Hobo Johnson

Absturz mit Ansage?

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Au backe, nach dem Aufstieg kommt stets der Fall. Doch Hobo Johnson darf bestimmt noch etwas Höhenluft genießen.

Nach dem Aufstieg folgt der Fall - so kennt man es aus vielen Heldengeschichten. Bei Hobo Johnson, der sein neues Album „The Fall Of Hobo Johnson“ nennt, kann von einem Abstieg aber noch keine Rede sein.

Ein Hobo ist kein Penner. Als „Hobo“ bezeichnete man einst Vagabunden und Wanderarbeiter. Der Schriftsteller Jack London war ein Hobo, seine Beschreibungen spielten eine zentrale Rolle bei einer bis heute geltenden Romantisierung des Landstreicherlebens. Woody Guthrie, John Steinbeck und Jack Kerouac taten ihr Weiteres. Auch Hobo Johnson wählte die Freiheit, wenngleich nicht aus freien Stücken. Fünf Jahre ist es erst her, da wurde Frank Lopes Jr., ebendieser heute als Hobo Johnson bekannte Rapper, von seinem Vater vor die Tür gesetzt. Fortan schlief der damals 19-Jährige in seinem Toyota. Reduziert auf sich selbst, ein paar Klamotten und ein schäbiges Auto fing er an, sich auf Lyrik und Musik zu konzentrieren, so die nicht weniger romantisierte Erzählung des Kaliforniers. Von dort unten konnte es nur bergauf gehen. Doch der Abstieg folgt sogleich: „The Fall of Hobo Johnson“ heißt sein neues Album.

Die Underground-Meriten mit den ersten Videos, der Indie-Hype nach seinem Auftritt bei der YouTube-Reihe „Tiny Desk“ des NPR, der amerikanischen öffentlich-rechtlichen Radioanstalt, dann der große Plattendeal für das zweite Album: „The Rise of Hobo Johnson“ (2017) nannte er Platte Nummer zwei, und der Aufstieg ist bisher ein stetiger. Dass Hobo Johnson jetzt schon seinen Untergang heraufbeschwört, kann nur Verschleierungstaktik sein. Die zwölf neuen Lieder werden ihn lediglich in eine Richtung bugsieren: weiter nach oben. Der inzwischen 24-Jährige hat den Wuschelkopf gestutzt, aus seinem Flaum wird wohl doch noch ein Bart, und der Erfolg sitzt etwas auf den Hüften - „I wish I was skinnier, but I love sandwiches“ („Subaru Crosstreck XV“). Unverändert sind dafür Witz, Umsicht und Variationsfreude.

Er ist da, wo oben ist

Auf Letzteres war der Anführer der Backingband The Lovemakers diesmal besonders bedacht. Jeder Track sollte anders klingen. Die beste Vorbereitung darauf bot die Vorabsingle „Typical Story“, die nun auch auf dem Album den Anfang macht: Man hört eine verzerrte Gitarrenklatsche, dazu schreit, singt und rappt Lopes ein schon älteres Gedicht von alltäglichen Sensationen und Verrücktheiten. Nicht die in den Nachrichten, vielmehr die in jedermanns Umfeld. Weiter reicht „You & Cockroach“, eine absurde Spoken-Word-Fantasie zur Weltgeschichte: Donald Trump drückt irgendwann den roten Knopf, und die Kakerlaken übernehmen das Steuer.

Wenn man es weniger gut mit Hobo Johnson meint, könnte man sagen, auf „The Fall Of Hobo Johnson“ kopiere er Macklemore („Move Awayer“) und noch häufiger Mac Miller. Chance The Rapper, G-Eazy - man findet viele Vorbilder, wenn man denn möchte. Dem verlegen-schelmisch durch Takte und Zeilen grinsenden Punk-Emo-Alternative-Rapper Hobo Johnson irgendwie Böses zu wollen, fällt allerdings schwer. Und da wäre noch seine Ehrlichkeit. In „Happiness“ etwa, einem Piano-Beat-Rückblick auf Verfehlungen gegenüber einer gewissen Ashley. Ähnlich angreifbar macht er sich in dem klagenden Stück „February 15th“, live, von sich selbst mit der Gitarre begleitet.

Dort besonders, aber auch in vielen anderen Momenten schafft es der Ex-Obdachlose, seine Geschichten auf die imaginäre Theaterbühne zu verschleppen und mit allerlei Pomp und Gestenreichtum vorzutragen - inklusive Schenkelklopfer, (Anti-)Heldenstorys und vielen Dankanstößen. Zwischen diesen Welten zeichnet sich deutlich ab, wohin die Reise dieses selbsternannten Hobos geht. Auf einem Güterzug von Stadt zu Stadt, von Tagelohn zu Tagelohn - das könnte er seinem Publikum auf seine charmante Art bestimmt weismachen. Dass es nun aber wirklich wieder bergab gehe mit Hobo Johnson, wird ihm niemand glauben.

teleschau

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