Gordon Lightfoot

Der alte Mann und die Musik

Gordon Lightfoot, inzwischen 81 Jahre alt, gehört zu Kanadas wichtigsten und meistgeschätzten Musikern. Sowohl zur 100- als auch zur 150-Jahr-Feier seines Heimatlandes stand er auf der Jubiläumsbühne.
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Gordon Lightfoot, inzwischen 81 Jahre alt, gehört zu Kanadas wichtigsten und meistgeschätzten Musikern. Sowohl zur 100- als auch zur 150-Jahr-Feier seines Heimatlandes stand er auf der Jubiläumsbühne.

Alleingang mit der Gitarre: Der kanadische Songwriter Gordon Lightfoot veröffentlicht mit „Solo“ sein erstes Studioalbum seit 16 Jahren.

Der Name mag hierzulande nicht jedem geläufig sein, doch zumindest im nordamerikanischen Raum ist Gordon Lightfoot eine Legende. Seine Lieder wurden unter anderem von Elvis Presley, Barbra Streisand und Bob Dylan interpretiert. Er gilt als einer der beständigsten und wichtigsten Songwriter Kanadas. Als er 2017 anlässlich des 150. Geburtstags seines Heimatlandes auftrat, wies Premierminister Justin Trudeau darauf hin, dass Lightfoot bereits vor 50 Jahren zum 100. Geburtstag auf der Jubiläumsbühne gestanden hatte. 1967 war das, drei Jahre bevor der Folk-Rock-Musiker mit „If You Could Read My Mind“ seinen ersten großen und wahrscheinlich bekanntesten Hit landete.

Jetzt, im stolzen Alter von 81 Jahren, veröffentlicht Lightfoot sein insgesamt 21. Album. „Solo“ nennt er es. Seine Stimme ist darauf zu hören, seine Gitarre auch, und das war's. Der Hintergrund dieser radikal abgespeckten Aufnahmeform: „Ich dachte, meine Fans würden sich freuen, wenn sie hören, wie Songs klingen, wenn sie gerade geschrieben wurden.“ Das werden sie. Die insgesamt zehn Titel erzählen, stellen viele Fragen, verarbeiten Lebenserfahrungen und erfreuen sich an ihrem eigenen kleinen Dasein. Mit Furchen und viel Schönheit steht die Persönlichkeit des Songwriters dabei ungeschminkt im Lichtkegel der Aufmerksamkeit.

Eine kanadische Legende

Die Kompositionen sind - bis auf „Easy Flo“ - schon älteren Datums, sie stammen aus den Jahren 2001 und 2002. Lightfoot entdeckte sie beim Aufräumen und entschied, sie in der vorliegenden Form zu veröffentlichen. Von einer Orchestrierung nahm er Abstand, das hätte laut eigener Aussage zu lange gedauert, und so entstanden Momentaufnahmen, die sich auch nicht davor scheuen, der Perfektion eine Absage zu erteilen. Das Pfeifen Lightfoots beispielsweise wirkt zaghaft („Dreamdrift“, „Why Not Give It A Try“), ab und zu treten die Songs etwas „ungewaschen“ an die Öffentlichkeit, Demoaufnahmen nicht unähnlich. Aber sie sind präsent, stehen im Raum und wirken mal beschwingt, mal in sich selbst versunken, mal schonungslos offen. Die eine oder andere Nummer, etwa das eingängige Stück „Do You Walk, Do You Talk“, wäre reicher instrumentiert vielleicht noch schöner geworden, an anderen Stellen macht die Reduktion auf das Notwendigste gerade den besonderen Reiz aus.

Auch wenn sich Songs wie die Single „Why Not Give It A Try“ direkt im Ohr festsetzen, wird das Album „Solo“ wohl keine großen neuen Hits ausspucken. Das muss es auch nicht. Dieses Album ist das, was zu einem Songwriter im fortgeschrittenen Alter, zu einer Ikone, die einige gesundheitliche Rückschläge einstecken musste, passt. Gordon Lightfoot konzentriert sich auf Kernaussagen und vermeidet das Kaschieren. Damit macht er seinen Anhängern ein besonderes Geschenk - und sich selbst sicherlich ebenso.

teleschau

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