Unravel

Wollig-warme Erinnerungen

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"Unravel" ist ein physikbasiertes Plattform-Rätsel-Jump&Run mit einem furchtbar niedlichen Helden.

EA umgarnt die Spieler mit einem ungewöhnlichen Spielehelden: einem wandelndem Wollknäuel namens Yarny. Nur der Geduldsfaden sollte einem nicht reißen ...

Der rote Faden durch die Geschichte von "Unravel" ist genau das - ein roter Faden. Genauer gesagt: ein Wollknäuel, das zum Leben erwacht ist. Der Name von EAs reinem Downloadtitel ist durchaus mehrdeutig, denn "to unravel" bedeutet sowohl auseinanderwickeln als auch entwirren und enträtseln. Beides geschieht zuhauf: "Unravel" ist ein physikbasiertes Plattform-Rätsel-Jump&Run.

Yarnys Aufgabe: sich in guter alter Genre-Manier durch die Kulissen bewegen, um die verlorenen Erinnerungen einer alten Dame in Schweden zu retten. Ohne seine Hilfe würden diese als bis zur Unkenntlichkeit vergilbte Bilder in einem Fotoalbum brachliegen. Das wandelnde Wollknäuel muss daher auf seiner abenteuerlichen Reise Schnappschüsse und Dekosticker einsammeln, um das Album wieder zu vervollständigen. Die zwölf Level stellen jeweils die einzelnen Kapitel des Buchs dar. Zu denen mit ungeheurer Detailliebe gestalteten und in prachtvolles Effektlicht getauchten Orten, an denen die Familienfotos entstanden sind, zählen unter anderem der Garten des Hauses, ein Ausflug ans Meer oder ein Moor.

Die verlorenen Erinnerungen zu bergen, ist allerdings leichter gesagt als getan. Allerlei Hindernisse stellen sich dem niedlichen Wesen in den Weg. Um diese zu meistern, setzt Yarny in erster Linie auf sich selbst: Der Held von "Unravel" kann Fäden verschießen und wie ein Lasso an erhöhten Positionen anbringen, um hinauf zu klettern. Er kann sich aber auch über Abgründe schwingen, eine Schnur spannen, um sich empor zu katapultieren oder wie ein Seiltänzer darüber zu balancieren. Yarnys Fortschritt hängt allerdings am wolligen Faden - nur wenn er immer wieder neues Garn einsammelt, kann er seine Reise fortsetzen. Reißt der Faden, heißt's Game Over. Die Zwischenspeicherpunkte sind allerdings nicht immer glücklich gewählt.

Die Rätsel sind mitunter knackig und beziehen oft die Umgebung ein. Ein Stapel aus Pinienzapfen oder Blumentöpfe dienen beispielsweise als Kletterhilfen, wenn sie an die richtige Stelle geschoben werden. Interessante Gameplay-Idee: Alles, was Yarny bedroht, lässt sich auch zum eigenen Vorteil nutzen. Wellen können einerseits das nasse Grab bedeuten, andererseits kann man mit einem Floß aus Plastikmüll darauf surfen. Auch eine zwickfreudige Krabbe lässt sich als Sprungbrett zweckentfremden, indem man sie mit einer Muschel an die richtige Position lockt.

Das Gameplay ist, trotz des reichlichen Woll-Einsatzes, alles andere als einfach gestrickt. Es sind nicht nur die abwechslungsreichen, teils kniffligen Physikrätsel, die den besonderen Charme von "Unravel" ausmachen, sondern auch die atmosphärische Streicher-Musik, welche die zwischen nostalgischer Melancholie und optimistischem Tatendrang wechselnde Grundstimmung verstärkt.

Das Herzstück von "Unravel" allerdings ist die niedliche Spielfigur. Yarny schließt man spätestens ins Herz, als er sich zum ersten Mal den Kopf schüttelt, nachdem er nach einem Sprung unsanft gelandet ist. Das fördert die Empathie mit dem kleinen Helden - und damit auch die Spannung, mit der Xbox-One- und PS4-Besitzer an Yarnys Schicksal teilhaben.

Manchmal allerdings wird aus dieser Spannung Frust, denn der ohnehin schon anspruchsvolle Schwierigkeitsgrad wird an einigen Stellen durch eine unsaubere Steuerung unnötig erhöht. Davon abgesehen jedoch ist "Unravel" ein echter Überraschungshit, der Spieler mit Leichtigkeit um den Finger wickelt.

System PS4
System Xbox One
Spielname Unravel
Hersteller Coldwood
Vertrieb EA
Genre
Erhältlich ab 09.02.2016
Bewertung Gesamt gut

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