„Darksiders Genesis“ im Test

Apokalyptische Reiter auf den Spuren „Diablos“

Treten in „Darksiders Genesis“ als Doppel auf: die apokalyptischen Reiter Krieg (hinten) und sein Bruder Streit. Letzterer gibt in dem Action-Rollenspiel sein Debüt.
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Treten in „Darksiders Genesis“ als Doppel auf: die apokalyptischen Reiter Krieg (hinten) und sein Bruder Streit. Letzterer gibt in dem Action-Rollenspiel sein Debüt.

Nach drei Action-Adventures mit „Zelda“-Schlagseite betreten die apokalyptischen „Darksiders“-Reiter Genre-Neuland: Das Story-Prequel „Genesis“ wildert in „Diablo“-Gefilden, will aber bei seinen Wurzeln bleiben. Geht die Rechnung auf?

Bisher waren die „Darksiders“-Games um die apokalyptischen Reiter Krieg, Tod und Zorn eine echte Alternative zu den Abenteuern von „Zelda“-Spitzohr Link: Rätsel-Logik und Spielfluss hatte man offensichtlich der Nintendo-Reihe entliehen - mit dem Unterschied allerdings, dass die Geschichte um die Sensenmänner und -frauen deutlich kerniger, brutaler und action-lastiger daherkam.

Wo Link meist gegen kleine Gegner-Grüppchen kämpft und sich Skelette oder Orks bei ihrem Abgang in familienfreundliche Pixel-Wölkchen verwandeln, da mähen sich Tod & Co. mit Schwert oder Sense durch gigantische Monsterhorden. Kein Wunder: Immerhin stammt die „Darksiders“-Welt ursprünglich aus der Feder von US-Comic-Künstler Joe Madureira - und der ist für seine aggressiven, dämonischen Szenarien bekannt.

Umso passender, dass jetzt Entwickler Airship Syndicate der „Darksiders“-Reihe einen neuen Dreh verpassen soll. 2017 hat das kleine US-Studio bereits Madureiras Fantasy-Reihe „Battle Chasers“ in ein launiges Bildschirm-Rollenspiel verwandelt. Doch anders als „Battle Chasers: Nightwar“ ist „Darksiders Genesis“ kein klassisches Zug-um-Zug-Gewusel. Vielmehr erzählt die von schräg oben abgebildete Spielwelt eine Geschichte im „Diablo“-Stil, die sich nun auch PS4-, Xbox-One- und Switch-Besitzer zu Gemüte führen dürfen.

Klick-Klick-tot

Dafür steigen die beiden Reiter Krieg und Streit einmal mehr ohne Umwege ins tiefste Inferno hinab: Den mürrischen Schwertschwinger „War“ kennt man bereits aus dem ersten „Darksiders“ von 2010, sein Bruder „Strife“, der mit zwei Pistolen gezielte Projektil- und Energie-Salven in den Monster-Pulk schickt, dagegen gibt hier sein Debüt.

Je nachdem, welchen Kampfstil der Spieler bevorzugt, konzentriert er sich entweder auf Front-Kämpfer Krieg oder seinen auf Rückzugsgefechte spezialisierten Bruder - allerdings darf der Spieler auf Button-Druck jederzeit zwischen den beiden hin- und herschalten. Vorausgesetzt natürlich, es wurde nicht kurz zuvor einer von beiden besiegt: In diesem Fall leckt der geschlagene Reiter erstmal für ein paar Minuten seine Wunden, bis man ihn wieder einwechseln darf.

Am einfachsten haben es an dieser Stelle übrigens gesellige Hack&Slay-Spieler: Eigentlich ist „Genesis“ auf Zweispieler-Koop-Matches ausgelegt, die wahlweise über das Internet oder zusammen vor geteiltem Bildschirm ausgetragen werden. Dann profitieren beide Spieler direkt von den besonderen Stärken und Fähigkeiten der apokalyptischen Geschwister.

Kein Gegner für „Diablo“

Weil es es Entwickler Airship und Publisher THQ Nordic offenbar ein dringendes Anliegen war, die DNA der „Darksiders“-Hauptserie zu erhalten, hat man außer alten Bekannten wie dem Seelen-hungrigen Dealer-Dämonen Vulgrim überraschend viele Rätsel und Kletter-Partien in das Rollenspiel eingebaut: Einige davon sorgen zwar für willkommene Abwechslung im Meuchel-Alltag, aber manchmal bringt der etwas unausgegorene Genre-Mix die Spiel-Dynamik spürbar aus dem Tritt.

Hinzu kommen ein paar nervige Kamera-Probleme: Längst nicht immer verträgt sich die durch Kraxeleien bedingte Hochbauweise der Entwickler mit der „von schräg oben“-Perspektive des Spiels: Dann blockieren zu hoch gelegene Wände, Säulen oder anderes Dekor die Sicht - und das nervt manchmal ganz schön.

Ebenfalls schade: Warum die Entwickler auf die bei einem Rollenspiel sonst üblichen Erfahrungsstufen verzichten, das erschließt sich dem geneigten Hack&Slay-Metzger auch nach mehreren Spielstunden nicht. Zumal „Darksiders 2“ bereits erfolgreich vorgemacht hat, wie gut das zur Serien-DNA passt. Damit nimmt Entwickler Airship eine wesentliche Motivations-Triebfeder aus dem Spiel.

Was bleibt, ist eine meist hübsche und einigermaßen flotte Monster-Meuchelei, die vor allem für gesellige und unkomplizierte Mehrspieler-Partien taugt. Das Potenzial für einen ernstzunehmenden „Diablo“-Gegenspieler haben die Entwickler aber leider verschenkt.

teleschau

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