ZDFinfo, Montag, 3. Juli, 20.15 Uhr

Despot Housewives: Ehefrauen berüchtigter Diktatoren im Portrait

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Jewel Taylor war die ehemalige Ehefrau des gestürzten Präsidenten Charles Taylor. Nach der Trennung von ihrem Mann setzte sie ihre eigene politische Karriere erfolgreich fort und kandidierte bei den Wahlen zum Senat und Repräsentantenhaus Liberias.

Heimchen am Herd oder Strippenzieher im Hintergrund? Die fünfteilige Dokureihe „Despot Housewives“ porträtiert Ehefrauen berüchtigter Diktatoren und Machthaber.

Augusto Pinochets Militärdiktatur soll für mehrere tausend Ermordete, mehrere zehntausend Fälle von Folter und eine hohe Zahl „verschwundener“ Chilenen verantwortlich sein. Der General putschte sich 1973 an die Spitze des Staates und regierte Chile bis 1990. Augusto Pinochet starb, bevor er für die Taten während seiner Militärdiktatur verurteilt werden konnte. Unklar ist bis heute, inwieweit Lucía Hiriart, die ehemalige First Lady von Chile, an der Politik ihres Mannes beteiligt war und die Geschehnisse beeinflusste. Sie inszenierte sich gerne als unpolitische Hausfrau, doch entspricht diese Darstellung der Wahrheit? Die kuriose Dokureihe „Despot Housewives - Die Frauen der Diktatoren“ von Joel Soler geht am Montag, 3. Juli, 20.15 Uhr, auf ZDFinfo der Frage nach, wie es sich an der Seite brutaler Diktatoren lebt.

Für seine Porträts besuchte der Filmemacher persönlich manche der Ex-First-Ladys, um herauszufinden: Waren die Ehefrauen der Machthaber jeweils harmlose Heimchen am Herd? Oder vielleicht doch die heimlichen Strippenzieher im Hintergrund?

Augusto Pinochets Ehefrau, Lucía Hiriart, ist nur eine von vielen „Despot Housewives“, deren Rollen in der Politik jeweils nicht so wirklich klar sind. Unterstützen sie ihre Männer, die Mörder, Folterer, Diktatoren? Hatten sie keine andere Wahl, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen? Oder verfolgten die Frauen im Hintergrund etwa ihre ganz eigene Agenda? Nicht wenige der First-Ladys machten nach dem Tode ihrer Männer selbst Karriere als Politikerinnen.

Asma al-Assad lässt überhaupt keine eigenen politischen Ambitionen erkennen

Da ist zum Beispiel die einstige First Lady von Bangladesch, Khaleda Zia. Ihr Ehemann, der damalige Präsident Ziaur Rahman, wurde 1981 bei einem fehlgeschlagenen Militärputsch ermordet. Sie selbst allerdings schaffte es zum Staatsoberhaupt und war von 1991 bis 1996 und von 2001 bis 2006 Premierministerin Bangladeschs. Auch Imelda Marcos, die einst die First Lady der Philippinen war, kehrte nach dem Tod ihres Mannes (1989) im Jahr 1991 auf die Philippinen zurück. Von 1995 bis 1998 hatte sie einen Sitz im Unterhaus, im Juni 2010 wurde sie erneut in das Repräsentantenhaus gewählt und seither zweimal wiedergewählt.

Asma al-Assad dagegen lässt überhaupt keine eigenen politischen Ambitionen mehr erkennen. Von der Modezeitschrift „Vogue“ wurde die Ehefrau von Syriens Machthaber Baschar al-Assad noch 2011 als „Rose der Wüste“ bezeichnet. Sie wuchs in London auf, genoss eine privilegierte englische Ausbildung, arbeitete vor ihrer Ehe als Finanzanalystin für die Deutsche Bank und galt einst als große Hoffnungsträgerin in Syrien. Inzwischen ist davon nicht mehr die Rede. In einem Interview mit dem TV-Sender Rossija 24 erhob sie letztes Jahr lediglich schwere Vorwürfe gegenüber dem Westen und dessen Medien und pries ihren Mann.

Doku-Reihe von Joel Soler umfasst fünf 45-minütige Filme

Die Doku-Reihe von Joel Soler umfasst fünf 45-minütige Filme, die ZDFinfo direkt hintereinander zeigt: „Raub am eigenen Volk“, „Genossin Nummer eins“, „Im Schatten des Verbrechens“, „Schöner Schein“ sowie „Ungekrönte Königinnen“. Dabei werden neben Asma al-Assad, Khaleda Zia und Lucía Hiriart 15 weitere Frauen porträtiert, die an der Seite berühmt-berüchtigter Tyrannen lebten oder leben, unter anderem Nedschmije Hodscha, die Witwe des einstigen albanischen Diktators Enver Hodscha, Agathe Habyarimana - die ehemalige First Lady Ruandas -, mitverantwortlich für den Genozid 1994, sowie Imelda Marcos, Witwe des philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos.

tsch

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