Aus für „Steimles Welt“

„Zensur ersten Grades“: Kabarettist Uwe Steimle empört sich über MDR-Aus

Der MDR hat die Zusammenarbeit mit Uwe Steimle beendet. Der Kabarettist äußerte sich über die Entscheidung empört.
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Der MDR hat die Zusammenarbeit mit Uwe Steimle beendet. Der Kabarettist äußerte sich über die Entscheidung empört.

Es hatte sich abgezeichnet: Die zerrüttete Beziehung zwischen Uwe Steimle und dem MDR hat keine Zukunft.

Kurz nachdem der Sender die Zusammenarbeit mit dem Kabarettisten und Schauspieler für beendet erklärt hatte, meldete sich der Geschasste nun zu Wort. „Ich wurde entfernt, das ist eindeutig Berufsverbot, Zensur ersten Grades!“, wetterte der 56-jährige Dresdner gegenüber dem Newsportal „Tag24“.

Gegenüber „Bild“ erklärte Steimle: „Ich bin maßlos enttäuscht. Meine Sendung war ein Farbtupfer, bildete unsere Lebenswirklichkeit ab.“ Auch habe er seine „Arbeit immer ordentlich gemacht“. Steimle: „Man hat seit Wochen einen Grund gesucht, um mich loszuwerden.“ Tatsächlich schwelte der Konflikt zwischen dem Sender und dem streitbaren Künstler schon länger. Gegenüber der „Thüringer Allgemeinen Zeitung“ hatte Steimle schon vor Wochen erklärt, er sei „entsetzt und traurig“, dass ihn der MDR nicht schütze.

Vorwurf der „mangelnden Staatsferne“

In der Reihe „Steimles Welt“ war Uwe Steimle seit 2013 durch das MDR-Sendegiet gereist, um mit den Menschen über Geschehnisse vor und nach der Wende zu sprechen. Das Format wird 2020 nicht fortgesetzt. In einem Statement begründete MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi die Entscheidung mit mangelnder Loyalität gegenüber dem Sender, dem Steimle in einem Interview „mangelnde Staatsferne“ vorgeworfen hatte. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, schrieb Jacobi. „Wiederholt hat Uwe Steimle in öffentlichen Äußerungen die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Frage gestellt.“ Nun sei „der Punkt erreicht, der eine weitere Zusammenarbeit für uns unmöglich macht“.

Hoch umstritten war Uwe Steimle, der von 1993 bis 2009 im Schweriner „Polizeiruf 110“ spielte, auch für politische Positionen und Provokationen, die er in seinen Programmen und Interviews verlautbarte. In einem Interview mit Wochenzeitung „Junge Freiheit“ hatte er Deutschland als von den USA „besetztes Land“ bezeichnet. Besonderes Aufsehen erregte er mit T-Shirts, die er mit der Aufschrift „Kraft durch Freunde“ versah - eine Anspielung auf den Nazi-Slogan „Kraft durch Freude“. Steimle rechtfertigte sich: „Ich bin Satiriker! Vermutlich hätte Jan Böhmermann für diesen Spruch einen doppelten Grimme-Preis mit Eichenlaub bekommen.“

teleschau

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