Ssio

Adios, Messios

Irgendwo zwischen Kleinkriminellem und Rap-Comedian: Ssio hat seine Nische gefunden.
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Irgendwo zwischen Kleinkriminellem und Rap-Comedian: Ssio hat seine Nische gefunden.

Mit seinem dritten Album „Messios“ unterstreicht der Bonner Rapper Ssio seine Paraderolle als technisch versierte Mixtur aus Kleinkriminellem und HipHop-Comedian.

Deutschrap ist in den vergangenen Jahren zunehmend erfolgreicher und damit größer geworden. Das macht es für jeden einzelnen Protagonisten nicht nur automatisch schwieriger, sich in der Szene durchzusetzen, sondern auch, ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln. Ssio gelang das bereits mit seinem Debütalbum „Bb.u.m.ss.n“ (2013): Zu brachialem Boom-bap-HipHop kniff er dem Zeitgeist in puncto Sound mit schelmischem Grinsen in die Weichteile. Über diese Beatbretter tackerte er dann seine Trademark-Lachkick-Lines straight outta Bonn-Tannenbusch, die Ghettokids und BWL-Studenten gleichermaßen breit grinsen ließen.

Den Spagat zwischen glaubwürdigem Gangster-Realtalk und humorvoller Szene- und Gesellschaftskritik vollführt bis heute niemand so versiert wie Ssio. Die Veröffentlichung seines neuen Albums „Messios“, flankiert von höchst amüsanten Instagram-Nebengeräuschen, schlägt künstlerisch in dieselbe Kerbe - und das ist Fluch und Segen zugleich.

Zeit für etwas Neues

Einerseits wünscht man sich von einem Musiker selbstverständlich eine Neuerung, eine kreative Weiterentwicklung, damit das künstlerische Werk weiterhin spannend bleibt. Andererseits will man jemandem wie Ssio natürlich stets dabei zuhören, wie er über dezent aufgepeppte 90er-Instrumentals humorvoll Sedativa-Knospen vertickt, seinen schlechten Umgang mit dem anderen Geschlecht skizziert und über den Beischlaf mit den Müttern der Rap-Konkurrenz schwadroniert. Doch wie es eben so ist: Auch die beste Geschichte wird auf Dauer nicht spannender, selbst wenn man sie immer mit anderen Worten erzählt.

Klar, beim ersten Durchlauf von „Messios“ ist Spaß garantiert, dafür sorgen szenekritische Punchlines wie „Kriegst 'ne Faust auf deine Muschi-Lippe / Dazu zwei fette, blaue Augen: sieht fast aus wie deine Gucci-Brille“ oder „Im Knast gibt's Panzerfett statt Meersalz in Butter / Meine Gesichtsnarben seh'n aus wie Versace-Muster“. Letztere belegt zudem, dass Ssio (im Gegensatz zu vielen rappenden Kollegen) auch über sich selbst lachen kann. Dennoch kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Ermüdungserscheinungen beim Hören von „Messios“ deutlich früher einsetzen als bei Ssios vorherigen Alben. Der 30-Jährige ist und bleibt ein guter Rapper und „Messios“ ist eine grundsolide Platte, aber sowohl inhaltlich als auch musikalisch fehlt es ein wenig an Überraschungen. Für Album Nummer vier sollte der Bonner sich daher tunlichst etwas Neues überlegen, wenn er nicht zum Treppenwitz der Szene avancieren will.

teleschau

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