Moka Efti Orchestra

Zu Asche, zu Staub - und viel mehr

Das Moka Efti Orchestra ist die Original-Band aus der Tom Tykwer-Serie „Babylon Berlin“. Deren dritte Staffel feiert derzeit bei Sky Premiere. Die Musiker freuen sich dagegen über ein Debüt: Ihr erstes Album, das vom Sound des Jahres 1929 inspiriert ist, erscheint am 14. Februar. Im Bild (von links): die Kreativköpfe Mario Kamien, Nikko Weidemann und Sebastian Borkowski.
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Das Moka Efti Orchestra ist die Original-Band aus der Tom Tykwer-Serie „Babylon Berlin“. Deren dritte Staffel feiert derzeit bei Sky Premiere. Die Musiker freuen sich dagegen über ein Debüt: Ihr erstes Album, das vom Sound des Jahres 1929 inspiriert ist, erscheint am 14. Februar. Im Bild (von links): die Kreativköpfe Mario Kamien, Nikko Weidemann und Sebastian Borkowski.

Die Band der Serie „Babylon Berlin“ bringt ihr erstes Album heraus. Es ein furioser Stilmix aus Sounds, die es im Jahr 1929 gab oder hätte geben können. Unerwartete Gastsänger wie Moritz Krämer (Die höchste Eisenbahn) bieten weitaus mehr als nur „Zu Asche, zu Staub“.

Das Moka Efti Orchestra, das sind 14 Musiker plus Gastsänger, die die Berliner Musiker Nikko Weidemann und Mario Kamien für das Mega-Serienprojekt „Babylon Berlin“ gecastet haben. Dazu ist der versierte Arrangeur Sebastian Borkowski dritter Chef-Kreativer im Bunde. Vor einigen Jahren erhielt Weidemann, der für Tom Tykwer schon am Soundtrack für dessen deutsches Film-Comeback „Drei“ mitgearbeitet hatte, den Auftrag, die Musik für das teuerste deutsche Serienprojekt zu schreiben. Was Tykwer und seine beiden Co-Autoren und Regisseure dabei wollten: Musik, die in den Szenen „live“ gespielt wird und nicht wie sonst üblich als typische Film-Musiksauce aus dem „off“ später über die Bilder gekippt wird. Nicht nur wegen des Hits „Zu Asche, zu Staub“ ist die Musik der Serie in aller Munde. Trotzdem war die Erstaufführung von „Zu Asche, zu Staub“ am Ende von Folge eins der Serie jener Moment, in dem man als Zuschauer wusste, dass man einem künstlerischen Sog ausgesetzt ist, dem man sich kaum entziehen kann.

Seitdem hat sich das Moka Efti Orchestra, auch in der gerade bei Sky laufenden dritten Staffel steht es wieder auf der Serien-Bühne, vom Filmprodukt freigeschwommen. Es folgten Touren der Berliner Musiker und nun ein Album mit 13 Titeln („Erstausgabe“), die ein Abbild des eklektischen Sounds des Projekts sind. Anders als das - ebenfalls bemerkenswerte - Bryan Ferry Orchestra, das Musik aus allen möglichen Epochen verwirrend authentisch im Stile de 20er-Jahre wiedergibt, wollen Weidemann und Kamien mit ihrem Projekt etwas Neues erschaffen, das es so oder so ähnlich 1929 hätte geben können. Der hier noch einmal vertretene Hit „Zu Asche, zu Staub“ ist ein gutes Beispiel. Tom Tykwer wünschte sich damals, dass die Band für die erste große Tanzszene im Moka-Efti-Club einen Song erschafft, der sich so anhört, als hätten Frankie Goes To Hollywood ihren 80er-Evergreen „Relax“ eben schon im Jahr 1929 performt. Also: eine Mischung aus Hymne, sphärischem Techno-Pop, Ennio Morricone, Chanson und Endzeitstimmung.

Ein gefühlter Soundtrack des Jahres 1929

Dass ein solcher fast schon verrückter Stilmix auch ganz anders funktionieren kann, zeigt das Stück „Süße Lügen“, das den Berliner Schnodder-Sänger Moritz Krämer (Die höchste Eisenbahn) im Stil der 20er-Jahre aus dem Ärmel zaubert. Auch hier bekommt es das Moka Efti Orchestra hin, das bezaubernd heutige Emo-Pop-Songwriting Krämers auf das gefühlt Gestrige zu übertragen: mit Klarinetten, Tango-Beat und einem Hauch von großem Tanzorchester aus längst vergangener Zeit. „Erstausgabe“ ist eigentlich eine Platte, die „stimmungsmäßig“ gar nicht funktionieren kann. Auf erratisch mantrahafte Sound-Skizzen wie den „Crocodile Blues feat. Roland Satterwhite und Philipp Kacza“ folgen 20er-Jahre-Fake-Schlager wie „Lange Beene“ (hier singt Mario Kamien) oder ein Rockstück wie „Rainbow“ (da wieder singt Nikko Weidemann), das vorgaukelt, Rock'n'Roll hätte mit ein bisschen gutem Willen auch schon in der Weimarer Republik stattfinden können.

Dazwischen setzt es Instrumentals wie den „Hollaender Mash Up“ oder „Fatalist Tango“, die dann tatsächlich aus dem Serienjahr stammen könnten. Dass sich das Ganze am Ende trotz aller Querschläger anhört, als wäre es aus einem Guss, ist ein Verdienst der Kreativität von Weidemann, Kamien, Borkowskis und ihrer versierten Mitmusiker. „Wir reden von einer Ära“, sagt Mario Kamien über die Serie „Babylon Berlin“, „in der die alte Welt zusammengebrochen war und etwas Neues entstand, von dem man noch nicht wusste, was es wird. Ich glaube, aus diesem Grund waren alle so nervös. Die Folge war jener Tanz auf dem Vulkan. Ich kann mir vorstellen, dass sich viele Menschen heute wieder so fühlen.“ Dank der Musik des Moka Efti Orchestra fällt es einem nicht schwer, sich dieses Lebensgefühl vorzustellen.

teleschau

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