„FIFA 21“ im Test

Warten auf den Wechsel

"FIFA 21" bittet zum gepflegten Kick.
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„FIFA 21“ bittet zum gepflegten Kick.

Später als sonst: Der 9. Oktober läutet den Höhepunkt des virtuellen Sportjahres ein - zumindest für „FIFA“-Fans. Der Ableger mit der Rückennummer 21 soll die Fußball-Simulation nicht nur wegen des bevorstehenden Generationenwechsels bei den Konsolen auf ein neues Level bringen. Aber gelingt das auch?

Alle Jahre wieder stehen Fußball-Fans vor derselben Frage: kaufen oder nicht kaufen? Gemeint ist „FIFA“, dessen aktueller Ableger mit der Rückennummer 21 sich diesmal etwas mehr Zeit gelassen hat und erst am 9. Oktober auf den Markt kam. Was ist neu, was ist anders, wie finden eSports-Profis das Ganze und lohnt es sich, rund 60 Euro dafür auf den Tisch zu blättern? - Alle diese Fragen werden hier beantwortet.

Was ist neu in „FIFA 21“?

„Agile Dribbling“, „Creative Runs“, „Positioning Awareness“ - das Marketing von EA hat sich wieder mächtig ins Zeug gelegt, um kleinere bis mittlere Anpassungen klangvoll zu benennen. Die wichtigsten Änderungen sind diese:

Was ist noch neu?

EA entschied sich bei „FIFA 21“ für eine völlig neue Art der Cover-Gestaltung. Mehrere Motive sind zu sehen, aber nur ein Star: Kylian Mbappé von Paris Saint-Germain.

Der im Vorjahr groß eingeführte „Volta“-Straßenfußball-Modus ist in „FIFA 21“ ebenfalls wieder am Start - allerdings ohne große Story wie im Vorgänger. Im Gegenteil: „Das Debüt“ ist bereits nach zwei Stunden auserzählt - lieblos reingeklatschte Zwischensequenzen und Gastauftritte von Kaka und Thierry Henry inklusive. Dafür darf man nun mit bis zu vier Freunden im Koop ein Team stellen und 5vs5-Online-Duelle austragen.

Deutlich aufgestockt wurde indes der Karriere-Modus. Die lange Zeit vernachlässigte Spielart wurde um eine Live-Matchsimulation via Radar erweitert, bei der Hobby-Manager ohne Unterbrechung von einer rein taktischen Ansicht sofort ins Geschehen springen und selbst kicken kann. Auch die Möglichkeiten, das eigene Team in den Trainings weiterzuentwickeln, sind enorm - arten aber schnell in Arbeit aus.

Was halten die Profis von den Gameplay-Neuerungen?

Mohammed „MoAuba“ Harkous - seines Zeichens Weltmeister 2019 auf der PlayStation - zeigte sich nach ein paar Matches äußerst beeindruckt von den Neuerungen, die „FIFA 21“ in Sachen Gameplay mit sich bringt. Lupfer, Finesse-Schüsse und Skill-Moves seien demnach in „FIFA 21“ noch effektiver als im Vorgänger. Auch das neue, enge Dribbling (mit R1/RB) wurde vom eSports-Profi in einem FAQ-Youtube-Video gelobt - ebenso die verbesserte Künstliche Intelligenz der Torhüter.

Andere Profis scheinen ebenfalls angetan von der frischen Ausgabe der Fußball-Sim zu sein. Dem Youtuber The Guide gefällt vor allem das Dribbling mit neuen Techniken und das deutlich verbesserte Stellungsspiel der Teammitglieder. Man könne sich durch Letzteres besser auf die virtuellen Kicker verlassen. Auch die Gefahr, in eine Abseitsfalle zu geraten, sei dadurch kleiner geworden. MattHDGamer zeigt auf YouTube indes „Ultimate Team“-Impressionen. „Flüssiger“ als im letzten Teil sei das gesamte Gameplay, so sein Fazit.

Gibt es kritische Töne?

