Whitesnake

Alte Schule, neues Gift

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Die Band Whitesnake existiert seit über 40 Jahren. Als einziger von Anfang an dabei: David Coverdale (Mitte).

Eine weiße Schlange bekommt keine grauen Haare: Auch mehr als 40 Jahre nach ihrer Gründung beißen Whitesnake noch kraftvoll zu.

Die erste Frage: Gift- oder Würgeschlange? Die Plattenhüllen insbesondere der alten Whitesnake-Alben lassen keinen Zweifel: Zwei scharfe Zähne sind es, mit denen David Coverdale und seine im Laufe der Zeit immer wieder runderneuerte Mannschaft ihr Gift tief ins Fleisch der Hardrock-Geschichte bohren. Sicher, es gab einige Durststrecken, während denen das Reptil schläfrig im Schatten lag. Seit gut zehn Jahren jedoch bäumt es sich wieder auf, und auch „Flesh & Blood“ ist wieder ein Album, mit denen sich Whitesnake Respekt verschaffen.

Die zweite Frage: Woher nimmt die Schlange ihre Kraft? In erster Linie von dürstenden britischen Altrockern, durch deren Adern auch etwas Blues fließt - angereichert auch mit einem kleinen Anteil an dickflüssigem Mainstream. Testosterongesteuerte Titel wie „Shut Up & Kiss Me“ (das Video erinnert an den Klassiker „Here I Go Again“) oder auch das Groove-Monster „Get Up“ beißen sich textlich unter der Gürtellinie fest und machen gleichzeitig Spaß bis hinter beide Backen.

„Well I Never“ und „Sands Of Time“ erfreuen sich in ihren Strophen am leicht hochtrabenden Element, welches zumindest in den 80-ern noch zum guten Ton des Hardrock gehörte. „Always & Forever“ hingegen taucht etwas zu sehr in poppig-seichte Gewässer ein. Die Thin-Lizzy-Gitarrenfärbung dieses Songs steht Whitesnake weitaus weniger als die dezente Led-Zeppelin-Note, die sich in vielen anderen Nummern positiv bemerkbar macht.

Solange es Alben wie dieses gibt, lebt der Hardrock

Schließlich die dritte Frage: Gibt es ein Antiserum? Nicht für Hardrock-Fans, denn - gemessen am Alter des Tieres - könnte das Gift kaum wirksamer sein. Neben Altmeister David Coverdale (Gesang) und seinem treuen Weggefährten Tommy Aldridge (Schlagzeug) stehen vor allem die beiden angriffslustigen Gitarristen Reb Beach und Joel Hoekstra im Mittelpunkt. Für Hoekstra (Trans-Siberian Orchestra, Cher), der den langjährigen Saitenmann Doug Aldrich ersetzt, ist es das erste reguläre Whitesnake-Studioalbum; die Tatsache, dass er als Co-Songwriter an sechs Songs mitwirkte, spricht für sich.

Hoekstra integriert sich ebenso harmonisch wie selbstbewusst und zaubert nebenbei mit Coverdale das wunderschöne Stück „After All“ aus dem Hut. Mit feinen Akustikgitarren und ein wenig Folk-Feeling gehört der Song neben der groß angelegten Power-Ballade „Heart Of Stone“ zu den besten Momenten auf „Flesh & Blood“. Am Ende bleiben keine Fragen offen. Whitesnake begnügen sich nicht mit Drohgebärden, sondern machen unmissverständlich klar, dass sie immer noch zu den stattlichsten Exemplaren einer vom Aussterben bedrohten Spezies zählen. Aber: Solange es Alben wie dieses gibt, lebt der Hardrock.

teleschau

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