Gender-Debatte

ZDF reagiert auf Kritik an gesprochenem Gender-Sternchen

Bei "heute-journal" Moderator Claus Kleber ist das gesprochene Gender-Sterchen bisweilen zu hören.
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Bei „heute-journal“ Moderator Claus Kleber ist das gesprochene Gender-Sterchen bisweilen zu hören.

„Mind the gap!“ - „Beachten Sie die Lücke!“ - Der gut gemeinte Warnhinweis aus der Londoner U-Bahn hat neuerdings auch im deutschen Fernsehen Konjunktur.

Zwar läuft hier niemand Gefahr, sich den Fuß einzuklemmen, ins „Stolpern“ gerät aber so mancher dennoch. Das gesprochene „Gender-Sternchen“, ein Mittel zu mehr Geschlechtergerechtigkeit im sprachlichen Ausdruck, klingt für viele deutsche Ohren doch sehr ungewohnt.

„Mir stellen sich die Nackenhaare auf“, zitierte nun das ZDF in einem Facebook-Post aus der Beschwerde der Zuschauerin Claudia D. Am Beispiel von „Kund-Innen“ und „User-innen“ bangt die Schreiberin, ob derlei nun das neue Nonplusultra sei. Die Antwort der ZDF-Redaktion: „Wir möchten möglichst diskriminierungsfrei kommunizieren und achten dabei auch darauf, wie sich Gesellschaft und Sprache verändern.“

Eine verbindliche Anweisung an seine Mitarbeiter hat der öffentlich-rechtliche Sender aber offenbar nicht ausgegeben. „Einige Moderator-innen und Korrespondent-innen tun das gelegentlich in ihren Moderationen bzw. Beiträgen, indem sie eine kleine Pause zwischen dem Wortstamm und der weiblichen Endung machen“, heißt es weiter in dem Antwortschreiben. Hierfür gebe es beim ZDF aber keine Vorgaben. „Die Redaktionen entscheiden selbst, welche Form der Ansprache für das jeweilige Format am besten geeignet ist.“

Kritik aus der Wissenschaft an „lächerlichen Sprachgebilden“

Eines der bekanntesten ZDF-Gesichter, welche den Gendergap artikulieren, ist „heute-journal“-Moderator Claus Cleber. Auch in Beiträgen des Recherchemagazins „Frontal21“ sowie beim digitalen Jugendangebot Funk ist die Lücke zwischen männlicher und weiblicher Substantivform zu hören. Bei der ARD gilt Talkshow-Moderatorin Anne Will als Vorreiterin auf dem Gebiet.

Nicht nur viele Zuschauerinnen und Zuschauer stören sich an der ungewohnten Praxis. Kritik kommt auch aus Teilen der Wissenschaft. So kritisierte der Dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer den Trend, Partizipkonstruktionen wie „Radfahrende“ anstelle von „Radfahrer“ zu verwenden als „lächerliche Sprachgebilde“.

Krämer, der auch Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache ist, hat unlängst einen Beschwerdebrief an die Rundfunkräte verfasst. Darin wird unter anderem argumentiert, dass der Knacklaut bei Substantiven mit Gendersternchen in der gesprochenen Sprache oft nicht hörbar sei, also etwa bei „Ärzt-innen“ die männliche Form diskriminiert werde. Krämer: „Ein Verzicht auf die feminine Endung würde das Problem lösen, denn maskuline Personenbezeichnungen sind grundsätzlich generisch, wie wissenschaftliche Grammatiken des Deutschen dies klar formulieren.“

„Sowohl geschrieben als auch gesprochen einfach nur lächerlich“

Die Reaktionen bei Facebook auf die ZDF-Stellungnahme zum Thema fallen durchaus gemischt aus. „Ihr macht das genau richtig. Sich weiterentwickeln und möglichst alle mitnehmen, allein durch Sprache, wird noch viel zu sehr unterschätzt“, stärkt ein User dem Mainzer Sender den Rücken. „Ich war überrascht, dass sich das Gendersternchen gesprochen doch recht natürlich einfügt und gar nicht so fremd klingt wie erwartet“, bekräftigt eine weitere Userin.

Ein anderer hält dagegen, auch mit Verweis auf das „dritte Geschlecht“: „Sowohl geschrieben als auch gesprochen finde ich dieses Gendersternchen einfach nur lächerlich, zumal es ja mittlerweile nicht nur Mann und Frau gibt und die werden dadurch ja ausgegrenzt.“ Ablehnend äußert sich auch dieser Kommentarschreiber: „Ich finde Diskriminierung schlimm. Das gesprochene und geschriebene Gender-Sternchen finde ich jedoch weder schön, noch wirkt der Gebrauch souverän.“ Schließlich wird der Vorschlag laut: „So etwas wäre ein guter Stoff für eine Volksabstimmung.“

teleschau

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