Christina Stürmer: Seite an Seite

Austro-Hype? Ah, geh!

Christina Stürmer - Seite an Seite

Jahrelang war Christina Stürmer der einzige erfolgreiche Austro-Import in Deutschland. Das ist seit ein paar Monaten nicht mehr der Fall. Beirren lassen will sich die Pop-Rock-Sängerin davon aber nicht.

In Österreich badet man in einem ganz neuen Selbstverständnis. Nicht selten war in den vergangenen Monaten zu lesen, die Oberösterreicher von Bilderbuch und die Wiener von Wanda seien mindestens das Coolste, was die dann immer wieder zitierte "deutschsprachige Popmusik" zu bieten habe. Jahrelang war vom Nachbarn aus dem Südosten wenig zu hören. Vor allem Innovation vermisste man - zumindest war da keine chartstaugliche Band in Sicht, die an alte Austropop-Zeiten erinnern konnte. Eigentlich gab es nur sie: Christina Stürmer. Doch Frau Stürmer bediente eben noch nie Fans österreichischer Verspieltheit, Extravaganz und Affektiertheit. Es regiert seit eh und je eher Bravheit, Bieder- und Kleinbürgerlichkeit. Auch "Seite an Seite" macht keine Sprünge in eine neue Richtung.

Die 33-Jährige ist eh schon da angekommen, wo es nicht mehr um Musik geht. Ihr Name klingt nach sechs Alben - vier davon waren in Deutschland in den Top Ten - genügend an, dass man sich in den letzten Monaten mehr über ihren Babybauch unterhielt als über neue Lieder. Im Sommer ist es soweit, dann wird Stürmer das erste Mal Mutter. Der Vater ist Gitarrist Oliver Varga, man ist schon lange zusammen, zum Leidwesen der Klatschspalten ohne größere Skandale.

So ist es dann eben. Was gibt es schon Interessantes zu erzählen, wenn alles eitel Sonnenschein ist? Ohnehin stand die Verbreitung von guter Laune und "Du schaffst das"-Botschaften schon immer ganz oben auf der Agenda Stürmer. "Seite an Seite" will auch hier keinen Unterschied machen. Wenn alles doof ist, man nicht weiß, wie es weitergeht, muss man trotzdem "Immer weiter". Dass die Linzerin in "Niemals mehr für immer" auf gezupfter Gitarre und Streicher das Ende einer Beziehung besingt, wirft da schon Fragen auf: Woher soll das nun kommen? Zumindest legt sie in der Bridge eine Schippe drauf, singt mit Nachdruck - ein seltenes Vergnügen auf Stürmers siebter Platte.

Lieber beschwört die Castingshow-Entdeckung die ewige Liebe, die feste Beziehung - ohne dem auch nur das Geringste Neuartige abzugewinnen oder besondere Bilder zu finden. Auch für die verstorbene Oma (oder den Opa) nicht ("Du fehlst hier"). Für die größtmögliche Zerstreuung sorgen spätestens die Rockgitarren, die keinen Formatradiohörer verstören dürfen. Aufregender wird's mit "Träum weiter", ein griffiger Sommerhit mit hervortretender Bassline und einem freundlichen Keyboard-Muster: "Hör' niemals auf, denn wenn du's träumen kannst, dann schaffst du's auch", heißt es darin. Und schon ist die Sommerfreude dahin ...

"Seite an Seite" besingt eben den Alltag. Und der ist oftmals grau und eintönig. Nur wenn man mal zum "Tanzen" kommt, bewegt sich etwas. Oder wenn man wie ein "Astronaut" abheben darf und das Piano und Halleffekte einen Blick von oben ermöglichen. Mit Sidos gleichnamigem Hit im Hinterkopf wirkt der Song dann aber doch recht abgeschmackt. So helfen nur noch die mit Händen geformten "Tragflächen". Der darin beschworene Wind weht allerdings viel zu selten bei Christina Stürmers pränataler Pop-Chose. Dem Austro-Hype kann sie nichts weiter hinzufügen. Aber dafür war sie ja eh nie zuständig.

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