Plastiksammeln im All

Starlink: Battle for Atlas

Jedem Piloten sein eigenes Modell-Schiff: „Starlink: Battle for Atlas“ von Ubisoft Toronto transportiert Activisions „Skylanders“-Konzept in den Weltraum. Kommt es dafür zu spät - oder ist die Zeit reif für eine neue „Toys to Life“-Erfahrung?
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Jedem Piloten sein eigenes Modell-Schiff: „Starlink: Battle for Atlas“ von Ubisoft Toronto transportiert Activisions „Skylanders“-Konzept in den Weltraum. Kommt es dafür zu spät - oder ist die Zeit reif für eine neue „Toys to Life“-Erfahrung?

„Starlink: Battle for Atlas“ will das „Toys to Life“-Konzept als Raumschiff-Spektakel wieder zum Leben erwecken - und als Dreingabe gibt's Switch-exklusiven „Starfox“-Content für Nintendo-Fans.

Plastikfiguren zum Sammeln vereint mit einem Computer-Game: Die „Skylanders“-Reihe war viele Jahre lang ein Milliardengeschäft für Activision - bis es ausgereizt war und auch die Nachahmer-Produkte scheiterten. Nun versucht es Ubisoft mit einer neuen „Toys to Life“-Idee: „Starlink: Battle for Atlas“ kombiniert Spiel und Spielzeug, indem es zum Kauf von Plastik-Piloten, Modell-Raumschiffen und deren Ausrüstung motiviert. Diese werden auf dem Konsolen-Controller montiert - und tauchen sofort auf dem Bildschirm auf, damit man Space-Piraten und anderen Aliens einheizen kann.

Eine aufwendig inszenierte Geschichte gibt den Takt vor: Die von der Erde stammende Crew der „Equinox“ will in neue Regionen des Weltraums vordringen. Doch als man schließlich auf das Sternsystem Atlas stößt, wird der Kopf der Expedition von einem finsteren Alien-Kult entführt, der es auf Technologie und Ressourcen der Terraner abgesehen hat. Also schwingen sich die verbliebenen Kollegen in ihre schnittigen Einmann-Jäger, um auf den verschiedenen Planeten und im Weltraum dazwischen nach ihrem Chef zu suchen.

Für den Spieler bedeutet das in erster Linie einen regen Wechsel zwischen den Raumschiff-Modellen, denn jedes der spacigen Vehikel hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Welche genau verrät ein Blick in den Status-Bildschirm des jeweiligen Jägers. Wer dann noch der Meinung ist, dass sein fliegender Untersatz für die bevorstehende Mission nicht stark genug gepanzert ist oder ein Defizit bei der Manövrierfähigkeit aufweist, wechselt entweder das Schiff oder nur einzelne Komponenten aus. Wie zum Beispiel die Flügel, die daran montierten Waffen oder sogar den Piloten selber.

Anders als bei den artverwandten „Skylanders“ oder „Disney Infinity“ werden die Plastik-Modelle dafür nicht auf einem Portal platziert. Stattdessen verfügt „Starlink“ dafür über eine per USB-Kabel mit der Konsole verdrahtete Halterung: Die klemmt man zunächst wie eine Spange an den Controller, anschließend werden darauf der Pilot und das Raumschiff platziert.

Das Anstecken und Abziehen der erfreulich robusten Elemente funktioniert zwar tadellos - allerdings sollte man Raumschiff beziehungsweise Halte-Bügel vorsichtshalber gut festhalten, damit keine Bauteile durch die Gegend fliegen. Überdies sind Modell und Halterung weit genug vom Gamepad entfernt, dass zumindest halbwegs zarte Hände genug Platz finden, um Sticks und Buttons auch weiterhin bedienen zu können. Alternativ lässt sich die Halterung nebst Modell abnehmen und auf der Couch platzieren. Solange die Konstruktion per USB-Kabel mit der Konsole verbunden ist, lässt sich das Weltraum-Abenteuer auch auf diese Weise bestreiten.

Die Modelle selber sind zwar hübsch gestaltet, bei Design und vor allem Verarbeitung können sie allerdings nicht mit Activisions „Skylanders“-Spielzeugen konkurrieren. Bis auf schwach glimmende Triebwerke warten die Schiffe auch mit keinerlei Spezialeffekten auf - für satte 30 Euro pro Modell wäre eine hübschere Ausstattung nett gewesen. Immerhin enthält jedes „Starship Pack“ noch den dazugehörigen Piloten und eine Waffe. Ebenfalls nicht ganz günstig sind die „Weapon Packs“: Die bergen für zwölf Euro zwei wichtige, aber leider recht detailarm modellierte Extra-Waffen. Am günstigsten sind die „Pilot Packs“: Die kommen für acht Euro mit einem etwa drei Zentimenter großen Flugkünstler. Gerade mal elf verschiedenen Modell-Pakete liefert Ubisoft derzeit auf diese Weise aus: Man scheint die Akzeptanz für ein neues „Toys to Life“-Paket also vorerst nur vorsichtig antesten zu wollen. Nichtsdestotrotz: Wer neben dem 70 Euro teuren Starter-Paket zumindest die anderen vier Schiffe haben möchte, ist fast 200 Euro los.

Wer „Starlink“ auf der Switch spielt, bekommt außerdem Nintendos Weltraum-Promi „Starfox“ nebst passendem Arwing geliefert - zusätzlich zu einigen Missionen, die speziell auf den kultigen Pilotenfuchs zugeschnitten sind. Allerdings muss er dafür die etwas detailärmere Grafikkulisse in Kauf nehmen. Doch auch ohne den japanischen Action-Promi in der Packung drängt sich der Vergleich förmlich auf: Denn Fluggefühl und Action-Gameplay des Abenteuers erinnern überdeutlich an die „Starfox“-Serie.

Doch es wird nicht nur geballtert: Neben dem Sammeln von Ressourcen und Scannen von einheimischen Tieren stehen auch gelegentliche Rätsel auf dem Reise-Programm. Das führt über sieben unterschiedliche Planeten , die sich allesamt frei und nahtlos erkunden lassen, ehe es zurück ins All geht. Schade nur, dass auch das zugänglichere „Starlink“ unter sich zu schnell wiederholenden Spielmechanismen leidet: Die wunderschön gestalteten Welten mitsamt ihren prachtvollen Sonnenaufgängen und wabernden kosmischen Nebeln nach Ressourcen zu durchforsten, macht nur so lange Spaß, wie man sich nicht an den ständig gleichen Sammel- und Action-Abläufen stört, während die schicken Alien-Ruinen unerforscht und verheißungsvoll gestaltetes Dekor bleiben.

Wer allerdings eine komfortable und leicht verständliche Alternative zum Indie-Hit „No Man's Sky“ mit „Starfox“-Feelilng sucht, der ist hier goldrichtig. Erwachsene Gamer sollten vielleicht nur die an ein junges Zielpublikum ausgerichtete Geschichte mitsamt ihrer „Power Rangers“-Charaktere ausblenden.

teleschau

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