Auto im Test

Der neue Skoda Kamiq - erste Ausfahrt mit der tschechischen Wundertüte

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Nach Kodiaq und Karoq fährt Skoda den Kamiq auf. Ein kleiner City-SUV, der voller Wunder steckt. Wir sind ihn schon gefahren.

"Eine Wundertüte ist eine verschlossene, runde oder rechteckige Tüte aus Papier, die man käuflich erwerben kann und in der sich eine oder mehrere sogenannte Überraschungen befinden." So definiert das Online-Lexikon Wikipedia das, was die meisten Menschen in Ihrer Kindheit so geliebt haben. Tüte aufreißen und viele spannende nicht erwartete Dinge finde wie zum Beispiel Süßigkeiten.

Der Kamiq bietet innen sehr viel Platz

Um eine solche Wundertüte, allerdings aus Stahl, Blech und Kunststoff und hauptsächlich für Erwachsene, handelt es sich beim Skoda Kamiq, dem brandneuen City-SUV, den die Tschechen jetzt vorgestellt haben.

Das erste Wunder erlebt man schon beim Einsteigen. Denn der Kamiq ist innen ein wahres Platzwunder. Einen Zentimeter länger als der VW T-Roc (4,24 Meter) besitzt er mit 2,65 Metern auch einen längeren Radstand und bietet so nicht nur dem Fahrer- und dem Beifahrer Platzverhältnisse wie in einer veritablen Mittelklasse-Limousine, sondern erweist sich auch als bequem und komfortabel in der hinteren Sitzreihe. Kurios: Obwohl der Kamiq auf der kleineren Plattform von VW T-Cross und Seat Arona gebaut wird, macht er vor allem der höheren Klasse Konkurrenz. Man sieht: (Technische) Wunder gibt es immer wieder.

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Den Kamiq gibt es in zwei Motor-Varianten

Nicht wundern darf man sich über die Motoren des Kamiq. Die sind gute alte Wertarbeit aus dem Konzern. Wir haben zwei Varianten ausprobiert. Den 1,0-Liter-TSI-Benziner-Dreizylinder mit 115 PS und den gleich starken 1,6-Liter-TDI-Diesel mit vier Brennkammern. Um es gleich vorauszuschicken: Der große Unterschied ist das Gefühl. Der Selbstzünder braucht mit 10,2 Sekunden nur genau 0,2 Sekunden länger von 0 auf Tempo 100 als der Benziner. Aber er fühlt sich einfach kerniger an. Mag auch am Drehmoment liegen, das bei 250 Nm liegt (Benziner 200 Nm).

Und es gibt noch einen großen Unterschied zwischen diesen beiden Motoren. Der Diesel braucht, oh Wunder, tatsächlich um rund einen Liter weniger Treibstoff. Mehr als 5,5 Liter haben wir nicht aus dem Tank gekriegt, trotz flotter und spritziger Fahrweise über die Bergpässe in den Vogesen. Dämpfend auf den Gesamtverbrauch mag sich da vor allem die anschließende und lange Fahrt auf der Autobahn ausgewirkt haben, die wird dank Tempolimit und konsequenter Radarüberwachung durch die französischen Flics unaufgeregt und im Bereich zwischen 90 und 120 Stundenkilometern absolviert haben. Der Normverbrauch laut WLTP ist beim Selbstzünder mit zwischen 4,8 und 5,4 Litern angegeben, beim Benziner mit 5,4 bis 6,7 Litern. In beiden Fällen sehr realistisch. Denn den Benziner haben wir mit 6,5 Litern gefahren.

Zum Marktstart des Kamiq am 21. September gibt es natürlich diese Motorisierungen. Nach unten wird die Benziner-Fraktion mit einem 95-PS-Aggregat ergänzt. Nach oben mit einem 150 PS starken und 1,5 Liter großen Motor. Beim Diesel steht eine Variante zur Verfügung, da kann man nur zwischen mit oder ohne Automatik wählen.

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Der City-SUV Kamiq bietet viele technische Spielereien

Überhaupt keine Option bietet Skoda beim Antrieb: Zwar hat der Kamiq die für diese Fahrzeugklasse typische größere Bodenfreiheit (vier Zentimeter mehr als beim Scala). Auch dank der größeren Räder. Allrad hingegen Fehlanzeige. Der Kamiq ist auch kein richtiger SUV, sondern nur ein City-SUV. Und Knüppeldämme muss man in der modernen Großstadt von heute ja meistens nicht überqueren. City-SUVs erleben übrigens gerade ein besonders Wachstum bei der Nachfrage. Plus 13 Prozent Zuwachs von 2017 auf 2018. Da wollen auch die tschechischen Autobauer mit von der Partie sein.

Wie in jeder Wundertüte gibt es auch im Kamiq die ein oder andere technische Spielerei. Das Sportfahrwerk zum Beispiel mit seinen vier Stufen für rutschig, komfortabel, sportlich oder sparsam. Nette nicht allzu teure Spielerei (Aufpreis ein bisschen mehr als 400 Euro), aber nicht unbedingt notwendig: Ein Sportauto wird nie aus dem Kamiq und die restlichen Fahrmodi sind von der Spreizung her eher unauffällig.

Wundervoll hingegen ist der aufpreispflichtige 9,2 Zoll große Bildschirm, angeblich der größte in dieser Fahrzeugklasse. Mit Apple Car Play ausgestattet, kann man sein Handy auf den Screen spiegeln. Was wirklich praktisch ist, weil man sein eigenes Navi immer dabeihat und Google erwiesenermaßen den besten Echtzeit-Verkehr dank Schwarmintelligenz bietet. Sein blaues Wunder erlebt man hingegen, wenn man seinen USB-Stecker zum Aufladen benützen will. Den mag der Kamiq nämlich nicht. In der Mittelkonsole sind nur USB-C-Buchsen eingebaut. Ärgerlich, entweder man lädt induktiv und besorgt sich die entsprechende Schale oder man kauft sich ein neues Kabel. Beides nervig.

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Der Kamiq hat viele nützliche Gimmicks zu bieten

Wir kramen weiter in der Wundertüte und stellen fest: Sie ist wirklich größer als man glaubt. Zum Beispiel das Kofferraumvolumen. Das lässt sich doch glatt von 400 auf satte 1.395 Liter ausbauen, wenn man die Rückbänke umklappt. Auch damit bietet der Skoda mehr als Seat Arona oder VW T-Cross.

Nicht wundern darf man sich über die vielen nützlichen Gimmicks, die es bei Skoda ja schon traditionell in jedem Modell gibt. Da sind der in der Tankklappe eingebaute Eiskratzer oder die praktischen in den Seitentüren untergebrachten Mini-Mülleimer mit den passenden kleinen Müllbeuteln dazu. Ein Zusatztrichter im Motorraum zum Nachfüllen der Wischflüssigkeit - ist doch ganz wunderbar! Oder die schwenkbare Anhängerkupplung. Die ist mindestens genauso praktisch wie der ausfahrbare seitliche Türkantenschutz.

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Der Skoda Kamiq startet bei knapp über 18.000 Euro

Wer nun die Wundertüte auf vier Rädern von Skoda erwerben will, der startet bei knapp über 18.000 Euro. Je nach Motor, Ausstattung und Individualisierung schiebt sich der Preis schnell nach oben. Aber so ein Kamiq soll ja schließlich genau zu seinem Besitzer passen. Kamiq kommt nämlich aus der Inuit-Sprache (Ureinwohner von Nordkanada und Grönland) und bedeutet so viel wie "etwas, das perfekt passt".

Unser Fazit: Zuerst dachten wir: Oh Gott, schon wieder ein SUV! Allerdings ist uns der Kamiq bei den Probefahrten schnell ans Herz gewachsen. Durch seine Sachlichkeit bei der Technik und Unaufgeregtheit beim Design. Und trotzdem ist der Kamiq ein pfiffiges Auto, preislich interessant sowohl bei Anschaffung als auch im Unterhalt.

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Rudolf Bögel

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