In Ausnahmesituationen

Sonderurlaub: Haben Arbeitnehmer Anspruch darauf?

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Stirbt ein naher Angehöriger, ist an Erholung im Urlaub natürlich nicht zu denken - und an Arbeit schon gar nicht.

Hochzeit, Umzug, Todesfall - Hier erfahren Sie, in welchen Fällen Sie Sonderurlaub beantragen können und worauf Sie dabei achten müssen.

Urlaub ist zum Erholen da. Das ist der Sinn unseres gesetzlichen Urlaubsanspruchs. Doch in manchen Situationen kann von Erholung keine Rede sein - zum Beispiel, wenn jemand gestorben ist. Deshalb können Arbeitnehmer in Ausnahmefällen (zusätzlich zum gesetzlich verordneten Erholungsurlaub) Sonderurlaub beantragen.

In diesen Fällen wird häufig Sonderurlaub genehmigt

Dabei handelt es sich laut § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) um eine vorübergehende bezahlte Freistellung von einer Tätigkeit. Der Sonderurlaub ist danach an drei Bedingungen gekoppelt:

  • Die Dauer der Verhinderung ist nicht erheblich.
  • Der Grund liegt in der Person des Arbeitnehmers.
  • Die Situation wurde nicht selbst verschuldet.

Zu einer Freistellung von der Arbeit können verschiedene Anlässe führen. Welche dies sind, ist nicht konkret geregelt. Doch allgemein akzeptiert werden folgende Gründe, schreibt die Online-Plattform Karrierebibel.de:

Eheschließung

Bei der eigenen Hochzeit darf man nicht fehlen. Bis zu drei Tage kann man sich dafür von der Arbeit freinehmen. Für die eingetragene Lebenspartnerschaft gilt dies ebenso.

Geburt

Die werdende Mutter ist durch den Mutterschutz sowieso von der Arbeit befreit. Doch der Ehepartner kann sich für die Geburt seines Kindes einen Arbeitstag freinehmen.

Tod eines nahen Familienangehörigen

Sterben der Ehepartner oder Verwandte ersten Grades, also Kinder oder Eltern, werden bis zu drei freie Tage genehmigt. Ist der Verwandte der Schwiegervater oder ein Großelternteil, kann auch weniger oder kein Urlaub genehmigt werden.

Umzug

Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst bekommen für ihren Umzug einen freien Arbeitstag. Bei allen anderen hängt es von der Vereinbarung mit dem Arbeitgeber ab.

Erkrankung eines Angehörigen

Für die Pflege eines kranken Angehörigen gibt es einen Tag Sonderurlaub, bei kurzzeitiger Arbeitsverhinderung bis zu zehn Tage. Dabei ist allerdings eine Lohnfortzahlung nicht zwingend gegeben. Unbezahlt sind bis zu sechs freie Monate möglich.

Arztbesuche

Normalerweise gibt es hierfür keinen Sonderurlaub - außer, der Termin kann nicht außerhalb der Arbeitszeit vereinbart werden. Dann kann man für die Dauer des Termins eine bezahlte Freistellung beantragen.

Jobsuche

Ist das Arbeitsverhältnis bereits gekündigt worden oder der befristete Vertrag läuft aus, werden kurze Arbeitsausfälle für Termine bei der Arbeitsagentur, Vorstellungsgespräche oder um Bewerbungen zu schreiben genehmigt.

Kinderbetreuung

Wenn Ihr Kind erkrankt und keine andere Betreuungsmöglichkeit besteht, können Sie sich nach § 45 des Fünften Sozialgesetzbuches gegen Vorlage eines Attests unbezahlt freistellen lassen und Krankengeld beziehen.

Gerichtstermine

Wer vor Gericht erscheinen muss, ob als Angeklagter oder Zeuge, darf sich zwar freinehmen, aber unbezahlt. Dafür gibt es in manchen Fällen die Zeugenentschädigung.

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Sonderregelungen für Beamte

Für Beamte gelten nochmals besondere Regelungen. Für sie legt die Sonderurlaubsverordnung (SUrlV) genau fest, zu welchen Anlässen es freie Tage gibt:

  • zur Ableistung eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres
  • für die Ausbildung als Schwesternhelferin
  • für Zwecke der militärischen und zivilen Verteidigung und entsprechender Einrichtungen
  • für gewerkschaftliche Zwecke
  • für fachliche, staatspolitische, kirchliche und sportliche Zwecke
  • für eine fremdsprachliche Aus- oder Fortbildung
  • für Familienheimfahrten und
  • aus persönlichen Anlässen.

Die Länge der Freistellung hängt vom jeweiligen Grund ab: Für Familienheimfahrten gibt es bis zu sechs Tage, für Tätigkeiten bei der Feuerwehr oder als Sanitäter bis zu zehn Tage und für eine Fremdsprachen-Ausbildung im Ausland sogar bis zu drei Monate Sonderurlaub.

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vro

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