King Princess

Alles andere als billig

Über 200 Millionen Streams sammelte die 20-jährige Mikaela Straus a.k.a. King Princess bereits an. Nun kommt mit ihrem Debütalbum „Cheap Queen“ der erste große Wurf.
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Über 200 Millionen Streams sammelte die 20-jährige Mikaela Straus a.k.a. King Princess bereits an. Nun kommt mit ihrem Debütalbum „Cheap Queen“ der erste große Wurf.

King Princess sammelte vor ihrem Albumdebüt schon reichlich Vorschusslorbeeren. Kommt mit „Cheap Queen“ nun der erhoffte große Wurf?

Jetzt, im Nachhinein, wirkt es eigentlich nur logisch: Einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte Mikaela Straus im Aufnahmestudio ihres Vaters in Brooklyn. Dort lernte sie nicht nur, Klavier, Schlagzeug, Gitarre und Bass zu spielen, sondern auch, wie das Business läuft: „Bands kamen rein, schrieben ihre Musik, und ich dachte: 'Diese verdammte Musik ist fantastisch!' Und dann mischte sich das Label mit ein“, erinnerte sie sich zuletzt in einem Interview mit „Faceculture“. „Ich habe so viele talentierte Leute den Bach runtergehen sehen und glaube, das war das beste Training.“ Vernünftig, wie sie war, schlug Mikaela Straus mit zarten elf Jahren das erste Angebot für einen Plattenvertrag aus, beendete erst einmal die Highschool und begann dann ein Musikstudium. Kurz: Sie hatte beste Voraussetzungen. Und dann hat sie auch noch das Beste daraus gemacht: ihr eigenes Ding.

Schon mit ihrer ersten EP „Make My Bed“, die im letzten Jahr erschien, sorgte King Princess, wie sie sich nun nennt, sowohl bei den Musikkritikern als auch bei den Hörern für Furore: Mehr als 220 Millionen Mal wurde das Werk gestreamt. Ihr erster Langspieler „Cheap Queen“ dürfte bei der bereits beträchtlichen Fangemeinde ebenso gut ankommen. Denn die kurzen Tracks, die die 20-Jährige sympathisch lässig wirken lässt, sind bis in die Details durchdacht, sorgsam getimt und produziert. In jede schöne Harmonie grätscht früher oder später ein kleiner Störfaktor hinein, und mitten in vermeintlichem Geschrammel finden sich ganz feine Momente.

Verspielt und entspannt

Bei aller Sorgfalt kommt aber auch der Spieltrieb nicht zu kurz. Seien es der 80er-Retro-Einstieg in den kühl-eleganten Opener „Tough On Myself“, die gut gelaunten Glitzer-Disco-Elemente aus „Hit The Back“ oder die herzerwärmenden Lo-Fi-Klänge zwischen Capri-Bar und Waschsalon, die den Kurzkracher „Useless Phrases“ bestimmen: King Princess baut mit großer Selbstverständlichkeit und ebenso großem Selbstbewusstsein verschiedene Stile und Richtungen in ihren Sound ein.

Gerne zitiert sie auch mal eine Kollegin. Dass etwa der relaxte Synthiepop des Titeltracks durchaus an Lorde in „Pure Heroine“-Tagen erinnert oder man im Outro von „Prophet“ ein bisschen an Janelle Monáes „Archandroid“-Zeiten denken muss, ist bei einer musikalisch derart versatilen Künstlerin sicher kein Zufall. Diese Reminiszenzen kommen aber weder als heimliche Abklatsche noch als Huldigungen an, sondern eher als unspektakuläre Hinweise auf Straus' musikalische Herkunft und Einflüsse.

Die große Gelassenheit setzt sich auch in den Lyrics fort: Wie schon der Name King Princess andeutet, bezeichnet die Sängerin sich als genderqueer, außerdem ist sie lesbisch. Statt aber das bei queeren Künstlern/Künstlerinnen einstmals beliebte Pronomen-Versteckspiel mitzuspielen, schreibt sie gänzlich unaufgeregt über die Liebe zwischen Frauen. So zeigt sie quasi nebenbei mit Zeilen wie „You taste like danger but I feel so safe in your arms“ aus dem zauberhaften Gitarren- und Glockenspielwalzer „Homegirl“, dass die Orientierung für weibliche Sehnsüchte keine Rolle spielt. Ihren königlich kühlen Kopf wird King Princess in Zukunft noch gut brauchen können: Dass der Hype um die junge New Yorkerin nach diesem hervorragenden Debütalbum abbricht, ist relativ unwahrscheinlich.

teleschau

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