Battle Royale zwischen Epic, Apple und Google

Rebellion gegen das App-System: Epic provoziert - Apple und Google werfen „Fortnite“ aus den App Stores

Epic Games ruft zur Revolution gegen Apple und Google auf. Der Hersteller will die App-Store-Regeln der Anbieter nachhaltig ändern.
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Epic Games ruft zur Revolution gegen Apple und Google auf. Der Hersteller will die App-Store-Regeln der Anbieter nachhaltig ändern.

Es ist der Auftakt zu einem Kräftemessen der Tech-Giganten, das weitreichende Folgen haben könnte: auf der einen Seite Epic Games, dessen Battle-Royale-Shooter „Fortnite“ von über 350 Millionen Menschen auf der Welt gespielt wird und dem Publisher Milliarden-Einnahmen beschert.

Auf der anderen Seite die Billionen schweren Konzerne Apple und Google, die sich genötigt sahen, den populären Online-Titel aus ihren Stores zu verbannen. Was war passiert?

Eine Eskalation der Situation schien durchaus das Kalkül von Epic gewesen zu sein. Der Games-Riese schuf eine alternative Möglichkeit zum Kauf der „Fortnite“-Ingame-Währung V-Bucks, die entkoppelt von den App Stores funktioniert. Wann immer Nutzer der Android- und iOS-Version von „Fortnite“ die „Epic Direct Payment“-Methode verwenden, um sich mit V-Bucks für virtuelle Outfits einzudecken, entgehen Apple und Google fortan Provisionszahlungen in Höhe von bis zu 30 Prozent.

Nur Direktzahler bekommen Ingame-Währung günstiger

Um die Direktzahlung attraktiver zu machen, hat Epic zudem den Preis der virtuellen Währung um 20 Prozent gesenkt: So kosten 1.000 „Fortnite“-Credits mit Epic Direct Payment lediglich 7,99 Euro, während sie im App Store und auf Google Play mit 9,99 Euro zu Buche schlagen. Auf PS4, Xbox One, Switch, PC und Mac bietet Epic den „Fortnite“-Rabatt ebenfalls. Eine Win-Win-Situation für Epic und seine User: Diese zahlen unterm Strich weniger, dennoch bleiben zehn Prozent mehr beim Betreiber hängen.

Die Reaktion von Google und Apple folgte prompt: Sie verbannten die „Fortnite“-App aus ihren Stores und verwiesen darauf, dass Epic gegen die App-Store-Regeln verstoßen habe. „Sie gelten gleichermaßen für jeden Entwickler und dienen dazu, den Store sicher für unsere Nutzer zu halten.“ Zudem warf man Epic vor, die neue Funktion mit der Absicht eingeführt zu haben, um gezielt die Richtlinien zu verletzen.

Möglich, denn Epic schien ausgesprochen gut auf den Konflikt vorbereitet gewesen zu sein: Direkt nach der Sperre durch Apple ging ein Videoclip online, der die Apple-Marktmacht mit George Orwells klassischer Dystopie „1984“ vergleicht - der Diktator darin hat jedenfalls einen angebissenen Apfel (inklusive Wurm) als Kopf. Ein durchaus feiner Seitenhieb: Apple begehrte mit einem ähnlichen Werbespot Mitte der 80er-Jahre gegen IBM im PC-Bereich auf.

Gleichzeitig rief Epic seine Fans unter dem Hashtag #FreeFortnite zum Protest in den Sozialen Medien auf und schwor gleichzeitig die Besitzer von iPhones und iPads auf „harte Zeiten“ ein: Neue Inhalte der nächsten „Season“ von „Fortnite“ werden ihnen verwehrt bleiben werden.

Bei Android-Usern ist die Situation etwas anders, weil Google auch App-Downloads auch aus anderen Quellen als dem hauseigenen Play Store zulässt. Apple lehnt diesen Ansatz unter Verweis auf Sicherheitsrisiken für die Nutzer kategorisch ab.

Obendrein reichte der „Fortnite“-Betreiber eine gut 60-seitige Klage gegen „Apples Wettbewerbs-schädigende Einschränkungen“ ein, mit der sich das Unternehmen zum Rädelsführer einer Rebellion gegen das bestehende App-Store-System aufschwingt.

Schon seit geraumer Zeit gibt es Kritik an der Höhe der Provision und der fehlenden Möglichkeit, alternative Bezahlwege bei In-App-Käufen anzubieten, weshalb der Musikdienst Spotify bereits Beschwerde bei den Wettbewerbshütern der EU-Kommission einreichte. Ganz stringent scheinen die Store-Richtlinien nicht zu sein, wenn es einigen Abo-Diensten wie etwa Netflix erlaubt ist, Verträge mit Nutzern auf ihren eigenen Websites abzuschließen, sie aber keine Abgaben leisten müssen, wenn User Filme und Serien über die iOS-App konsumieren.

Immerhin: Google signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft: „Für Spieleentwickler, die sich für die Nutzung des Play Store entscheiden, haben wir einheitliche Richtlinien, die den Entwicklern gegenüber fair sind und den Store für die Nutzer sicher machen. 'Fortnite' ist zwar weiterhin auf Android verfügbar, aber wir können es nicht mehr im Play Store zur Verfügung stellen, da es gegen unsere Richtlinien verstößt. Wir begrüßen jedoch die Gelegenheit, unsere Gespräche mit Epic fortzusetzen und 'Fortnite' wieder in den Google Play Store zu stellen.“

Epic, der ewige Revoluzzer?

Das Vorgehen von Epic, den Märkte und Platzhirsche aufzumischen, hat durchaus Methode: Der Epic-Games-Store wurde ähnlich radikal gegenüber der dominierenden PC-Vertriebsplattform Steam positioniert. Während Entwickler und Publisher dort 30 Prozent Provision für jeden verkauften Titel abdrücken müssen, will Epic nur zwölf Prozent. Mit hohem finanziellen Aufwand bindet man zudem zahlreiche Hersteller von PC-Spielen exklusiv an den Store. Jüngst war etwa mit „Troy: A Total War Saga“ eine 50 Euro teure Neuveröffentlichung einen Tag lang kostenlos abrufbar.

teleschau

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