„Minecraft Dungeons“ im Test

Klotz-Keile unter Tage

Die Verwandtschaft zum eigentlichen „Minecraft“ besteht bei „Dungeons“ vor allem im Look - spielerisch hat das Action-Rollenspiel mit seinem Namenspaten wenig gemein.
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Die Verwandtschaft zum eigentlichen „Minecraft“ besteht bei „Dungeons“ vor allem im Look - spielerisch hat das Action-Rollenspiel mit seinem Namenspaten wenig gemein.

Punkte statt Ressourcen, kloppen statt konstruieren und gemeinsam austeilen statt zusammen aufbauen: „Minecraft Dungeons“ lässt PC- und Konsolenspieler auf „Diablo“-Pfaden wandeln.

Keine kreative Spielwiese wie das Original-Game, sondern ein lose im „Minecraft“-Kosmos angesiedeltes Rollenspiel-Abenteuer ist Mojangs „Minecraft Dungeons“: Dafür orientiert sich die actiongeladene Monsterjagd an Blizzards „Diablo 3“, doch anders als das große Genre-Vorbild hält sich „Dungeons“ vor allem an die jüngere Gamer-Zielgruppe.

Während Mama und Papa seit über zehn Jahren mithilfe des ursprünglichen „Minecraft“-Spiels ganze Klotz-Kosmen aus dem digitalen Boden gestampft haben, zieht ihr Nachwuchs jetzt mit „Minecraft Dungeons“ in schlichte, aber auch knuffig gestaltete Abenteuer aus. Hier vermöbelt man - wahlweise alleine oder als Helden-Quartett - vor gewohnt kantiger Kulisse mit Schwert, Axt und Streithammer bekannte Kreaturen wie Creeper, Skelette oder Illager.

Abgesehen von der gewollt klobigen Anmutung hat „Dungeons“ mit dem Original-„Minecraft“ aber nur noch wenig zu tun: Das wurde ursprünglich erschaffen, um die Regie über das Spielgeschehen dem Gamer zu überlassen. Statt Entwickler-seitig vorgegebener Action-Einbahnstraße steht hier der Schaffensprozess des Spielers im Mittelpunkt. Es wird nicht geballert oder gekeilt, sondern gebaut - von schlichten Klotz-Behausungen zum Schutz gegen Wind, Wetter und Monster bis hin zu künstlerisch wertvollen Großprojekten wie einem aus Kästen aufgeschichteten Nachbau von Tolkiens Fantasy-Welt Mittelerde. Auf derartigen Mammut-Baustellen tummeln sich oft Dutzende oder sogar hunderte von bastelwütigen „Minecraft“-Architekten, die Jahr für Jahr tausende Stunden Freizeit aufbringen, um ihre Vision zu verwirklichen und begehbare Parallelwelten zu erschaffen.

Keine Bau-Optionen

In „Dungeons“ dagegen wird gekloppt, gekeilt und mit dem Pixel-Bogen geschossen, was das Zeug hält. Wer sich aber kreativ betätigen will, ist an der falschen Adresse. Eigentlich erscheint die Kombination von Action-Rollenspiel und kreativer Spielwiese einleuchtend - zum Beispiel, damit Helden ihre eigene Basis oder ein kleines Dorf errichten und verschönern können, um es anschließend gegen die anrückenden Horden zu verteidigen. Oder für den Abbau von Ressourcen, um sie anschließend in den Rüstungskreislauf des Spiels zu überführen. Aber Pustekuchen: Microsoft und Mojang bemühen lediglich das visuelle Korsett der Vorlage, das sie außerdem durch moderne Effekte, eine aufwendige Beleuchtung und flüssige Animationen aufpeppen - aber die Spielmechanismen des seit elf Jahren erfolgreichen Hits nutzen sie nicht.

Eine Entscheidung, die nachvollziehbarer wäre, würde man sich stattdessen darum bemühen, aus „Minecraft Dungeons“ ein ernstzunehmendes Action-Rollenspiel zu machen. Doch auch an dieser Stelle bleibt das Gewusel hinter seinen Möglichkeiten zurück: Oftmals geradlinige Missionen von überschaubarer Komplexität und bestenfalls oberflächliche Möglichkeiten zum Feintuning der eigenen Spielfigur lassen kaum Zweifel daran, dass „Minecraft Dungeons“ vor allem als Gaming-Snack und unkomplizierte Nachwuchs-Bespaßung gedacht ist. So gibt es weder hoch aufgeschossene Fertigkeiten-Bäume noch verschiedene Charakterklassen, außerdem sind viele Ausrüstungs- und Accessoire-Entscheidungen im Spiel vor allem kosmetischer Natur.

Dass „Dungeons“ - aller Kritik zum Trotz - außer dem Sohnemann auch dem Papa Spaß machen kann, ist in erster Linie seinem rustikalen Charme zu verdanken: Sich ohne große planerische Finesse einfach so ein Abenteuer stürzen zu dürfen, das außerdem angenehm flott von der Hand geht - das ist tatsächlich etwas, das es während der letzten Jahre viel zu selten gab.

An dieser Stelle kann „Dungeons“ richtig punkten - vorausgesetzt, man stört sich nicht an der Kasten-Grafik. Darüber hinaus entfaltet „Minecraft Dungeons“ für zumindest ein oder zwei Wochenenden eine fast „Diablo“-ähnliche Suchtwirkung: Die Gier nach mehr Beute und leicht-beschwingte Monster-Dresche spielen sich so lange gegenseitig hoch, bis der Abenteurer im Adrenalin- und Punkte-Sog gefangen ist - und zwar so lange, bis das letzte heimtückische Monster in Würfel zerplatzt. Und das ist für gerade einmal 20 Euro ein beachtliches Ergebnis - und zwar auf PC, PS4, Xbox One und Nintendo Switch.

teleschau

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