„Journey to the Savage Planet“ im Test

Kosmische Satire: „No Man's Sky“ im humorigen Kleinformat

Tun dem Helden nichts, solange sie selber nicht angegriffen werden: die „Mopsvögel“.
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Tun dem Helden nichts, solange sie selber nicht angegriffen werden: die „Mopsvögel“.

Schrill, bunt und total durchgedreht: Der Indie-Kosmos von „Journey to the Savage Planet“ erinnert an das kontroverse Raumfahrer-Universum aus „No Man's Sky“, bietet aber vor allem eine geradlinige Science-Fiction-Story mit jeder Menge schwarzem Humor.

Der Weltraum, unendliche Weiten - und irgendwo darin verkrümelt sich vielleicht ein Himmelskörper, auf dem die von Ressourcen-Knappheit gebeutelte Menschheit eine neue Heimat findet.

Wer diesen Brocken finden will, sollte eigentlich perfekt ausgebildet und ausgerüstet sein - um nichts dem Zufall zu überlassen. Oder aber er arbeitet für die schrottige Raumfahrt-Bude Kindred Aerospace und hat einfach unfassbar viel Glück. Hoffentlich. Wie der Antiheld in Typhoons humoriger Weltraum-Odyssee „Journey to the Savage Planet“.

Das Spiel sieht zwar auf den ersten Blick aus wie das kunterbunte, grenzenlose Forscher-Universum aus Hello Games „No Man's Sky“, ist aber in erster Linie eins: eine geradlinige, Story-getriebene Planetenerkundung in einer „Sandbox-Welt“ von überschaubarer Größe. Getragen wird das Abenteuer zwischen knuffigen „Mopsvögeln“ oder schwebenden Tentakel-Tieren vor allem von einer gehörigen Portion bissigen Humor. Da gibt es zum Beispiel schusselige Chefs, die den eifrigen Forscher mit fragwürdigen Videobotschaften bombardieren, eine geschwätzige Augmented-Reality-Beraterin und Werbe-Clips, die unter anderem die „Shopping Mall Monkeys“ bewerben - Parallelen zu den legendären „Sea Monkey“-Urzeit-Krebsen sind natürlich rein zufällig.

Mit so viel Humor präsentiert die kleine Spiele-Schmiede Typhoon ihr erstes und zugleich letztes interaktives Kammerstück als Indie-Studio: Hinter dem Projekt steckt unter anderem der Entwicklungs-Veteran Alex Hutchinson, der früher Blockbuster wie „Assassin's Creed 3“ oder „FarCry 4“ auf den Weg gebracht hat. Service-Gigant Google war die geballte Kreativ-Kompetenz attraktiv genug, um in die Übernahme des Kleinst-Entwicklers zu investieren: Künftig wird Typhoon nur noch Games-Titel für Googles Streaming-Plattform „Stadia“ liefern. Die benötigt dringend exklusiven Content.

Indie-Kosmos als Debüt-Projekt

Aber vor der Übernahme haben die Kanadier noch einmal jede Menge Sinn für Satire und für die Sorte Spiel-Design bewiesen, mit dem man den Forschertrieb weckt: Um den fremden Planeten zu erkunden, Kontakt mit einer vermeintlich intelligenten Alien-Spezies aufzunehmen und die für eine Rückreise zur Erde nötigen Rohstoffe zu gewinnen, spaziert der Astronaut mit der Personalnummer „J75X321“ durch eine zwar kleine, aber weitgehend frei bereisbare Umgebung voller bizarrer Bewohner und Bewuchs.

Pupsende „Mopsvögel“, zersplitterte Kristall-Strukturen und gekillte Kreaturen werden zuerst mal mit dem geschwätzigen Augmented-Reality-Scanner in Augenschein genommen - dann liefern sie die nötigen Ressourcen, um im 3D-Printer des Schiffs Waffen, einen besseren Anzug oder andere Ausrüstungsteile vom Band laufen zu lassen.

Einfach ist die Erforschung des Mini-Planeten deshalb aber nicht: Wer die teils hochaggressive Fauna der neuen Welt unterschätzt, der beisst schnell ins hohe Gras der fremdartigen Steppen-Landschaften oder stürzt in bodenlose Abgründe. Nach dem Exitus findet sich der glücklose Forscher im Klon-Drucker des Raumschiffs wieder - ein Kunststück, das laut Funk-Durchsage des Schiffscomputers wegen zunehmend fehlerhafter Erbgut-Kopie leider nicht unendlich oft funktioniert. Außerdem steht nach jeder Klon-Wiederauferstehung erstmal zermürbendes Gelatsche auf dem Programm - zumindest so lange, bis der Astronaut ein Netzwerk aus Teleportern freigeschaltet hat.

Besser also, man plant jeden Ego-perspektivischen Schritt durch die Comic-artige Spielwelt vorsichtig - und besorgt sich beizeiten die Sorte Ausrüstung, die man benötigt, um jeden noch so kleinen Winkel des Planeten zu erkunden: darunter sogar Greifhaken und Sprungschuhe, mit denen der schlacksige Astronaut für ein paar kurze Momente Superheld spielen darf.

Zugegeben: Das alles fühlt sich zwar weder sonderlich feingeschliffen an, noch ist es am Ende so witzig, wie man es sich nach den ersten Trailern der satirischen Weltraum-Odyssee gewünscht hätte. Aber für zehn bis 20 Stunden sorgt der Rundgang über den „Savage Planet“ für reichlich Schmunzler, gekonnte Grübel-Einlagen und interessante Entdeckungen. Eine grelle, lustige Wundertüte für Science-Fiction-Fans, die ein bisschen mit dem Unbekannten kuscheln möchten, ohne sich gleich komplett darin zu verlieren.

teleschau

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