„Gollum“ in allerletzter Minute gerettet?

Adventure-Experte Daedalic wieder in Gründer-Hand

Großer Hoffungsträger: Das mit „Herr der Ringe“-Lizenz ausgestattete Schleich- und Erzähl-Adventure „Gollum“.
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Großer Hoffungsträger: Das mit „Herr der Ringe“-Lizenz ausgestattete Schleich- und Erzähl-Adventure „Gollum“.

Entwarnung für Adventure-Fans: Nachdem der Hamburger Traditions-Experte für Abenteuer- und Rollenspiele mit seinem Next-Gen-Game „Der Herr der Ringe: Gollum“ für Aufsehen gesorgt hatte, machten überraschend Informationen über eine finanzielle Schieflage von Daedalic die Runde.

Die gingen auf eine entsprechende Meldung des Buch-Riesen Bastei Lübbe zurück, der seit Mai 2014 mit 51 Prozent einen Mehrheitsanteil an dem Spiele-Studio hielt.

Ursprünglich sollten beide Seiten von entsprechenden Synergie-Effekten profitieren, darum entwickelte man zum Beispiel ein dreiteiliges Point'n'Click-Adventure auf Basis von Ken Folletts Erfolgsroman „Die Säulen der Erde“. Das blieb allerdings deutlich hinter den Erwartungen des Bastei-Lübbe-Verlags zurück, darum machte sich der Verlag bereits 2018 auf die Suche nach einem Investor oder Käufer für die Daedalic-Anteile. Februar 2020 wurde schließlich bekannt, dass Bastei auf seine Games-Sparte Abschreibungen von zwölf bis 14 Millionen Euro vornehmen würde, allein Daedalics Firmenwert werde dabei um fünf Millionen Euro nach unten korrigiert. Bastei-Lübbe-Chef Carel Halff umschrieb Daedalics Geschäftsmodell sogar als „nicht zukunftsfähig“.

Eine neue Chance?

Trotzdem gibt sich die Adventure-Schmiede, die inzwischen mehr als 60 Mitarbeiter an den Standorten Hamburg und München beschäftigt, kämpferisch: Am 19. Mai wurde bekannt, dass Deadalic-Gründer Carsten Fichtelmann und sein Mit-Geschäftsführer Stephan Harms einen Großteil der zuvor an Bastei veräußerten Unternehmensanteile zurückkaufen - lediglich zehn der ehemals 51 Prozent bleiben in der Hand des Buchverlags. Unangefochtener Chef des Unternehmens ist damit Carsten Fichtelmann, während Harms und Adventure-Papst Jan Baumann, ehemals Müller-Michaelis, alias „Poki“ Gesellschafter bleiben.

Durch das Übernahme-Manöver ist das Unternehmen, das zu den wichtigsten Herstellern und Entwicklern für Spiele-Software in Deutschland gehört, wieder überwiegend in privater Hand, allerdings dürfte man damit jetzt auch stärker unter Zugzwang stehen: Das für 2021 angekündigte „Gollum“ (PC und Next-Gen-Konsolen) muss wohl unbedingt zum Hit werden, damit die beliebte Games-Schmiede handlungsfähig bleibt. Die drohende Demontage durch Bastei Lübbe ist damit aber endlich vom Tisch - eine gute Nachricht für Fans der „Deponia“, „Whispered World“- und „Edna bricht aus“-Schöpfer.

teleschau

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