„Nioh 2“ im Test

Samurais von Satans Gnaden

Prequel statt echte Fortsetzung: „Nioh 2“ erzählt die Vorgeschichte zum Erstling und muss ohne dessen Hauptcharakter William auskommen.
+
Prequel statt echte Fortsetzung: „Nioh 2“ erzählt die Vorgeschichte zum Erstling und muss ohne dessen Hauptcharakter William auskommen.

Prequel statt echter Nachfolger: In „Nioh 2“ erzählen die Frust-Experten von Team Ninja die Vorgeschichte zu ihrem erfolgreichen Samurai-Adventure. Die entpuppt sich selbst für hartgesottene Gamer als echte Herausforderung - und ist damit ganz im Sinne des großen Vorbilds „Dark Souls“.

Seit fast einem Jahrzehnt werden Profi-Gamer von der digitalen Folter-Maschinerie des japanischen Action-Experten From auf Trab gehalten: Dessen „Dark Souls“-Reihe hat höllisch schwere Action-Trips als Gegenentwurf zum damals grassierenden Casual-Gaming wieder salonfähig gemacht und damit überraschend Erfolge gefeiert. Entsprechend viele Studios und Hersteller bemühen sich seitdem darum, die Gratwanderung zwischen Lust und Frust zu imitieren.

Zu denen, die besonders dicht dran sind - zumindest an der geschliffenen Bösartigkeit der Original-Reihe - gehört „Nioh“ vom japanischen Kampfspiel-Experten Team Ninja (Koei Tecmo). Besonders der jüngst veröffentlichte zweite Teil, der eigentlich ein Prequel ist, kommt Froms infernalischer Vorlage gefährlich nahe: Statt wie im ersten Teil mit dem Euro-Samurai William Adams gegen allerlei Schurken und dämonisches Yokai-Getier zu Felde zu ziehen, schwingt in „Nioh 2“ ein vom Spieler selbst erschaffener, japanischer Schwertschwinger Klinge, Axt, Speer oder Tonfas.

Obendrein verfügt das Konterfei des Spielers ebenfalls über dämonische Fähigkeiten: Mit speziellen Manövern darf sich der Samurai von Satans Gnaden selber für einige Augenblicke in ein teuflisches Zwitterwesen verwandeln, um dann umso heftiger gegen armlose Schlangenfrauen, Dämonen mit plüschiger Zottelmähne oder riesige Skelett-Krieger auszuteilen.

Härter als die Ninja-Polizei erlaubt

Außerdem wird jeder Samurai von einem tierischen Schutzgeist begleitet: Kreaturen wie Hai, Vogel oder Hund stürzen dann ins Gefecht, wenn der Held zuvor genug übernatürliche Geist-Energie gesammelt hat. Letztere gewinnt er am besten, indem man den Zeitpunkt für die eigenen Attacken punktgenau abpasst. Selbst im Angriff gegen auf den ersten Blick kleine und unscheinbare Monster ist das elementar wichtig: Wer es im Gefecht immer und immer wieder verpasst, genug Geist-Energie zu sammeln, den ziehen die Yokai-Dämonen Stück für Stück in ihre eigene Welt - und in der entpuppen sich vermeintlich kleine Widersacher als riesige Bestien, die dem wackeren Schwertschwinger ruckzuck die Rübe runter reißen.

Gestorben wird in „Nioh 2“ aber so oder so am Fließband: Der reichlich mit Splatter-Effekten angereicherte Kampfspiel- und Action-Cocktail von Team Ninja ist stellenweise derart absurd schwer, dass selbst ein „Bloodborne“ oder „Dark Souls 3“ dagegen wie ein Kindergeburtstag wirken. Die „Dark Souls“-typischen Mechanismen vom Sterben und der Wiederauferstehen sind dabei natürlich wie gewohnt intakt: Wer im Kampf gegen geifernde Mini-Dämonen oder riesige Boss-Brocken fällt, der verliert dabei alle seit der letzten Charakter-Verbesserung verdienten Punkte und sonstigen Habseligkeiten, kann sie aber wieder zurückerobern, indem er seinen Henker erneut aufsucht und besiegt. Wem das alleine zu hart wird, der darf - wie bei vielen Genre-Kollegen auch - für einige Zeit Mitstreiter aus der Multiplayer-Sphäre beschwören.

Wer von selbstgewählten, digitalen Höllen-Trips vom Schlage „Dark Souls“ nicht genug bekommen kann und eine echte Herausforderung sucht, der wird um „Nioh 2“ kaum herumkommen. Die Atmosphäre und Agilität eines „Sekiro“ kann „Nioh 2“ zwar ebenso wenig kontern wie die imposanten Bosse eines „Bloodborne“ oder die spielerische Raffinesse eines „Dark Souls 3“ - aber es ist zumindest verdammt dicht dran. O

bendrein bietet „Nioh 2“ von allen „Dark Souls“-inspirierten Spielen die bisher umfangreichsten Möglichkeiten für das Charakter-Tuning: Was die Entwickler hier an Stellschrauben für die Optimierung der eigenen Figur oder ihres Geist-Begleiters auffahren, ist beeindruckend - aber manchmal auch ganz schön verwirrend.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare