„Ghost Recon: Breakpoint“ im Test

Mit Kleingeld gegen die Killerroboter

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Multiplayer-Schlachten auf der Open-World-Insel: „Breakpoint“ setzt „Ghost Recon: Wildlands“ fort.

Mit „Ghost Recon: Breakpoint“ setzt Ubisoft seinen Multiplayer- und Open-World-Taktik-Shooter „Wildlands“ auf einer Insel im Pazifik fort. Doch Paramilitärs, Killerdrohnen und neue Spielelemente machen ihnen das (Über)Leben schwer ...

Seine größten Erfolge feiert die französisch-kanadische Blockbuster-Fabrik Ubisoft seit vielen Jahren im Open-World-Genre - kaum verwunderlich also, dass man sich seit einiger Zeit darum bemüht, die Logik der frei begehbaren Spielwelten mit einer prominenten Marke und dem grassierenden Multiplayer-Hype zu kreuzen.

2017 gelang das Experiment mit dem im Tom-Clancy-Universum angesiedelten „Ghost Recon: Wildlands“: Hier machten sich entweder Solo-Spieler oder gleich ganze Koop-Truppen auf den Weg, um Bolivien vom Würgegriff eines Drogen-Kartells zu befreien. Jetzt setzt Ubisoft das Konzept mit „Breakpoint“ fort, verlegt das Szenario von den Dschungeln Südamerikas auf die fiktive Pazifik-Insel Auroa und führt neue Spielelemente ein, die bei Gamern bereits heftige Diskussionen ausgelöst haben.

Weil auf dem Eiland bis vor Kurzem noch bahnbrechende wissenschaftliche Forschungen an der Tagesordnung waren, beherbergt es neben einer schroffen Bergkette und nahezu tropischen Urwäldern auch noch so ziemlich alle anderen Klimazonen, die sich ein Baller-Stratege nur wünschen kann. Oder mit anderen Worten: Willkommen auf der Action-Insel - wie geschaffen für genau die Sorte von Schleich-Manövern und anderen taktischen Elementen, die ein „Ghost Recon“-Spiel auszeichnen.

Die werden obendrein von der passenden Dosis Survival flankiert: Lädierte Ghosts müssen ihre Wunden verbinden, verlorene Ausdauer durch Schlaf oder Trinkwasser wieder reinholen und sich tief im Schlamm eingraben, damit sie vor den Blicken feindlicher Einheiten geschützt sind.

Spaßige Taktik-Gefechte, nervige Mikro-Transaktionen

Tatsächlich verbucht Hersteller Ubisoft an genau dieser Stelle die meisten Bonuspunkte für den jüngsten Einsatz seiner Ghosts: An der Seite anderer Spieler über die abwechslungsreich gestaltete Insel mit ihrer prachtvollen Wildnis zu jagen, während man Mitglieder der paramilitärischen Wolves-Truppe taktisch ausmanövriert - das ist genau der Stoff, aus dem hoch spannende Mehrspieler-Geschichten entstehen.

Auch die Atmosphäre stimmt: Für das passende Feindbild hat man „Punisher“-Darsteller Jon Bernthal verpflichtet, der hier überzeugend als skrupelloser Wolves-Boss Cole D. Walker auftritt. Ebenfalls erfreulich: Beim Anvisieren von Feinden wechselt „Breakpoint“ per Standard-Einstellung kurzzeitig in eine Art Ego-Ansicht, die präzises Zielen erleichtert und außerdem für dramatische Momente sorgt - toll.

Nicht ganz so gelungen ist die Singleplayer-Seite des Taktik-Shooters. Hier fallen die vor allem die Balance betreffenden Schwächen des „Wildlands“-Nachfolgers auf: So ist es zum Beispiel möglich, Mitglieder der Wolves auch mit schwacher Ausrüstung zu besiegen, wenn man sie gezielt nach Körperzonen ausschaltet und zum Beispiel einen Kopftreffer landet - wie es sich für ein strategisches Action-Spiel mit Realismus-Anspruch gehört. Weil Hersteller-Ubisoft aber unbedingt den zwanghaft aufs Spiel gepflanzten Echtgeld- und Ausrüstungs-Shop des Spiels in Schwung bringen will, stellt man den Wolves fast unzerstörbare Drohnen zur Seite. Diese fahrenden, fliegenden oder auf Panzerketten durchs Terrain walzenden Roboter-Vehikel lassen sich nur dann zerlegen, wenn man ihnen mit besonders guter Ausrüstung auf den Stahl-Leib rückt - und die gibt es entweder gegen harte Euro oder indem man extrem viel Zeit darauf verwendet, sie zu erspielen. An dieser Stelle ähnelt die eigentlich taktisch gestaltete Ballerei eher dem inflationären Sammel-Wahn von Loot-Shootern. Oder einem Free-to-play-Spiel.

Viel Potenzial, aber enttäuschendes Gesamtbild

Künstlich verkomplizierte Menüs, ein aufdringlicher Echtgeld-Shop, teils überflüssige Survival-Mechanismen und dazu auch noch eine Menge Bugs: Wer nach dem erfolgreichen und hoch motivierenden „Wildlands“ den nächsten Mehrspieler-Hit im Clancy-Kosmos erwartet hat, wird erstmal enttäuscht. „Breakpoint“ lockt zwar mit einer wunderschönen (wenn auch leider ziemlich leblosen) Kulisse, gerade anfangs packender Geschichte und interessanten Neuerungen, schafft es aber nicht, all diese Elemente so zu koordinieren, dass ein stimmiges Gesamterlebnis dabei rauskommt. Ob sich der Flug nach Aurora lohnt, ist vor allem davon abhängig, ob man sich alleine oder als Gruppe ins Gefecht stürzen will - und außerdem bereit ist, dem Spiel eine ganze Menge Kinderkrankheiten zu verzeihen, die hoffentlich bei den nächsten paar Updates verschwinden.

teleschau

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