Immer weniger professionelle Spieler halten sich mit Kritik zurück - und boykottieren den „FUT“-Modus. Dabei handelt es sich um eine populäre Online-Variante, die auch für offizielle Turniere genutzt wird und sich in den letzten zehn Jahren zur Milliarden-schweren Cash-Cow für EA entwickelt hat. Der Reiz eines Panini-Sammelalbums vermengt sich hier mit dem Wunsch, ein perfekt harmonierendes Dream-Team aufs Feld schicken zu können. Pelé, Beckenbauer, Messi, Ronaldo - alles möglich, nur sehr, sehr unwahrscheinlich. Die dafür nötigen Spielerkarten bekommt man für unverhältnismäßig viel Ingame-Währung in zufällig zusammengestellten Packs oder für reichlich bare Münze. eSports-Profis investieren jedes Jahr vom Start weg mehrere tausend Euro, um konkurrenzfähig zu sein - auch wenn ihnen der Pay-2-Win-Faktor durchaus bewusst ist.

Tim „Tim Latka“ Schwartmann vom FC Schalke 04 spielt da beispielsweise nicht mehr mit. Obwohl ihm sein Verein bis zu 2.000 Euro zur Verfügung gestellt hat, will er in diesem Jahr keinen Cent in „FUT“ stecken. „eSport darf sich nicht darüber identifizieren, wer am meisten Geld dafür ausgibt“, sagte er vor etwa zwei Wochen in einem YouTube-Video. Vielmehr spendete der eSport-Profi das Geld für einen guten Zweck.

Was fehlt in „FIFA 21“?

Corona ist in „FIFA 21“ kein Thema. Statt Geisterspielen gibt's volle Ränge und lauthals intonierte Fangesänge. Und das ist wahrer Balsam für die Fußball-Fan-Seele.

Anhänger des FC Bayern schäumen dagegen vor Wut: Obwohl ihr Verein auf beeindruckende Weise die Champions League gewonnen hat, haben die Münchner „nur“ viereinhalb von fünf Rating-Sternen von EA bekommen. Zudem wurden manche Profis wie Serge Gnabry drastisch eingebremst: Der Tempowert des Außenstürmers fiel von 90 in „FIFA 20“ auf 82 in „FIFA 21“. Manch einer unkt, dass EA die Vereine, mit denen der Entwickler Partnerschaften pflegt, besser behandelt. Der FC Bayern dagegen hat indes einen „Platinum“-Deal mit Konamis „PES“-Reihe geschlossen. Aus diesem Grund fehlt auch die Allianz Arena in „FIFA“.

Was fehlt wirklich?

Kurzum: der Kick! Spielerisch und grafisch wurde bei „FIFA 21“ eher Feinschliff gegenüber 2020 betrieben. Das Ergebnis ist zwar ein absolut unterhaltsames Treiben auf dem Platz. Wer aber echte Innovationen oder einen technischen Quantensprung erwartet, wird eher enttäuscht sein - allerdings auf verdammt hohen Niveau. Denn auch das ist klar: „FIFA“ ist und bleibt eine erstklassige Fußballsimulation, die sich nicht jedes Jahr neu erfinden kann, sondern Bewährtes mitunter verfeinert.

Allein die Preispolitik kann man EA ankreiden. Denn für das jährliche Update verlangt der Publisher den Vollpreis - ganz im Gegensatz zum Konkurrenten Konami, der sich bei seiner „eFootball PES“-Reihe diesmal mit schmalen 30 Euro für die 2021er-Version begnügte.

Kaufen oder nicht kaufen?

Sind wir mal ehrlich: „FIFA“-Fans sind Gewohnheitstiere. Selbst bei Versionen, die mehr Update-Charakter haben, schlagen sie dennoch zu - einfach, weil sie die topaktuellen Kader haben wollen, sich über Verfeinerungen am Gameplay freuen - oder sehenden Auges wieder einmal ein Vermögen in die aktuelle Version des „FIFA Ultimate Team“-Modus versenken wollen, um online in Duellen und Turnieren bestehen zu können.

Neulingen sei gesagt: „FIFA 21“ besitzt nahezu alles, was das Fußball-Herz begehrt: ein dickes Lizenzpaket, zahlreiche On- und Offline-Spielmodi, geschmeidiges Gameplay und eine famose Inszenierung. Wie diese auf den neuen Konsolen ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Das Upgrade ist für Käufer der aktuellen Version jedoch gratis.

teleschau

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