Stone Temple Pilots

Alte Herren, neue Würde

Auch die Stone Temple Pilots werden alt - und das ist vielleicht auch ihre Chance auf eine Rückkehr zu alter Stärke: Die Reife, die sie auf „Perdida“ demonstrieren, steht ihnen gut!
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Auch die Stone Temple Pilots werden alt - und das ist vielleicht auch ihre Chance auf eine Rückkehr zu alter Stärke: Die Reife, die sie auf „Perdida“ demonstrieren, steht ihnen gut!

Auch mit ihrem dritten Sänger schienen die Stone Temple Pilots sich zuletzt auf einem Rock'n'Roll-Trip zu befinden, der scheinbar niemals endet. Mit „Perdida“ erscheint nun allerdings ein stimmiges und ruhiges Akustikalbum, das eventuell gar das Alterswerk der Band einläuten könnte.

Gründungsmitglied, Exzentriker, Bühnen-Derwisch und nicht zuletzt auch begnadeter Sänger - Scott Weiland wird natürlich immer der einzig wahre Frontmann der Stone Temple Pilots bleiben. Nachdem er dutzende Male von der Band gefeuert und doch wieder eingestellt worden war, setzte er seinem Leben im Jahr 2015 mit einem Cocktail aus Kokain, MDA und Alkohol ein tragisches Ende. Da war er gerade mal wieder nicht bei STP angestellt und mit Scott Weiland & The Wildabouts auf Tour. Weilands Nachfolger bei den Stone Temple Pilots wurde der nicht minder talentierte Chester Bennington, der zuvor mit Linkin Park Weltruhm erlangte. Bennington verließ die Band Ende 2015 wieder, 2017 nahm er sich das Leben. Der Rock'n'Roll-Trip der Stone Temple Pilots ging dennoch weiter - inzwischen steht Jeff Gutt am Mikforon, der mit den Stone Temple Pilots nun „Perdida“ veröffentlicht, ihr erstes Akustikalbum.

Schon ihr Debüt „Core“ von 1992 verkaufte sich über 8,5 Millionen Mal, der Nachfolger „Purple“ brachte es seit 1994 auf 6,5 Millionen. Allerdings lösten die Stone Temple Pilots sich schon früh vom anfänglichen „Grunge“-Etikett, um mit originellem, technisch versiertem und mitunter pompösem Gitarrenrock einen eigenen wiedererkennbaren Sound zu erschaffen. Die große Stärke war dabei neben originellen Gitarrensoli und komplexen Bassläufen der DeLeo-Brüder immer Weilands prägnante Stimme, die Bennington und Gutt immer auch ein Stück weit nachahmten.

Eine neue Ära?

Ob die Tatsache, dass das letzte, selbstbetitelte Album von 2018 relativ unbeachtet blieb nun der Anlass für dieses Akustikalbum war, oder die schlichte Tatsache, dass auch die Altmitglieder der Stone Temple Pilots sich inzwischen ihres Ü50-Status' bewusst geworden sind (den Ü40-er Gutt mal ausgenommen), ist eigentlich egal. Klar ist, dass ein solcher Schnitt im Musikkatalog der Band gerade durchaus passend erscheint. Sowohl ihr beinahe vergessener Auftritt bei „MTV Unplugged“ im Jahr 1993 als auch zahlreiche kleine Auftritte bei Radio- und Fernsehshows bewiesen bereits, dass STP auch bei einer reduzierten akustischen Darbietung überzeugen können. Der Titel des achten Albums, das spanische Wort für „verloren“, zeigt vielleicht auch, wie persönlich die Band sich nun endlich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt.

Ja, Jeff Gutt klingt auf „Perdida“ über weite Strecken wieder wie ein wiederbelebter Scott Weiland, und ja, wie üblich wechseln sich wirklich große Momente wie in „Fare Thee Well“, „I Didn't Know The Time“ und „Three Wishes“ mit etwas klischeehaften und uninspirierten Songs wie „Sunburst“ oder dem pathetisch-daherwalzenden Stück „Miles Away“ ab. Es gibt aber auch viel Positives an diesem Album. Stellenweise erinnert die gemütlich-ungezwungene Stimmung an akustische Balladen aus den 1980er-Jahren, ohne digitale Hetze und globale Reizüberflutung. Klanglich traut man sich, dezent aus dem Akustikgitarren-Gesang-Percussion-Rahmen auszubrechen: Ein vollständiges Schlagzeug, Chöre und sogar Panflöte, Querflöte und ein Saxofon finden ihren durchaus berechtigten Platz. Auch wenn es manchmal etwas kitschig wird, auch wenn die Texte von Gutt über weite Strecken belanglos sind, wirkt dieses Album erstaunlich entspannt und musikalisch reflektiert. Vielleicht passt dieser Sound inzwischen viel besser zu den Stone Temple Pilots als der Wunsch, den nächsten, in den 1990er-Jahren gefangenen Rockhit zu schreiben.

teleschau

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