„WarGroove“ im Test

Pixel-Schlachten für Retro-Strategen

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Irgendwo zwischen Anime und US-Comic: die „WarGroove“-Helden und ihre untoten Widersacher.

Rasselnde Ritter und klappernde Pixel-Skelette im Strategie-Clinch: „WarGroove“ von „Stardew Valley“-Hersteller Chucklefish bietet klassische Taktik-Schlachten mit hohem Retro- und Knuddel-Faktor.

Genügend Äcker umgegraben, Felder geerntet und Freundschaften geschlossen: In „WarGroove“ von „Stardew Valley“-Macher Chucklefish geht es deutlich martialischer zur Sache - wenn auch auf verdammt niedliche Art und Weise.

Erst Spielrunde für Spielrunde knuffige 2D-Einheiten über eine Landkarte ziehen und dann bei der folgenden Konfrontation einen Trickfilm-artig animierten Einspieler bewundern: Dieses Konzept hat schon klassische Genre-Serien wie „Fire Emblem“, „Shining Force“ oder „Advance Wars“ getragen - und verfehlt auch im PC- und Switch-Game „WarGroove“ nicht seine Wirkung. Das pixelige Taktieren gehört aktuell zu den Most-Wanted-Titeln der Independent-Welle.

Dabei gibt sich die Verteidigung eines sympathischen Fantasy-Königreichs gegen eine Horde untoter Klappergestelle nicht nur Retro-affin, sondern auch noch erfreulich zugänglich. Die grundlegenden Spielregeln werden während der ersten Einsätze erklärt, sind aber für jeden auch nur halbwegs erfahrenen Hobby-Strategen selbsterklärend: Um Einheiten wie Schwertkämpfer, Speer-Träger, Bogenschützen oder Ritter Zug um Zug in die Schlacht zu führen, werden sie mithilfe von Pfeilen und einem Schachbrett-Bodenraster durch ein übersichtliches Karten-Terrain navigiert - genau wie bei den genannten Vorbildern. Wer wissen will, wo man welche Truppen-Typen am besten einsetzt oder wie sich Wald, Gebirge, Steppe & Co. auf die Strategie auswirken, bewegt den Cursor einfach über das zu analysierende Feld.

Hier erfährt man auch, wie die verschiedenen Kämpfer machtvolle kritische Attacken ausführen: So haben Pikeniere die besten Chancen auf einen krachenden Angriff, wenn sie bei der Offensive neben einer Einheit des gleichen Typs stehen. Bogenschützen dagegen entfesseln ihr volles Potenzial erst auf große Distanz.

Stellung beziehen!

Außerdem bringt Indie-Experte Chucklefish einen Hauch von Ressourcen- und Basen-Management ins Spiel: So bringen besetzte Gebäude nicht nur einen Verteidigungsvorteil, obendrein spülen sie jede Spielrunde Geld in die Kriegskasse. Und das ist auch bitter notwendig: Ohne Gold lassen sich keine neuen Truppen ausheben und kommt die putzige Kriegsmaschinerie des Märchen-Königreichs zum Erliegen.

Auf keinen Fall zum Erliegen kommt dagegen der Spielspaß: Wer auch nur ansatzweise Interesse an Runden-Strategie mit Retro-Einschlag hat, der wird das liebevoll präsentierte und taktisch clevere „WarGroove“ lieben - auch wenn Entwickler Chucklefish hin und wieder aus dem eigenen Pixelraster ausbricht auf diese Weise das sorgsam aufgebaute Retro-Gefühl sabotiert. Aber das ist am Angesicht von fein ausbalancierten und eingängigen Schlachten nach guter, alter Stein-Schere-Papier-Logik ein verschmerzbares Vergehen.

teleschau

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