder witzig. Für einige Fans ist das Gesangs-Trio mit den kurzen Röcken - sie nennen sich Su-metal, Yuimetal und Moametal - ein wahrgewordener Manga-Traum. Darüber konnte man bei den ersten umjubelten Auftritten der Band beinahe vergessen, dass sie auch musikalisch ihren Reiz hat.

Ultrabrutaler Metal gepaart mit Technobeats und pappsüßem japanischem Kawaii-Pop - dieser skurrile Mix traf den Hörer auf dem selbstbetitelten ersten Album wie Musik von einem anderen Stern. Diesen Effekt hat "Metal Resistance" nicht mehr. Das mag zum Teil daran liegen, dass sich das letztlich doch substanzlose Metal-meets-Kinderzimmer-Konzept recht schnell abnutzt. Mit Sicherheit hat es auch damit zu tun, dass Babymetal inzwischen einen etwas "verträglicheren" musikalischen Ansatz verfolgen.

Die Songs kommen teilweise noch härter daher als auf dem ersten Album, das Tempo wurde nochmals angezogen, man spielt mit verschiedenen Stilen zwischen Death Metal und Doom. Auf der J-Pop-Seite aber wurde der Babymetal-Sound spürbar abgeschliffen. Das klanglich Quietschbunte, das Krass-Schrille, mit dem die Band sich auf dem Debüt noch so deutlich von der Masse abgegrenzt hatte, findet man auf "Metal Resistance" nur noch selten.

Es sind durchaus eine Handvoll richtig spaßiger Nummern dabei, vor allem auf der ersten Albumhälfte. "Yava!" etwa sticht heraus, auch "Awadama Fever" sowie der Titelsong. Letztlich wirkt der Sound aber doch über weite Strecken austauschbar. Laute Gitarren und fiepsiger Gesang, sehr viel mehr Profil ist da nicht mehr. Babymetal, so scheint es, wollten sich mit "Metal Resistance" von einer Band für den speziellen Rock-Geschmack zu einer Band für die breitere Masse wandeln. Wenn sie sich da mal nicht verzettelt haben.

Babymetal auf Tournee:

07.06.2016, Köln, Live Music Hall

08.06.2016, Stuttgart-Wangen, LKA-Longhorn

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