Premiere in Berlin

„Es wurde unglaublich viel geflirtet“: So schrill wird „Queen of Drags“

Sie stellen die Jury in der ersten Folge „Queen of Drags“ (von links): Bill Kaulitz, Heidi Klum, Olivia Jones und Conchita Wurst.
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Sie stellen die Jury in der ersten Folge „Queen of Drags“ (von links): Bill Kaulitz, Heidi Klum, Olivia Jones und Conchita Wurst.

Wer wird die Drag Queen des Jahres? Mit Heidi Klum, Bill Kaulitz und Conchita Wurst in der Jury wagt ProSieben das Format „Queen of Drags“. Nun feierte der Sender in Berlin die Premiere der Show - und zwar angemessen laut, schrill und politisch.

So schrill, laut und zugleich angemessen politisch ging es bei der Premiere eines Casting-Formats in Deutschland wohl noch nie zu. Geladen hatte ProSieben zur Vorstellung der neuen Show „Queen of Drags“ in den Berliner Zoo Palast, der am Montagabend zum Zentrum der hiesigen Drag- und Queer-Community geriet. Hunderte Gäste feierten die erste Episode, dutzende davon hatten sich für den Anlass aufwendig in Schale geworfen und präsentierten sich in voller Drag-Pracht. „Ich meine, dass wir noch viele andere Talente haben“, sagte Jury-Mitglied Tom Neuwirth alias Conchita Wurst vielsagend mit Blick ins bunteste Publikum aller Zeiten. Die österreichische Drag-Künstlerin hatte beim Dreh im fernen Kalifornien gemeinsam mit Heidi Klum und Bill Kaulitz die zehn Kandidatinnen bewertet, die am Ende der Berliner Premiere ebenfalls ihren großen Auftritt auf der Bühne hatten.

Während die zehn Drag Queens sowie Conchita und Bill die Fans live begeisterten, schickte Heidi Klum ein Grußwort aus Costa Rica, wo sie aktuell mit dem Dreh von „GNTM“ beschäftigt ist: „Ich wäre so gerne da“, so die Moderatorin, deren Show-Teilnahme als Hetero-Frau, die sonst junge Mädchen castet, in der queeren Gemeinschaft für ausgiebige Diskussionen gesorgt hatte. „Ich weiß, es war kontrovers“, sprach Conchita das Thema direkt auf der Bühne an. „Aber ich fand es auch demaskierend für unsere Community. Wir alle wollen wertgeschätzt werden“ - so auch eine Heidi Klum.

Überhaupt gingen die Teilnehmerinnen und der Sender mit der an politischer Sprengkraft nicht armen Debatte überraschend offen um, sowohl auf der Bühne, als auch in der ersten Folge selbst, die im Kinosaal für wahre Begeisterungsstürme, Szenenapplaus und anfeuernde Zwischenrufe sorgte. Erste Einschätzung: Der Community scheint es in der Tat zu gefallen zu haben.

Genau wie den Jury-Mitgliedern, die bei der Premiere offenherzig aus dem Nähkästchen plauderten: „Es wurde unglaublich viel geflirtet“, ließ Bill Kaulitz durchblicken - es sei wohl „das schwulste Set, das es jemals gab“ gewesen. Geholfen hätten auch die Champagner-Mengen, die ein halbnackter Barkeeper den Drags vor Ort ausschenkte - und die auch während der Premiere im Zoo Palast für heitere Stimmung sorgten. Der Bruder von Heidi-Ehemann Tom schwärmte weiter: „Ich könnte noch mal zwei Wochen weiterdrehen.“ Es sei ein „schöner Zusammenhalt“ zwischen den Kandidatinnen entstanden, jeder habe „viel Herzblut“ in das Projekt gesteckt. Kurz: „Es war wie eine Family“.

Aufklärung durch Unterhaltung

Für Conchita Wurst, neuerdings bekanntlich auch nur unter dem Künstlernamen „Wurst“ unterwegs, ist „Queen of Drags“ auch eine Möglichkeit, aufzuklären: „Informationen zu tranportieren, indem man unterhält, ist der beste Weg“, so die ESC-Gewinnerin von 2014. Denn Drag Queens sind auch heute noch Anfeindungen aller Art ausgesetzt, auf der Straße und im Netz. Auch diese homosexuellen- und transfeindliche Stimmung ließ ProSieben auf der Premiere nicht unerwähnt; Sendersprecher Christoph Körfer las gar Hass-Tweets aus dem Netz vor - und schlussfolgerte: „Deshalb ist es wichtig, dass wir 'Queen of Drags' machen“.

Das sah auch Conchita so: Die Show habe „das Potenzial, den Menschen eine Perspektive zu bieten - und sich die Frage zu stellen: Könnte mein Leben vielleicht noch geiler sein?“ Zudem offenbarte die Künstlerin, bereits viele Anfragen dieser Art erhalten zu haben, aber: „Es war nicht der richtige Sendeplatz, der richtige Sender und die richtige Wertschätzung“. Das sei diesmal anders gewesen.

Auch die Schwierigkeiten, die sie als Jurymitglied gehabt habe, legte Conchita offen: „Jemanden zu beurteilen für etwas so Persönliches, ist schwierig“. Auch, weil die Drag-Queens schließlich allesamt geglänzt hatten: „Performance hat immer mit Emotion zu tun. Alle zehn haben das geschafft. ihr seid unglaublich tolle Künstlerinnen“, lobte Conchita.

Mit großen Perücken, glitzernden Kleidern und in hochhackigen Schuhen stellen sich die zehn Teilnehmerinnen ab 14. November, jeden Donnerstag, ab 20.15 Uhr, auf ProSieben der Herausforderung, Deutschlands erste „Queen of Drags“ zu werden. Dafür ziehen die Drag Queens gemeinsam in eine Luxus-Villa in Kalifornien - samt den zu erwartenden Dramen, die während der ersten Folge vom Berliner Publikum mit zahlreichen Kommentaren begleitet wurden. Das Zeug zum Jury-Mitglied mit den spitzesten Anmerkungen hatte übrigens der Stargast der ersten Sendung, die unter dem Motto „The Art of Drag“ steht: Geladen ist mit Olivia Jones Deutschlands wohl bekannteste Drag Queen. Gemeinsam mit der Jury bewertet sie dabei die Leistung in Tanz, Gesang, Persönlichkeit und Entertainment. Und um das bereits vorwegzunehmen; Ja, es gab auch Tränen.

teleschau

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