„Sea of Solituide“ im Test

Ein Licht gegen die Einsamkeit

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Fühlt sich einsam und unzulänglich: „Sea of Solitude“-Heldin Kay.

In „Seal of Solitude“ verwandelt der deutsche Indie-Entwickler Jo-Mei Games die deutsche Hauptstadt in eine postapokalyptische Ruine, in der Heldin Kay das Wasser bis zum Halse steht, Monster sie auffressen wollen und eine Lichtkugel den Weg aus der Einsamkeit weist.

Riesenhafte, struppige Monster-Vögel, pelzige Super-Reptilien und gigantische, unter der aufgewühlten Wasseroberfläche eines postapokalyptischen, überfluteten Berlins schwimmende Ungeheuer: Für seinen Debüt-Titel „Sea of Solitude“ wählte das kleine Berliner Indie-Studio Jo-Mei Games ein ebenso düsteres wie verstörendes Szenario, das seinen Ursprung in der Vergangenheit von Gründerin Cornela Geppert hat. In einem Interview mit „VentureBeat“ verriet die Games-Designerin, dass sie das Spiel in einer Zeit großer Einsamkeit und Verunsicherung geschrieben hat. Durch die Abenteuer von Protagonistin Kay gewähre sie einen Blick in ihre eigene Seelen-Landschaft. Und die gleicht einem endlosen, alles verschlingenden Meer, über das die kleine, einsame Heldin mit ihrem Motorboot schippert, während sie von deprimierender Finsternis und einschüchternden, schwarzen Bestien heimgesucht wird, die ihr den Lebensweg verbauen und ihr einen inneren Spiegel vorhalten. Einen Spiegel, der Kay als hässliches, unzulängliches Entlein zeigt - ganz gleich, wie sehr sie sich auch bemühen mag. Darum sucht sie - entweder an Bord ihrer kleinen Nussschale oder laufend und springend zwischen den gefluteten Gebäuden - nach Signallichtern, die sie auf Button-Druck von erdrückendem, Virus-artigem Gestrüpp befreit.

Optisch eindrucksvoller Seelenstriptease

Geschickte gewählte Pastellfarben, meisterhaft reduzierte Comic-Grafik und schiere Bildgewalt machen „Sea of Solitude“ zu einem prachtvollen Spiel-Erlebnis und Seelenstriptease von entwaffnender Ehrlichkeit, der sich obendrein angenehm beschwingt spielt und große Gefühle vermittelt.

Sieht man von einigen Momenten ab, in denen es die Entwicklerin mit der Emotionalität etwas übertreibt und vor allem die (ausschließlich englischen) Sprecher zu bedeutungsschwanger betonen, ist „Sea of Solitude“ das perfekte Beispiel dafür, wie man das eigene Seelenleben in Games spiegeln oder mit ihrer Hilfe innere Heilungsprozesse unterstützen kann.

In dieser Hinsicht spielt das Berliner Indie-Game fast schon in einer Liga mit Ninja Theorys „Hellblade“, das ebenfalls psychische Dysfunktionalitäten in eine interaktive Geschichte verwandelt. Ebenfalls mit der Blockbuster-Produktion gemein hat „Sea of Solitude“ leider die Tatsache, dass es zwar hervorragend als spielbares Psychogramm, aber nur bedingt als spielbares Entertainment funktioniert: Wem es rein um die Kernkompetenz des Mediums Game geht - nämlich das Gameplay - der hat mit dem zwar toll erzählten, aber spielerisch eher anspruchslosen Jo-Mei-Debüt womöglich nicht so viel Spaß.

teleschau

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