„Final Fantasy 7“-Remake im Test

Rette den Planeten!

Hält den „Final Fantasy 7“-Helden Cloud Strife auf Trab: Oberfiesling Sephiroth.
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Hält den „Final Fantasy 7“-Helden Cloud Strife auf Trab: Oberfiesling Sephiroth.

1997 hat „Final Fantasy 7“ das japanische Rollenspiel-Genre neu erfunden und auf Jahrzehnte geprägt, jetzt kehrt die Genre-Legende zurück: Das zunächst PS4-exklusive Remake kommt mit moderner Grafik und tollen Effekten, bildet allerdings nur etwa ein Viertel des Original-Spiels ab. Wann der Rest kommt? Unklar.

Mit prachtvollen, vorgerenderten Grafiken, knuffig-klobigen 3D-Akteuren und effektvoll inszenierten Magie-Beschwörungen hat Squaresofts „Final Fantasy 7“ vor fast 23 Jahren das japanische Rollenspiel-Genre revolutioniert. Das Pixel-Schauspiel, das sich während vergangener Hardware-Generationen nur im Kopf des Spielers zugetragen hatte, war zum filmreifen Spektakel geworden. Oder zumindest kam es Rollenspielern in aller Welt so vor, als Squares Debüt-Titel für die erste PlayStation-Konsole 1997 dafür sorgte, dass die Verkaufszahlen der Sony-Konsole überraschend durch die Decke gingen.

Nun feiert der Kult-Titel seine Hochglanz-Wiedergeburt: Nachdem Square Enix bei den letzten „Final Fantasy“-Episoden kein durchweg glückliches Händchen mehr bewiesen hatte, will man die Fans mit einem Remake des Serien-Teils beschwichtigen, der bis heute als der populärste gilt. Die Geschichte vom Kampf des ehemaligen Elite-Kämpfers Cloud Strife gegen seinen zum übermächtigen Erz-Fiesling mutierten Ex-Kollegen Sephiroth sorgt bei Rollenspiel-Fans noch heute für verschwitzte Gesichter. Sephiroths musikalisches Thema - der „One Winged Angel“ - gehört zu den am meisten gespielten und interpretierten Gaming-Musikstücken überhaupt.

Der Story-Lack ist ab

Zugegeben: So gut wie früher funktionieren Story und Charaktere heute nicht mehr. Zu bemüht das hysterische Overacting der auf nahezu realistisches Maß gewachsenen 3D-Mimen. Zu kindlich-naiv ihr trotzig-rotziges Geschwafel und zu simpel die vermeintliche Umweltbotschaft von einem Planeten, der gigantische Monstrositäten auffährt, um sich gegen die Ausbeutung durch einen bösen Mega-Konzern zu wehren. Immerhin: Solange Menschen nicht schlauer werden, büßen Umwelt-Botschaften auch nichts von ihrer Aktualität ein.

Die Aussage hinter „Final Fantasy 7“ ist demnach zeitlos, trotzdem tut sich Square Enix schwer damit, den Spagat zwischen japanischer Rollenspiel-Klassik und inszenatorischer Moderne hinzukriegen: Held Cloud, seine Jugendfreundin Tifa, Rebellenanführer Barret, Blumenmädchen Aerith und ihre Freunde sehen jetzt nicht mehr wie reduzierte Comic-Figuren, sondern wie echte Charaktere aus. Aber sie tragen ihre Dialoge noch immer so vor, als wären sie kleine, kantige Polygon-Figürchen.

Diese Diskrepanz zwischen hochprofessioneller Visualisierung auf der einen und dreidimensionalem Laienschauspiel auf der anderen Seite macht es mitunter schwer, das Dargebotene ernst zu nehmen. So ernst, wie „Final Fantasy 7“ sich offenbar selber nimmt, denn Selbstironie geht dem Remake fast vollständig ab. Die entstand 1997 noch durch die knuffigen, grafisch reduzierten Figuren und die kindliche Inszenierungs-Unschuld, die 3D-Frühwerke Mitte der 90-er gemeinhin auszeichneten.

Mit diesem Problem sieht sich „Final Fantasy 7“ auch als Spiel, aber vor allem als Remake konfrontiert: Durch sein Traditionsbewusstsein und fast schon zu peniblen Fan-Service richtet es sich nicht in erster Linie an neue Abenteurer, sondern vor allem an all jene Spieler, die schon vor über 20 Jahren durch die Gassen, Korridore, Hallen und Plätze von Midgard gestreift sind. Nur: Diese Zielgruppe ist inzwischen erwachsen, während die Erzählung des Spiels in der Vergangeheit hängen geblieben ist.

Audiovisuelles Prachtstück

Wer auf narrativer Ebene in Retro-Modus schaltet, dem könnte es allerdings gelingen, all die bemüht coolen Sprüche und den künstlich aufgeblasenen Pathos auszublenden, den sich Square Enix auch 2020 entweder nicht verkneifen kann oder mag.

Immerhin bietet das Abenteuer brachiale Schauwerte, die einen manchmal fast genauso staunen lassen wie beim ersten Anspielen des Originals. Wenn es um das visuelle Design geht, ist es den Entwicklern meistens gelungen, dessen Magie einzufangen - von der Echtzeit-Choreografie, mit denen sich Cloud & Co. in den nun Action-inspirierten Gefechten bösen Konzern-Schergen stellen, bis zur verblüffenden visuellen Detailschärfe, die „Final Fantasy 7“ in ein zwar weitgehend lebloses, aber trotzdem wunderschönes Grafik-Design-Museum verwandelt.

Auch Haumauzus Version der im Original von „Final Fantasy“-Musikus Nobuo Uematsu komponierten Musikstücke entfaltet genau die Sorte Wucht, die man sich von einem gelungen präsentierten Remake wünscht: Die Neu-Interpretation spielt mit den kultigen Vorbildern, ohne sie dabei respektlos zu behandeln - genauso muss sich ein gelungenes Neu-Arrangement anhören.

Ähnliches gilt für das Kampfsystem, für das Square Enix vom Taktik-Modus des Originals in eine Art Action-Echtzeit wechselt, in der Cloud und Konsorten ihre Widersacher auf Button-Kommando verhauen, um dann und wann per Menü-Einblende einen Zauberspruch oder eine Spezialfähigkeit auszusuchen.

Das funktioniert locker aus dem Handgelen. Dennoch lässt sich auf Wunsch in einen besonders anspruchslosen, KI-gestützten Automatik-Modus umschalten, bei dem das Spiel eher zur brachialen Endgegner-Schau wird. Macht aber nix, denn überhaupt ist dieses Remake vor allem eins: eine einzige, große Liebeserklärung an das Original. Ohne Anspruch auf sonderlich viel Tiefgang, Neuerfindung, Reflektiertheit oder Vollständigkeit - denn das Remake bietet nur den Gang durch die Steampunk-Metropole Midgard. Und damit jene Spielinhalte, die 1997 auf der ersten von insgesamt drei CD-ROMs enthalten waren. Wann der Rest kommt? Unklar.

Fans können sich also ziemlich sicher sein, genau das zu bekommen, was sie sich gewünscht haben - abgesehen vom Umfang natürlich. Zwar hat man das erste Spiel-Viertel (die Spieldauer der beiden letzten CDs war länger) von ehemals unter zehn auf ungefähr 35 Spielstunden gestreckt - aber diese Rechnung setzt voraus, dass man so ziemlich jede der neu hinzugekommenen Neben-Missionen konsequent abarbeitet.

teleschau

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