Erscheint am 20. Oktober

Alina-Debutalbum „Die Einzige“: Brennende Herzen und nackte Füße reichen nicht

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Was Alina in ihren intimsten Momenten wirklich denkt, wissen wir nach „Die Einzige“ nicht.

Alina wird als deutsche Adele gehandelt, ist aber in Wirklichkeit eine weitere Pop-Schlagersängerin.

Deutschsprachige Pop-Balladen haben es schwer. Zumindest bei den Hörern, die sich in dem Genre auch international auskennen. Da kann sich jemand mit noch so starker Stimme entblößen und Zeilen über Liebe, Einsamkeit, brennende Herzen oder nackte Füße singen - es wird trotzdem oft als gefällig und konservativ abgestempelt. Alina schreibt genau solche Songs. „Die Einzige“ ist ihr Debütalbum, das mit Orchesterarrangements protzt und Geschichten über Alltägliches erzählt. Bevor sie ihr Album aufnahm, brach die Mittzwanzigerin ein Studium ab, jobbte und wurde an den Stimmbändern operiert. Ihr Label handelt sie jetzt als die deutsche Adele.

„Ich habe mich mit mir selbst arrangiert“, wird Alina im Laufe des Albums singen. Außerdem: „Ich habe Freunde in mein Leben perfekt integriert“ und „Ich weiß, ich werd dich nie im Leben vergessen“. Damit ist Alina nicht „Die Einzige“, sondern eine von vielen Sängerinnen und Sängern, die es schaffen, in teils pubertärer Tagebuchsprache Emotionales abzudecken, das auch wirklich jeder schon mal gefühlt hat. Das Problem an dieser Musik ist: Sie will den Kern eines Problems mit allen Details gar nicht offenbaren, gaukelt Intimität nur vor, will nicht ekelerregend sein oder überinszeniert. Wenn Alina über Liebe singt, dann zeichnet sie jugendfreie Klischeebilder. Aber Liebe, das ist auch Raserei, das sind auch Körperflüssigkeiten und Sex.

Stattdessen fragt Alina nach einem Kompass, der ihr zeigt, wo zu Hause ist. Ihr Zuhause liegt irgendwo zwischen Schlager und den sogenannten neuen Deutschpoeten um Andreas Bourani. Ihre Musik, die durch pathetische Klavierpassagen, Echo-Effekte, sich aufbauschende Streicher und Backroundvocals opulent klingen soll, schwächt sich genau dadurch selbst. Selbst die instrumentalen Parts sind Phrasen: Zitate von Zitaten von Zitaten deutscher Gefälligkeitsmusik. Doch Alinas Stimme ist wirklich einzigartig. Sie deckt unzählige Klangfarben ab. Sie wirkt, um im Tonus des Albums zu sprechen, wie ein Fels in der Brandung. Doch das hilft ihr zumindest auf „Die Einzige“ auch nicht weiter.

„Du sagst, du liebst den Klang meiner Stimme / Ich frage mich, was ist mit dem Rest“ ist die Schlüsselzeile dieses Albums, auf dem man die Stimme wirklich vom Rest trennen muss. Denn der Rest ist schlicht uninteressant. Der Rest dröhnt durch Fußballstadien, Autowerkstätten, Hochzeitsmodegeschäfte, aber keiner hört richtig hin. Der Rest berührt nicht. Der Rest klingt nicht nach Adele.

teleschau

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