"Eine Riesen-Schweinerei"

Mann (46) erhält Kündigung - als Arbeitsagentur sich meldet, wird es höchst kurios

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Ein Mitarbeiter der Firma Webasto wird gekündigt. Doch als ihm die Arbeitsagentur eine Stelle anbietet, kann er kaum fassen, was er in diesem Schreiben liest.

Ein 46-jähriger Mann wird nach elf Jahren entlassen. Doch als ihm die Arbeitsagentur ein Stellenangebot unterbreitet, kann er seinen Augen kaum trauen.

Daniel Linke hat elf Jahre lang für den Automobil-Zulieferer Webasto in Hengersberg (Landkreis Deggendorf) gearbeitet. Doch zum 31. Dezember 2018 wurde dem 46-Jährigen betriebsbedingt gekündigt - zu wenig Arbeit, hieß es. Kundenprojekte würden auslaufen, außerdem werde die Produktion in die Slowakei verlagert, so die Begründung der Firma. Laut Betriebsrat seien derzeit noch 54 weitere Mitarbeiter von Stellenstreichungen betroffen, bis 2020 sollen es 160 werden.

Gekündigter Mitarbeiter soll als Leiharbeiter zurückkehren - für weniger Lohn

Doch dann folgte der Schock: Nach der Kündigung bot ihm das Arbeitsamt seine alte Stelle erneut an - und zwar als billiger Leiharbeiter! "Ich soll mich quasi selbst ersetzen, allerdings für weniger Lohn", erzählt Linke der Passauer Neuen Presse (PNP) mit einem Kopfschütteln. Das sei "eine Riesen-Schweinerei", meint auch Heinz Hausner von der IG Metall, der über das Vorgehen des Unternehmens entsetzt ist. 

"Blamage", "Frechheit": Betriebsrat zeigt sich entsetzt über Vorgehen

Auch der Betriebsrat von Webasto kann das Verhalten seines Arbeitgebers nur als "Frechheit" bezeichnen. "Es ist ja schon eine Blamage, wenn ab September die ersten Kündigungen ausgesprochen werden und die Firmenleitung schon im Januar an den Betriebsrat herantritt, dass wir bis zu 38 Leiharbeiter freigeben sollen", wird ein Betriebsrat von der PNP zitiert. "Den Zeitraum von September bis Januar sollte man schon überdenken können." 

Webasto weist Vorwürfe zurück

Webasto weist indes die Vorwürfe, betriebsbedingt gekündigte Mitarbeiter über Zeitarbeitsfirmen zu einem geringeren Arbeitsentgelt weiterbeschäftigen zu wollen, entschieden zurück: "Das widerspräche nicht nur unserem Verantwortungsbewusstsein als Arbeitgeber und unseren Unternehmenswerten, sondern wäre auch formal gar nicht möglich", teilte eine Unternehmenssprecherin unserer Redaktion mit. 

Doch wie kam es dann zu dem unglücklichen Angebot der Arbeitsagentur? Aufgrund einer kurzzeitig gestiegenen Nachfrage habe Webasto Anfang des Jahres auch über Zeitarbeitsfirmen Unterstützung angefragt. Dass eine dieser Firmen über die Agentur für Arbeit einem ehemaligen Mitarbeiter ein Angebot vorlegt, sei dem Unternehmen nicht bekannt gewesen. "Ein Vertrag zwischen dem Zeitarbeitsunternehmen und dem ehemaligen Kollegen zu schlechteren Konditionen wäre aufgrund der rechtlichen Regelung und unseres Sozialplans niemals zustande gekommen", so das Unternehmen.

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Geschasster Mitarbeiter bekommt neues Angebot vom Unternehmen

Das Jobangebot als Leiharbeiter lehnte Daniel Linke übrigens ab. Nach den unglücklichen Vorkommnissen hat Webasto allerdings reagiert und ihm (sowie allen anderen gekündigten Mitarbeitern) eine befristete Wiederanstellung angeboten. Wie das Unternehmen mitteilt, hat Linke dieses Angebot angenommen und wagt nun ab 1. März einen Neuanfang in seinem alten Betrieb - zu seinem bisherigen Gehalt.

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