„P-Valley“

Zwischen Abgrund und Glamour

Mercedes (Brandee Evans) ist die dienstälteste Stripperin. Sie träumt davon, bald eine Karriere als Jugendtanztrainerin verfolgen zu können.
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Mercedes (Brandee Evans) ist die dienstälteste Stripperin. Sie träumt davon, bald eine Karriere als Jugendtanztrainerin verfolgen zu können.

Zwischen Trapmusik und Film noir: Die neue Starzplay-Serie „P-Valley“ von Katori Hall setzt eine Gruppe Striptänzerinnen im Mississippi-Delta eindrucksvoll in Szene. Dabei vereint die Protagonistinnen ihr starker Charakter und ihre düsteren Biografien.

Es ist ein trostloses Bild, das zu Beginn von „P-Valley“ präsentiert wird: Zu sehen ist eine hoffnungslos überflutete Stadt, in deren Straßen Menschen in kleinen Booten rudern, während um sie herum Müll und vergessene Habseligkeiten schwimmen. In dieser abschreckenden Gegend lebt eine junge Frau (Elarica Johnson), die einen fremden Ausweis aus den Fluten fischt und sich auf den Weg nach Chucalissa macht. Woher sie kommt und wie sie heißt, bleibt zunächst, wie vieles andere in der neuen Starzplay-Serie „P-Valley“ (ab Sonntag, 12. Juli), geheim und rätselhaft.

Autumn Night ist der Name, unter dem sich die junge Frau kurze Zeit später vorstellt. Nun befindet sie sich im Pynk, einem beliebten Strip-Club im Mississippi-Delta, und sucht nach einem Job. Sie hat Glück, denn Club-Besitzer Uncle Clifford (Nicco Annan) glaubt an ihr Potenzial. Er stellt sie ein, und Autumn wird Teil einer Gruppe starker Frauen, die als Stripperinnen ihren Lebensunterhalt verdienen, während sie insgeheim von einer besseren Zukunft träumen. Doch werden sie diese je erreichen?

„P-Valley“ basiert auf dem Theaterstück „Pussy Valley“, mit dem die Autorin Katori Hall („Tina: The Tina Turner Musical“) ein großes Ziel verfolgt: „Zu lange“, erklärt die 39-Jährige, „wurden exotische Tänzerinnen und Tänzer verstoßen und beschämt, während gleichzeitig ihre Kultur vom Mainstream vereinnahmt wurde“. Mit ihrem Theaterstück und der Serie will sie dies ändern. Dafür hat sie dutzende Tänzerinnen der Szene im Vorfeld interviewt.

Düster und tiefgründig

Die Serie ist düster, sowohl optisch als auch inhaltlich. In jeder der insgesamt acht rund einstündigen Episoden dringt der Zuschauer tiefer in die Biografien der Stripperinnen ein: Da ist Mercedes (Brandee Evans), die bisherige Königin des Pynk, die davon träumt, den Club endlich hinter sich zu lassen. Nicht zuletzt, weil ihre Mutter (Harriett D. Foy), eine Predigerin, ihre Berufswahl verurteilt. Auch Miss Mississippi (Shannon Thornton) hat es als junge, verzweifelte Mutter nicht leicht, denn sie wird von ihrem Freund geschlagen. Und Gidget, die einzige weiße Frau, kümmert sich ohnehin mehr um die Sorgen anderer als ihre eigenen. Gemeinsam tanzen die Mädchen, Abend für Abend, für ihre Kunden und Uncle Clifford, der sich im Gegenzug um ihr aller Wohl sorgt. Doch wie sich bald herausstellt, sind sein scheinbar florierendes Business und damit auch die Zukunft der Tänzerinnen in ernster Gefahr ...

„P-Valley“ ist eine ungewöhnliche Serie, bei der die Einordnung zunächst schwerfällt: Auf der einen Seite dominieren leicht bekleidete Tanzszenen, Geld und Alkohol, sodass das Ergebnis manchmal wie ein Musikvideo wirkt. Auf der anderen Seite verleihen die Autorin Hall und ihr ausnahmslos weibliches Regieteam (darunter die preisgekrönte Musikvideo-Regisseurin Karena Evans) jeder einzelnen Figur einen Tiefgang, der fasziniert und gleichzeitig bedrückt. Und somit spürt man den Wunsch der Macher, einer ungehörten Minderheit eine schillernde Bühne zu bieten.

teleschau

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