Reporter ohne Grenzen

Schlupfloch gegen die Zensur: „Minecraft“-Bibliothek für Pressefreiheit

Unter dem Projektnamen „The Uncensored Library“ („Die unzensierte Bibliothek“) finden sich in einem wuchtigen „Minecraft“-Bau nun kritische Artikel und Schriften, die in vielen Ländern sonst nicht zugänglich wären.
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Unter dem Projektnamen „The Uncensored Library“ („Die unzensierte Bibliothek“) finden sich in einem wuchtigen „Minecraft“-Bau nun kritische Artikel und Schriften, die in vielen Ländern sonst nicht zugänglich wären.

Es ist ein digitales Schlupfloch gegen die Zensur: "In vielen Ländern der Welt gibt es keinen freien Zugang zu Informationen.

Webseiten werden blockiert, unabhängige Zeitungen konfisziert, die Presse vom Staat gelenkt. Junge Menschen wachsen auf, ohne sich eine eigene Meinung bilden zu können„, erklärt Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, die Grundlage für ein spektakuläres Projekt, das am “Welttag gegen Internetzensur„ online gegangen ist. “Indem wir das weltweit populärste Computerspiel als Medium nutzen, ermöglichen wir ihnen den Zugang zu unabhängigen Informationen."

Gemeint ist: „Minecraft“ - ein kreativer Klötzchenbaukasten von Microsoft.

Zusammen mit einer für „Minecraft“-Bauten spezialisierte Agentur aus Deutschland hat die Organisation im virtuellen „Minecraft“-Raum eine ein Kilometer lange Insel nebst gewaltiger Bibliothek aus dem digitalen Boden gestampft, in deren Eingangshalle sich Besucher über die Situation der Pressefreiheit in 180 Ländern informieren können. In aktuell fünf weiteren Räumen der „Uncensored Library“ sind kritische und für Einheimische sonst unzugängliche Texte aus Ägypten, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien und Vietnam auf Englisch und in der Muttersprache der jeweiligen Journalisten verfügbar.

„Minecraft“ blocken? Schwierig.

Theoretisch können die genannten Staaten den Zugang zum Server mit der aus über anderthalb Millionen Klötzen gebauten Bibliothek sperren. Aber „Minecraft“ als Ganzes bleibt davon unberührt, denn das Spiel ist dezentral organisiert und über unzählige verschiedene Server auf der ganzen Welt verteilt. Theoretisch könnte man den Bau nach einer Sperrung deshalb auf einem anderen Server parken.

Es ist nicht die erste Zusammenarbeit der Agentur DDB mit „Reporter ohne Grenzen“. Bereits 2018 legte man quasi mit der ähnlich gestrickten Spotify-Kamagne „The Uncensored Playlist“ den Grundstein für das „Minecraft“-Projekt. Damals wurden verbotene Texte in Lieder umgewandelt und über den Streamingsdienst verbreitet. Eine Idee, die mit zahlreichen Preisen überhäuft wurde.

teleschau

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