„Ori and the Will of the Wisps“ im Test

Endlich ganz und gar zauberhaft

Waldgeist und Eulen-Kind: In „Ori and the Will of the Wisps“ verirren sich Held Ori (rechts) und seine Freundin Ku im Zauberwald. Ziel des Spiels: Zuerst das Eulchen und dann den Weg nach Hause finden!
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Waldgeist und Eulen-Kind: In „Ori and the Will of the Wisps“ verirren sich Held Ori (rechts) und seine Freundin Ku im Zauberwald. Ziel des Spiels: Zuerst das Eulchen und dann den Weg nach Hause finden!

Der erste Teil war trotz seines kindgerechten Äußeren eine wahre Jump&Run-Folter für Profis. Für die Fortsetzung hat Entwickler Moon Studios jedoch eine deutlich zahmere Gangart eingeschlagen: „Ori and the Will of the Wisps“ ist ein zauberhaftes Märchen für (fast) jeden.

Jump&Runs oder horizontal scrollende Abenteuer mit hohem Geschicklichkeits- und Rätsel-Anteil stehen seit Jahren wieder hoch im Kurs - prominenten und erfolgreichen Indie-Projekten sei Dank. Nintendos Reaktion war eine ganze Reihe klassischer 2D-Marios - und selbst Xbox-Hersteller Microsoft hatte die Zeichen der Zeit erkannt.

Das 2015 veröffentlichte „Ori and the Blind Forest“ aus den österreichischen Moon-Studios war eines der Indie-Projekte, die der Softwaregigant unterstützte. Die Mär vom Waldgeist und Eulenkinds zeigte gekonnt, wie ein modernes, hoch-budgetiertes 2D-Jump&Run auf Blockbuster-Niveau aussehen kann. Die einzigen Wermutstropfen in dem sonst zauberhaften Genre-Cocktail waren ein frustrierend hoher Schwierigkeitsgrad und einige viel zu verkopfte Gameplay-Mechanismen. Beide sorgten dafür, das so mancher, eigentlich verzauberte Gamer das zuckersüße Spiel entgeistert wieder beiseite legte.

Darum haben die Entwickler beim jüngst erschienenen Nachfolger „Ori and the Will of the Wisps“ alle Zutaten, die den Vorgänger so beliebt gemacht haben, beibehalten - und ihn um die fummelige Feature-Schwere entschlackt. Statt manuell erstellter Savepoints und eines komplexen Erfahrungssystems gibt es jetzt großzügig über die Spielwelt verteilte Speicher-Stationen und Händler, bei denen man neue Fähigkeiten einkauft. Obendrein bieten die Moon Studios zu Spielbeginn drei verschiedene Schwierigkeitsgrade an, damit sich das Frust-Erlebnis - auf Wunsch - in Grenzen hält.

Konkurrenzlos schön

Und tatsächlich: Indem die Entwickler diese wichtigen Drehschrauben gelockert haben, ist „Ori“ jetzt endlich das Spiel, dass es bereits 2015 hätte sein sollen. Während eine wunderschöne, im Stil früher Don-Bluth-Zeichentrickfilme gehaltene Comic-Welt das Auge erfreut, plätschert eine bombastische bis meditative Sound-Kulissen aus den Boxen und freut sich das Spieler-Hirn über griffiges, angenehm forderndes Jump&Run-Abenteuer, dessen offene Struktur Erinnerungen an Nintendos beliebte „Metroid“-Reihe weckt.

Denn allzu häufig muss man in bereits bereiste Spielgebiete zurück, weil Titelheld Ori eine neue Fähigkeit dazu bekommen hat, mit deren Hilfe sich ein zuvor unzugänglicher Bereich öffnen lässt. Darunter zum Beispiel der Genre-typische Doppelsprung, eine Art Waffe oder die Fähigkeit, sich um Stangen und Stecken herumzuwinden und dabei Schwung für einen besonders weiten Sprung nach oben zu sammeln. Eine simple, schematische Übersichtskarte hilft bei der Orientierung in der märchenhaften Spielwelt, hätte allerdings gerne detailreicher ausfallen können.

Dafür geizt das Spiel selbst nicht mit visuellen Details und Effekten: Was im Vorgänger oft nur angedeutet wurde, haben die Entwickler jetzt bis zum letzten Pixel ausgearbeitet. Das Resultat ist ein prachtvoll ausgeleuchtetes, auf mehreren, versetzt scrollenden Ebenen angesiedeltes Jump&Run-Prachtstück, das 2D- und 3D-Elemente so homogen miteinander vermischt, dass man oft kaum erkennen kann, wo die eine Darstellungs-Technik aufhört und die andere anfängt.

Die Erzählung ist dabei gewohnt leicht und berichtet davon, wie sich Held Ori zusammen mit seiner Eulenfreundin Ku in einem besonders finsteren Teil des Märchenwaldes verirrt - entsprechend einfacher fällt es dem Spieler, sich auf den audiovisuellen Sog der wunderschönen Welt und das diesmal angenehm eingängige Gameplay einzulassen. Wieder gibt es viel zu entdecken, aber diesmal wirkt Oris Abenteuer nicht so überfrachtet.

Wie im ersten Teil verständigen sich Ori und seine Freunde einem fiktiven, aber durchweg deutsch untertitelten Brabbel-Sprech, Sprachausgabe im eigentlichen Sinne gibt es aber keine.

teleschau

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