My Ugly Clementine

All-Girl-Allstars mit Vitaminspritze

Starke Frauen: My Ugly Clementine aus Wien kombinieren eingängigen Indie-Rock mit einer starken feministischen Botschaft. Von links: Kathrin Kolleritsch, Mira Lu Kovacs, Nastasja Ronck und Sophie Lindinger.
+
Starke Frauen: My Ugly Clementine aus Wien kombinieren eingängigen Indie-Rock mit einer starken feministischen Botschaft. Von links: Kathrin Kolleritsch, Mira Lu Kovacs, Nastasja Ronck und Sophie Lindinger.

Die Wiener Supergroup My Ugly Clementine spielt auf ihrem Debütalbum „Vitamin C“ eingängigen Indie-Rock mit schnörkelloser feministischer Botschaft.

Bassistin Sophie Lindinger ist eine Hälfte des Elektro-Pop-Duos Leyya, Gitarristin Mira Lu Kovacs hieß früher Schmieds Puls und singt auch für 5K HD. Das mag vielen Leuten nichts sagen - in der Wiener Pop-Musikszene aber sind das gefragte Acts, den Zuschauern der Amadeus Awards oder den Besuchern österreichischer Festivals bestens bekannt. Die Gruppe My Ugly Clementine, zu der auch Kathrin Kolleritsch (Schlagzeug) und Nastasja Ronck (Gitarre) gehören, lässt sich deshalb durchaus als Supergroup bezeichnen. Alle vier Frauen singen im Wechsel oder zusammen, die Band scheint non-hierarchisch organisiert zu sein.

Das Debütalbum heißt „Vitamin C“. Die kraftspendende Ascorbinsäure ebenso wie die Zitrusfrucht im Bandnamen sind vielleicht als Metapher für das Empowerment zu verstehen, das in der Musik von My Ugly Clementine in einem hohen Prozentsatz enthalten ist. Denn die inhaltliche Linie ist von Anfang an klar, die Botschaft geradeheraus: Es geht um weibliche Gleichberechtigung und Gleichbehandlung, um Selbstliebe und Selbstbewusstsein.

„I see that you are taller than me / But it's not true that I'm smaller than you“, singt Lindinger im Opener „Playground“ über warme Fuzz-Gitarren. Im Abschlusssong „Peptalk“ ist genau das drin, was draufsteht. „I'm good enough“, ist die zentrale Zeile - ein Motivations-Mantra, das man sich morgens vor dem Spiegel vortragen kann. Die Klementinen tragen damit auch ein bisschen alten Punk-Ethos in sich: Es geht nicht darum, ob man sein Instrument schön spielen und lyrische Metaphern schreiben kann, sondern darum, seine politische Botschaft so eindrücklich wie möglich in die Welt zu tragen.

Eingängig und grundsympathisch

Ihre Instrumente spielen die vier Musikerinnen allerdings auch sehr schön. „Never Be Yours“, im März 2019 die heiß ersehnte erste Veröffentlichung der Gruppe, klingt charmant nach altem 60er-Jahre-Soul. „Who“ ist die Nummer mit dem eingängigsten Refrain. „Vitamin C“ ist ein vielseitiges Album und transportiert doch jederzeit diese organische Band-Energie, die auch Lust macht, das Quartett live zu sein.

Experimentellen Noise-Rock, wie ihn die mutmaßlichen Namenspatrone My Bloody Valentine prägten, gibt es aber leider nicht. Die Produktion ist klar, die Songs sind klassisch aufgebaut und zwischen drei und vier Minuten lang. Ein paar Ecken und Kanten hätten nicht geschadet, aber dennoch wünscht man dieser Band, dass man sich an sie und ihr eingängiges, grundsympathisches Indie-Rock-Album auch nächstes Jahr noch erinnert.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare